Motorsport, Formel 1

Der Konstrukteurstitel ist schon weg, der Fahrertitel nach dem Rennen in Mexiko wahrscheinlich auch: Sebastian Vettel und Ferrari müssen gegen den Frust der drohenden Doppel-Niederlage gegen Mercedes und Lewis Hamilton ankämpfen.

27.10.2017 - 10:50:05

Ferrari-Pilot optimistisch - Vettel: «Werden am Ende ein viel stärkeres Team sein». Seinem Teamchef gibt der Hesse Rückhalt.

Mexiko-Stadt - Der Ausflug in den Simulator war für Sebastian Vettel eine willkommene Ablenkung von seinem trüben Formel-1-Alltag. Die Niederlage gegen einen Fan bei dem Sponsorentermin konnte der viermalige Champion vor Beginn des Renn-Wochenendes in Mexiko-Stadt auch locker verkraften.

Vettel schmerzt etwas ganz anderes. Das WM-Duell gegen seinen Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton ist so gut wie verloren, der Konstrukteurstitel ist seit dem Rennen in den USA vor einer Woche erneut bei der silbernen Konkurrenz und von hinten drängt Red Bull. Nach einem verheißungsvollen Saisonauftakt hat die Scuderia ihre gute Ausgangslage verspielt. Auch wenn Vettel noch die üblichen Durchhalteparolen von sich gibt: «Wir haben noch eine Chance. Wir wollen die letzten drei Rennen gewinnen, und ich denke, das können wir. Das ist unser Ziel. Und dann sehen wir, was passiert.»

Ob der Heppenheimer angesichts der Tatsache, dass Hamilton am Sonntag (20.00 Uhr/RTL und Sky) im 18. von 20 Saisonrennen Platz fünf zu seinem vierten Titel genügt, wirklich noch an das Wunder glaubt, ist sein Geheimnis.

Viel wichtiger erscheint seine Mission, gegen den Trübsinn bei den Roten anzureden und das Positive herauszustellen. «Insgesamt denke ich, dass es ein sehr gutes Jahr war», sagte der 30-Jährige in Mexiko-Stadt und wiederholte das, was er schon seit einigen Rennen erklärt. «Das Team hat unglaublich viel geleistet hat, um da zu sein, wo wir jetzt sind.»

Vettel betonte, dass Ferraris Leistung eine der Überraschungen der Saison war, dass niemand die Scuderia so stark erwartet hätte - vor allem nicht nach dem enttäuschenden Jahr 2016. «Wir haben wahrscheinlich bewiesen, dass jeder falsch lag», sagte er. Mercedes sei vor der Saison als Favorit gehandelt worden, auch Red Bull, aber nur wenige hätten Ferrari genannt.

Vettel klingt trotzig: Seht her, wir haben auch etwas geleistet. Die Ungeduld in Italien und vor allem bei Ferrari-Oberboss Sergio Marchionne ist nach nun - wahrscheinlich - elf Jahren ohne Fahrertitel dennoch groß. Der Einbruch nach der Sommerpause, als aus einem 14-Punkte-Vorsprung von Vettel auf Hamilton binnen sechs Rennen ein 66-Punkte-Rückstand wurde, hat das Reizklima erhöht. Die desaströsen Asien-Wochen mit dem Startunfall in Singapur und den Technikpannen in Malaysia und Japan erscheinen wie ein Rückfall in unselige Zeiten.

Die Plätze zwei und drei für Vettel und seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen am vergangenen Sonntag in Austin sahen nur vom reinen Ergebnis wie eine Besserung aus. Tatsächlich erdrückten Hamilton und Mercedes mit ihrer Dominanz alle vagen Titelhoffnungen.

Ferraris Chefpilot sieht sein Team dennoch auf dem richtigen Weg, plädiert für Kontinuität und macht sich daher auch permanent für den angeschlagenen Teamchef Maurizio Arrivabene stark. Vettel nerven die ständigen Spekulationen um seinen Vorgesetzten. «Ich denke, er ist der richtige Mann, er ist ein sehr starker Anführer, er wird respektiert», sagte er über den ehemaligen Tabakmanager. Er sieht in dem 60-Jährigen mit dem Charisma eines Italo-Western-Helden gar die «Schlüsselperson» für den Aufwärtstrend bei den Italienern seit 2014.

Marchionne hatte indes noch vor Austin angekündigt, dass es zumindest auf einer Position nach der Saison eine Änderung geben werde. «Wir müssen aber nicht das ganze Team umkrempeln», sagte er. Den Namen Arrivabene nannte Marchionne nicht, aber auszuschließen ist es nicht, dass dieser gemeint ist.

«Ich glaube, wir kennen unsere Schwächen», entgegnete Vettel in Mexiko-Stadt. «Einige Dinge können schnell passieren, einige Dinge werden einige Zeit in Anspruch nehmen, aber wenn wir diese Dinge in Ordnung bringen, denke ich, dass wir am Ende ein viel stärkeres Team sein werden.»

@ dpa.de

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