Fußball, WM

Zlatko Dalic hatte sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Trainer gemacht - am Persischen Golf.

13.07.2018 - 10:44:05

Trainer-Nobody - Kroatiens Coach Dalic: Goldpokal ohne Silbertablett?. In Kroatien sprang er als Nationalcoach ein, als das WM-Ticket fast schon weg war. Jetzt steht er im Finale von Moskau und spricht von einem «Wunder».

Moskau - Der Mann mit dem schwarzen gescheitelten Haar war im vergangenen Jahr ein Nobody der internationalen Trainerszene. Bei Al Ain Club in den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeitete Zlatko Dalic ganz weit weg von der großen Fußball-Welt.

Nun hat er Kroatien gegen viele Widrigkeiten ins Finale der Weltmeisterschaft gegen Frankreich geführt. «Mir ist nie etwas auf dem silbernen Tablett serviert worden», sagt der 51-Jährige nach dem «Wunder» der kleinen kroatischen Fußball-Nation vor dem größten Spiel seiner Karriere am Sonntag (17.00 MESZ) in Moskau.

Dalic ist der glatte Gegenentwurf zu Didier Deschamps, dem Weltmann des Profigeschäfts. Frankreichs Chefcoach war schon als Spieler Weltmeister und kann nun mit Franz Beckenbauer und dem Brasilianer Mario Zagallo gleichziehen, die jeweils auch als Spieler und Coach den WM-Pokal gewannen. Dalic spielte die längste Zeit seiner Karriere für Hajduk Split und NK Varazdin.

Als Deschamps 1998 mit der Équipe Tricolore triumphierte, da erlebte Dalic das Turnier als Zuschauer mit. «Ich war in Frankreich bei den ersten drei Spielen als Fan, dann musste ich heimreisen, um mich auf die neue Saison vorzubereiten.» Varazdin war auch sein letzter Club als Spieler und der erste als Trainer. Das Nationaltrikot trug er im Gegensatz zu Deschamps mit seinen über 100 Länderspielen nie.

«Zlatko wer?» lautete die Frage, als Verbandschef und Stürmer-Idol Davor Suker im vergangenen Oktober in höchster Not den arbeitslosen Dalic verpflichtete. Kroatien drohte unter Ante Cacic das Aus in der WM-Qualifikation. Der Neue war über den Umweg Albanien (Dinamo Tirana) erst in Saudi-Arabien gelandet und dann in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort wurde Dalic Meister und Pokalsieger und hatte 2016 das Finale der asiatischen Champions League erreicht. Nichts, was im europäischen Fußball groß zur Kenntnis genommen wurde.

«Ich will keinen Vertrag, der mir das Recht gibt, die Hände in die Tasche zu stecken. Wenn wir nicht nach Russland fahren, bin ich sofort wieder weg», versprach Dalic, fuhr mit dem Auto zum Flughafen, um dort erstmals mit der Mannschaft zusammenzutreffen. Zwei Tage später gewannen die Kroaten mit 2:0 gegen die Ukraine. Über die Playoffs gegen Griechenland schaffte es das Team um Luka Modric nach Russland.

Bei den letzten Weltmeisterschaften galten die Profis vom Balkan stets als großes Versprechen, scheiterten aber immer wieder an Egoismen oder Streitigkeiten. In diesem Jahr belastet zudem die Causa Zdravko Mamic den kroatischen Fußball: Der einstige Topfunktionär wurde zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er umgerechnet 17 Millionen Euro bei Spielertransfers in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte. Auch Superstar Modric muss eine Haftstrafe befürchten - wegen einer Falschaussage im Prozess.

Doch nun schaut die Fußball-Welt nur auf Modrics Füße, mit denen er die Bälle so wunderbar verteilt. Auch der Profi von Real Madrid lobt Dalic: «Seit ich in der Nationalelf bin, habe ich noch nicht so eine Gemeinschaft gesehen, die uns dahin geführt hat, wo wir jetzt stehen.»

