Fußball, Bundesliga

Wie gehen die Fußball-Clubs mit Investoren um? Hannover-Boss Martin Kind hat eine Reform angeschoben und will eine schnelle Neuerung.

06.02.2018 - 17:04:06

50+1-Regel: Reformprozess ist nicht aufzuhalten. Eine schwierige Diskussion zeichnet sich ab - bei der vor allem Zeitligisten eine entscheidende Rolle spielen.

Hannover - Dem deutschen Profifußball steht bei der Frage nach dem Umgang mit Investoren eine Zerreißprobe bevor. Die ersten Reaktionen auf die angekündigte Reform der 50+1-Regel machen unterschiedliche Sichtweisen deutlich.

Und 96-Clubchef Martin Kind drückt aufs Tempo, weil er auch nach seinem überraschenden Strategie-Wechsel die Mehrheit beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 übernehmen will.

«Das war immer ein Ziehen und Zerren von allen Seiten», sagte Kinds Anwalt Christoph Schickhardt zu Reformen im Fußball. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) müsse nun «Jahn Regensburg und Bayern München unter einen Hut bringen». Aber der «Prozess der Modernisierung ist nicht aufzuhalten».

Am Vortag hatte Kind völlig unerwartet bekanntgegeben, dass er seinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel bei der DFL ruhen lässt. Laut dieser Regel müssen die Stammvereine der Bundesligisten die Mehrheit von 50 plus einer Stimme in den ausgelagerten Kapitalgesellschaften halten. Dadurch soll der Einfluss von Investoren begrenzt werden.

Um die Regel und damit auch die Satzung zu verändern, ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit unter den 36 Proficlubs der Ersten und Zweiten Liga nötig. Einige Clubs wie der FC St. Pauli, der SC Freiburg und auch Borussia Dortmund haben sich bereits gegen eine Reform dieser nur im deutschen Profifußball praktizierten Begrenzung eines Investoren-Einflusses ausgesprochen.

Die meisten Vereine signalisieren zumindest Gesprächsbereitschaft, wollen zum Teil aber grundsätzlich an der Regel festhalten. «Wir sind ganz klar dafür, dass 50+1 bestehen bleibt», sagte der Mainzer Manager Rouven Schröder. «Wichtig ist, dass man als Verein weiter alle Entscheidungen in der Hand hält.»

«Ich finde es gut, dass man darüber nachdenkt, ohne dass ich sage: es muss weg», sagte Sportvorstand Christian Heidel vom FC Schalke 04. Er geht aber davon aus, dass es wohl keine Lösung geben werde, «die alle zu 100 Prozent zufrieden stellt.»

Holger Sanwald vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim kann sich hingegen sogar ein Ende der in Europa einzigartigen Schutzregel vorstellen. «Ich würde sie abschaffen oder zumindest öffnen», sagte der FCH-Vorstandschef. Zu den klaren Befürwortern gehört hingegen der BVB. «Wir werden weiter für 50+1 kämpfen», hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» angekündigt.

Der Liga stehen komplizierte Diskussionen bevor - zudem zeigt Kind wenig Geduld. Er hoffe, «dass die Liga zügig zu Potte kommt», sagte Schickhardt. Der 96-Boss selbst erklärte aber dazu: «Zügig heißt nicht, dass wir das 2019 machen.»

Der Vereins-Präsident und Mehrfach-Gesellschafter will weiterhin die Mehrheit an der 96-Management GmbH vom Stammverein übernehmen und setzt auf eine schnelle Einigung bei der nun angekündigten Reform. «Es gibt Hinweise, dass es sehr zügig abgearbeitet wird», sagte Kind. Wenn es «wider Erwarten» zu keiner entsprechenden Einigung der 36 Profivereine komme, «dann würden wir den Antrag aktivieren und auch klagen».

Der Hörgeräte-Unternehmer bestritt, dass er den Antrag ruhen lasse, weil er von einer Ablehnung durch das Präsidium der DFL gewusst habe. «Es gab kein Signal, dass sie es ablehnen», versicherte Kind. Sein Anwalt sagte: «Ich weiß, dass die Entscheidung offen war.»

Es hatte zuvor Gerüchte gegeben, dass Kinds Ausnahmeantrag abgelehnt werde. Grund: Kind habe in 20 Jahren nicht so viel Geld in den Club investiert wie die Hauptsponsoren in dieser Zeit - so wie es in den Leitlinien zur 50+1-Regelung gefordert wird.

Kind erklärte nun, dass er ausreichend Geld aus seinem Privatvermögen in den Verein gesteckt habe. «In den 20 Jahren waren die Hauptsponsoren-Einnahmen 46 Millionen», sagte der Unternehmer: «Es liegt der DFL vor, dass ich mehr Geld aufgewendet habe.» Eine genaue Zahl nannte er nicht: «Ich sage nicht alles.»

@ dpa.de

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