Fußball, Bundesliga

Rundum glücklich wirkte Thomas Tuchel nicht.

08.05.2017 - 07:26:06

Streit zur Unzeit - Skurrile Diskussion über Trainer Tuchel beim BVB. Ein viel beachtetes Interview des Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke schmälerte die Freude des BVB-Trainers über den wichtigen Sieg gegen Hoffenheim. Das verheißt wenig Gutes für die anstehenden Vertragsgespräche.

Dortmund - Die Saisonziele sind zum Greifen nahe, doch die Zukunft des Trainers scheint ungewisser denn je. Selbst nach dem 2:1 (1:0) über die TSG Hoffenheim im Endspiel um Platz drei herrschte in Dortmund keine uneingeschränkte Freude.

Mehr noch als über den Sieg wurde über den jüngsten Dissens zwischen Hans-Joachim Watzke und Thomas Tuchel diskutiert. Die Aussagen des Geschäftsführers zur Rolle des Trainers nach dem Attentat auf den Teambus wertete Tuchel als unpassend: «Ein großes Thema vor einem direkten Duell um die Champions League. Wir haben große Ziele, die erreichen wir nur mit dem Fokus auf den Sport. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.»

Stein des Anstoßes war ein erst am Spieltag veröffentlichtes Interview von Watzke mit der «Funke Mediengruppe». Darin räumte der Geschäftsführer einen Dissens mit Tuchel im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf die Profis gut drei Wochen zuvor ein.

Anders als der Trainer, der Kritik an der Neuansetzung der abgesagten Champions-League-Partie gegen AS Monaco schon am Tag nach dem Attentat geübt hatte, fand Watzke die Entscheidung nachvollziehbar. Er tat sich deshalb schwer, in das öffentlich Lob für den umsichtigen Umgang von Tuchel mit der Situation einzustimmen: «Ich bewerte alles rund um das Attentat natürlich auch vor dem Hintergrund dessen, was wir intern vertraulich miteinander besprochen haben und was möglich war.»

Dass sich Watzke und Tuchel nicht besonders grün sind, ist in Dortmund ein offenes Geheimnis. Doch die jüngste Meinungsverschiedenheit dürfte die für das Saisonende geplanten Verhandlungen über eine Verlängerung des bis 2018 datierten Tuchel-Vertrages erheblich erschweren. «Wie immer bei analytischen Gesprächen geht es ganz allgemein gesprochen neben dem Sportlichen um Dinge wie Strategie, Kommunikation, Vertrauen», kündigte Watzke vielsagend an.

Dabei scheint Tuchel auf gutem Wege, die Saisonziele zu erreichen. Immerhin steht sein Team im Pokalendspiel, schaffte es in der Champions League unter die letzten Acht und darf nach dem Erfolg über Hoffenheim auf die erneute direkte Qualifikation für die Königsklasse hoffen. «Es kann eine absolute Top-Saison werden», sagte Tuchel, «dafür dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Für das Interview von Herrn Watzke habe ich vor dem Spiel keine Energie aufgebracht. Das bleibt auch jetzt so.»

Dank der Treffer von Marco Reus (4. Minute) und Pierre-Emerick Aubameyang (82.) geht die Borussia als Dritter mit zwei Zählern vor Hoffenheim auf die Zielgerade. Dennoch warnte der Coach vor Genügsamkeit: «Es war kein Endspiel. Die Saison ist nicht vorbei, Platz drei ist nicht gesichert. Wir wollen noch drei Mal gewinnen, um unsere Ziele zu erreichen», sagte er mit Bezug auf die zwei restlichen Punktpartien und das Pokalfinale am 27. Mai gegen Frankfurt.

Anders als die Dortmunder schoben die Hoffenheimer Frust. «Wir waren die bessere Mannschaft, und der Schiedsrichter hatte nicht seinen besten Tag», klagte Julian Nagelsmann. Ähnlich erbost wie der Trainer reagierte Sportdirektor Alexander Rosen auf den Verlust des dritten Tabellenplatzes. «Heute gab es vor der Pause keine Entscheidung, die nicht gegen uns gepfiffen wurde.»

Weil das Schiedsrichter-Team beim frühen Treffer von Reus eine Abseitsstellung des Torschützen übersah und auch danach diverse Male daneben lag, waren die Gäste schlecht auf Referee Felix Brych zu sprechen. «Das frühe Tor hat Dortmund in die Karten gespielt. Jeder hat gesehen, dass es abseits gewesen ist», sagte Nagelsmann. «Wir fühlen uns schon ein bisschen beschissen», kommentierte Torhüter Oliver Baumann.

Die starke Leistung seines Teams spendete Nagelsmann nur bedingt Trost. Der Anschlusstreffer durch den Foulelfmeter von Andrej Kramaric (86.) kam zu spät. Damit können die Hoffenheimer nur mit fremder Hilfe den direkten Einzug in die europäische Königsklasse schaffen. Noch will sich der Trainer im Kampf um Rang drei jedoch nicht geschlagen geben: «Wir wollen jetzt noch sechs Punkte holen. Und dann schauen wir mal, was passiert.»

@ dpa.de

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