Der Chefcoach ist klug genug, sich zurückzunehmen und seinen unverhofften Aufstieg nicht noch zu inszenieren. «Der Schlüssel ist, dass es zwischen mir und den Spielern geklickt hat», erklärt der gebürtige Bosnier. «Ich kann diesen Spielern nicht Fußball beibringen, ich muss mich um andere Dinge kümmern.» Um das große Ganze nämlich. Abwehrspieler Dejan Lovren erklärt: «Zlatko hat gezeigt, dass er von Anfang jenes Vertrauen in uns hat, was andere nicht hatten.»

Nach dem Halbfinal-Sieg gegen England hatte Dalic zur Pressekonferenz das rot-weiße Karo-Trikot als Signal an das freudetrunkene Vier-Millionen-Volk übergestreift. «Was wir für unser Land schaffen, ist fantastisch», sagte er mit glänzenden Augen. Und jetzt das große Finale. «Das wird unser härtestes Spiel», sagt Dalic. Aber er habe in seinem Leben schon immer «den steinigeren Weg genommen».

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Löw berät Lage mit Bierhoff bei WM-Krisengipfel. Mit der gesamten Sportlichen Leitung will der Bundestrainer am Mittwoch und Donnerstag in Frankfurt die Analyse des historischen WM-Scheiterns der Nationalmannschaft vorantreiben, hieß es vom Deutschen Fußball-Bund. An dem Zwei-Tages-Treffen ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nur die Sportliche Leitung beteiligt, nicht aber die DFB-Spitze um Präsident Reinhard Grindel. Frankfurt/Main - Drei Wochen nach dem WM-K.o. hat sich Joachim Löw zu Gesprächen mit Oliver Bierhoff in der DFB-Zentrale getroffen. (Politik, 18.07.2018 - 15:10) weiterlesen...

Nach WM-Debakel - Löw & Bierhoff bei WM-Krisengipfel in der DFB-Zentrale. Mit Oliver Bierhoff analysiert der Bundestrainer an zwei Tagen den WM-K.o. Das historische Aus belastet den DFB weiter. Die Chefs der Landesverbände wurden aufgefordert zu schweigen. Joachim Löw ist erstmals nach dem WM-Aus zu einem Arbeitstreffen in der DFB-Zentrale. (Sport, 18.07.2018 - 14:14) weiterlesen...

Nach WM-Debakel - Löw berät Lage mit Bierhoff: Treffen in DFB-Zentrale. Joachim Löw ist erstmals nach dem WM-Aus zu einem Arbeitstreffen in der DFB-Zentrale in Frankfurt. Mit Teammanager Oliver Bierhoff und seinen Assistenten will der Bundestrainer seine Turnier-Analyse vorantreiben. An der Deadline 24. August ändert sich vorerst nichts. Nach WM-Debakel - Löw berät Lage mit Bierhoff: Treffen in DFB-Zentrale (Sport, 18.07.2018 - 12:40) weiterlesen...

Nach WM-Debakel - Bundestrainer Löw zu Gespräch mit Bierhoff in DFB-Zentrale Frankfurt/Main - Bundestrainer Joachim Löw hat seine WM-Auszeit beendet und sich mit Teammanager Oliver Bierhoff in der DFB-Zentrale in Frankfurt getroffen. (Sport, 18.07.2018 - 12:14) weiterlesen...

ARD-Sportkoordinator kritisiert TV-Experte Philipp Lahm. «Philipp Lahm in unserem Team zu haben war aufgrund seiner Erfahrung sicher sehr belebend», sagt Balkausky der «Sport Bild». Manchmal habe man sich aber noch mehr von diesem Erfahrungsschatz und noch deutlichere Einschätzungen gewünscht. Mit seiner deutlichen Kritik auch an Bundestrainer Joachim Löw im sozialen Netzwerk LinkedIn hatte Lahm nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft für Aufsehen gesorgt. Berlin - ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hat Philip Lahm für seine Experten-Tätigkeit während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland kritisiert. (Politik, 17.07.2018 - 23:26) weiterlesen...

Weltmeister beim FC Bayern - WM-Titel als Durchstarthilfe: Lizarazu-Effekt bei Tolisso?. Der WM-Triumph soll die Karriere von Rekordeinkauf Corentin Tolisso beim FC Bayern ähnlich beschleunigen. 20 Jahre nach Bixente Lizarazu kehrt wieder ein Franzose als Weltmeister nach München zurück. (Sport, 17.07.2018 - 12:44) weiterlesen...