Fußball, Bundesliga

Und täglich grüßt das Murmeltier.

02.12.2018 - 10:52:06

BVB weiter auf Kurs - Jokerkönig Alcácer schreibt Ligageschichte. Wie Bill Murray im legendären Filmklassiker erlebt der BVB wieder und wieder die gleiche Story. Paco Alcácer wird eingewechselt - und trifft. Nicht zuletzt deshalb steuert der BVB weiterhin auf Herbstmeister-Kurs.

Dortmund - Unglaublich, unnachahmlich, unerreicht - Paco Alcácer hat sich binnen weniger Wochen in die Geschichtsbücher der Fußball-Bundesliga geschossen.

Auch beim eher unspektakulären 2:0 (1:0) über den SC Freiburg setzte der Dortmunder Neuzugang seine wundersame Erfolgsstory fort. Sein neuntes Jokertor im achten Bundesliga-Einsatz befreite den Spitzenreiter in der Nachspielzeit von der Angst vor einem unnötigen Rückschlag und sorgte bei den Fans für die perfekte Einstimmung auf das Revierderby gegen den FC Schalke am kommenden Samstag. «Er spürt Fußball im Strafraum und ist sehr, sehr gefährlich», lobte Trainer Lucien Favre.

Tore des kurz zuvor eingewechselten Alcácer werden in Dortmund allmählich zum festen Ritual. Diesmal benötigte der einstige Profi des FC Barcelona 21 Minuten, um seinen Ruf als BVB-Glücksbringer zu pflegen. Mit neun Jokertoren egalisierte er die bisherigen Bestmarken des Freiburgers Nils Petersen (2016/17) sowie des Stuttgarters Ioan Viorel Ganea (2002/03), hat aber noch viele Spiele vor sich, um an ihnen vorbeizuziehen. Nur der Hamburger Charly Dörfel erzielte 1963 in seinen ersten acht Bundesliga-Spielen zehn Tore. Gemessen an seinen Einsatzzeiten traf Alcácer jedoch im Schnitt häufiger - alle 28 Minuten.

Dem nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, den 25-Jährigen angesichts dieser Traumquote künftig nur noch als Joker einzusetzen, konnte Michael Zorc wenig abgewinnen. «Wir haben ihn nicht ganz fit übernommen, weil er nicht diesen Rhythmus gewohnt war, regelmäßig zu spielen. Aber das ist kein Schema für die nächsten Wochen, der Trainer wird es immer wieder neu bewerten», kommentierte der BVB-Sportdirektor schmunzelnd bei Sky.

Trifft Alcácer auch im prestigeträchtigen Duell am kommenden Spieltag beim Erzrivalen aus Gelsenkirchen, wäre ihm in Dortmund Kultstatus endgültig gewiss. Mit lauten Gesängen und Hüpfeinlagen stimmten sich die Fans auf der Südtribüne zusammen mit der davor tanzenden Mannschaft auf die Aufgabe ein. Kapitän Marco Reus machte aus seiner Vorfreude auf den Liga-Klassiker keinen Hehl. «Als wir letztes Jahr dahin gefahren sind, war Schalke im Aufwind. Diesmal ist es umgekehrt.»

Dank der Kaltschnäuzigkeit von Alcácer und der Nervenstärke von Reus beim Foulelfmeter (40.) blieb die Borussia auf Kurs Richtung Herbstmeisterschaft und überstand auch das 13. Saisonspiel ohne Niederlage. Die Fähigkeit auch solche eher dürftigen Vorstellungen erfolgreich abzuschließen, machen den BVB mehr und mehr zu einem echten Titelaspiranten. «Zum Glück sind wir geduldig geblieben. Das war wichtig», befand Favre.

Der Schweizer Fußball-Lehrer sammelte nicht nur aufgrund des anhaltenden Höhenflugs seiner Mannschaft Pluspunkte bei den Fans. «Ich verstehe die Leute, die protestieren, hier und überall. Ich würde alle Spiele am Montag total verbieten», kommentierte er die Aktion der Ultras, die in der ersten Halbzeit aus Protest gegen Montagsspiele im deutschen Fußball den Support für ihr Team verweigert hatten. Bei den kommenden Spielen wünscht sich Favre aber mehr Leben auf der Südtribüne: «Wir brauchen das. Weil uns die Fans viel bringen, wenn sie da sind, wenn sie laut sind.»

Trotz starker Gegenwehr müssen sich die Freiburger mehr nach unten orientieren. «Nur zu verteidigen, reicht gegen die Dortmunder nicht. Dafür haben sie nach vorn zu viel Qualität», klagte Angreifer Nils Petersen nach dem vierten Spiel in Serie ohne Sieg. Immerhin attestierte Christian Streich seiner Mannschaft im Anschluss an sein 200. Spiel als Bundesliga-Trainer eine «ansprechende Leistung»: «Aber wir waren nicht gut genug mit dem Ball im Umschaltspiel.»

@ dpa.de

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