Fußball, Bundesliga

Mit der Verpflichtung von Torwart und Weltmeister Ron-Robert Zieler sendet Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart klare Signale nach innen und außen.

12.07.2017 - 20:37:24

Aufsteiger - VfB hat große Ziele mit Zieler: Nummer drei in Deutschland. Der Traditionsclub will in einigen Jahren die Nummer drei in Deutschland werden und erhöht dafür im Kader den Konkurrenzdruck.

Grassau - Für seinen Neustart mit dem VfB Stuttgart verzichtete Ron-Robert Zieler sogar auf ein paar Stunden Schlaf.

Erst um Mitternacht war der Fußball-Weltmeister im VfB-Trainingslager am Chiemsee angekommen, trotzdem marschierte der Torwart schon am Mittwochmorgen mit einem breiten Grinsen auf den Trainingsplatz. Der erste Top-Transfer des Aufsteigers für die kommende Bundesliga-Saison wirkte befreit, als er im VfB-Dress die ersten Bälle parierte.

Auch sein neuer Trainer Hannes Wolf war sehr zufrieden mit dem Zugang von Leicester City. «Wir haben die Verantwortung für den VfB, alle Positionen so gut wie möglich zu besetzen. Wenn man Ron-Robert Zieler verpflichten kann, muss man das machen», sagte Wolf. Das Testspieldebüt des neuen Keepers aber missglückte. Beim 1:2 gegen Zweitligist Dynamo Dresden stand Zieler in der zweiten Halbzeit im VfB-Tor - und kassierte die beiden Gegentore.

Mit dem 28-Jährigen haben die Stuttgarter viel vor - das zeigte ein Interview mit dem Präsidenten Wolfgang Dietrich, das auch in der «Sport Bild» erschien. Sein Traum sei, dass der VfB sich langfristig im oberen Drittel der Tabelle etabliere «und bestenfalls nur zwei Vereine größer sind als wir», sagte Dietrich. Mit den beiden Clubs meinte er Rekordmeister FC Bayern München und Borussia Dortmund.

Um es noch einmal klar zu machen: Nach einem jahrelangen Niedergang und dem Abstieg im Frühjahr 2016 ist Stuttgart gerade erst wieder in die Bundesliga zurückgekehrt. Doch das Selbstverständnis der Schwaben ist nicht das eines normalen Aufsteigers. Es ist das eines großen Traditionsvereins, der schon fünfmal deutscher Meister war.

Dazu passt Zieler sehr gut. Hatte der VfB zuvor vier junge Neuzugänge verpflichtet, die in Deutschland kaum jemand kennt, ist der vom englischen Ex-Meister Leicester gekommene und mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattete Keeper die erste große Hausnummer in dieser Transferperiode. Bis zu seinem Wechsel nach England vor einem Jahr war er bei Hannover 96 lange die unumstrittene Nummer eins gewesen und hatte seine bisherige Karriere mit dem WM-Titel 2014 gekrönt.

Auch VfB-Altstar Hansi Müller ist von dem Zugang angetan. «Ich sage dazu nur einen Satz: Er war bei der WM in Brasilien dritter Torwart», erklärte der frühere Spielmacher der Deutschen Presse-Agentur. Zieler habe ein unglaublich großes Potenzial. «Der wird heiß sein, spielen zu wollen nach seiner Durststrecke bei Leicester City.»

Denn der Schritt zu den «Foxes» zahlte sich für den gebürtigen Kölner nicht aus. Weil er dort nicht an Kasper Schmeichel vorbeikam, saß er häufig nur auf der Bank. Nun versucht er den Neustart - genau wie der VfB. «Die Gespräche mit den Verantwortlichen des VfB waren sehr überzeugend», sagte Zieler. Daraus sei bei ihm das Gefühl entstanden, dass sich in Stuttgart etwas entwickeln könne.

Der Club will die Aufstiegseuphorie nutzen, um in der Bundesliga bald wieder durchzustarten. Dazu kommt der größere finanzielle Spielraum durch die Ausgliederung der Profis in eine AG, sie soll mittelfristig bis zu 100 Millionen Euro von Investoren in die Kasse spülen.

Mit Zieler sendet der VfB aber auch ein deutliches Signal an den bisherigen Stammkeeper Mitch Langerak. Der Australier hatte die Verantwortlichen offenbar nie davon überzeugen können, dass er auch die Klasse für das Fußball-Oberhaus hat. Und Zieler kehrt nicht in die Bundesliga zurück, um sich erneut auf die Bank zu setzen.

Hansi Müller empfiehlt den Verantwortlichen um Sportvorstand Jan Schindelmeiser, für die Innenverteidigung noch einen «fertigen Spieler» zu holen, «der auch kicken kann und was abräumt». Das kurzfristige Ziel des VfB müsse sein: «Man sieht nach ein paar Wochen, dass man nichts mit dem Abstieg zu tun hat.» Langfristig will der Verein aber mehr, das beweisen die Worte von Präsident Dietrich.

@ dpa.de

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