Fußball, Bundesliga

Mit dem VfL Wolfsburg oder Hertha BSC in der Bundesliga-Spitzengruppe rechneten vor der Saison die Wenigsten.

16.09.2018 - 12:00:05

2:2-Spektakel - Wolfsburg und Hertha BSC verblüffen zum Saisonstart. Mit beiden Teams ist in dieser Saison aber zu rechnen, wie das 2:2-Spektakel am Samstag zeigt. Die Gründe und die Erfolgsmittel sind unterschiedlich.

Wolfsburg - Schalke 04? Bayer Leverkusen? 1899 Hoffenheim? - VfL Wolfsburg! Hertha BSC! Anders als erwartet kommt in der Fußball-Bundesliga Bewegung in die Spitzengruppe. Mit ihrem spektakulären 2:2 (0:0) unterstrichen Wolfsburg und Berlin ihre Ambitionen und ihr Potenzial in dieser Saison.

Beide Teams haben auch wegen des schwachen Starts vermeintlicher Europapokal-Aspiranten die Chance, sich dauerhaft oben in der Tabelle festzusetzen. Mit beiden war vor der Saison nicht unbedingt zu rechnen.

«Das war ein Spektakel für die Zuschauer. Ich habe zwei Mannschaften gesehen, die eine brutale Intensität gezeigt haben», sagte VfL-Coach Bruno Labbadia nach dem Duell, das das Prädikat Spitzenspiel verdiente. «Beide Mannschaften sollten zufrieden sein. Das war ein tolles Spiel», sagte auch Berlins Pal Dardai. Beide Clubs bleiben nach drei Spielen ungeschlagen und haben mit sieben Zählern schon ebensoviele Punkte Vorsprung auf Leverkusen und Schalke.

Die Gründe für den Aufschwung und die tolle Ausgangslage sind indes unterschiedlich. «Es sind zwei Arten von Fußball aufeinander getroffen», sagte Labbadia. Auf der einen Seite das durch extreme Fitness begünstigte Power-Offensivspiel seines Teams. Auf der anderen Seite die kühle Abgeklärtheit der Hertha, die mit überzeugender Ordnung auf dem Feld und taktischer Flexibilität scheinbar immer eine Antwort auf das Spiel des Gegners hat. «Ich habe eine Riesen-Respekt davor, wie eingespielt sie sind und wie sie die Räume zu machen», sagte Labbadia über das Werk seines Kollegen Dardai, der aus seinem Kader anscheinend das Optimum herausholt.

Das 1:0 für Hertha schoss der Niederländer Javairo Dilrosun, den Sportchef Michael Preetz ablösefrei aus der zweiten Mannschaft von Manchester City geholt hat. Der Slowake Ondrej Duda, der das 2:1 in der ersten Minute der Nachspielzeit durch einen listigen Freistoß unter der Wolfsburger Mauer hindurch erzielte, ist bereits seit 2016 Berliner. «Er hat sich sehr gesteigert in diesem Jahr», lobte Dardai seinen «sehr schlauen Jungen».

Dardai mag sich grämen, dass sein Team trotz der erneuten Führung in der Nachspielzeit nicht zum dritten Mal in Serie in dieser Saison gewann. Das 2:2 indes war gerecht. Dies lag am neu entfachten Offensivpotenzial und der Leidenschaft, mit der Wolfsburg in dieser Saison wieder auftritt. «Jeder sieht, dass mehr Feuer und mehr Leben dabei ist auf dem Platz», sagte der eingewechselte Yunus Malli, Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1 per Foulelfmeter (87.).

Über 95 Minuten marschierte der VfL, getragen von der Euphorie der Auftaktsiege gegen Schalke und Leverkusen und der eigenen Fitness. Labbadia, der den VfL nach der Relegations-Rettung erstmals komplett auf die Saison vorbereitete, bolzte im Sommer viel Kondition. «Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man auf dem Platz merkt, dass man immer nochmal zulegen kann», sagte Mittelfeldspieler Maximilian Arnold.

Selbst nach dem 1:2 kam Wolfsburg noch einmal zurück und durch den ebenfalls eingewechselten Admir Mehmedi zum verdienten Ausgleich (90.+3). Dies liegt nicht nur an der Fitness. «Es ist wieder deutlich erkennbar, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht. Wie ich gehört habe, war das in der Vergangenheit ja wohl nicht immer so der Fall», sagte Sportchef Jörg Schmadtke, wichtiger Bestandteil des Neuanfangs.

Während Labbadia seit der Relegation mit seiner Arbeit auf dem Platz bei Spielern und im Umfeld reichlich punktete, sorgte Schmadtke als neuer Geschäftsführer für positive Atmosphäre neben dem Platz. Immer wieder nannte der 54-Jährige «bestimmte Werte», die er installieren wolle. Genauer darüber reden will Schmadtke nicht, nannte aber Schlagworte: «Leidenschaft, Ehrlichkeit, klare Kommunikation.»

In diesem Umfeld fühlen sich die Spieler wieder wohl. Hinzu kommen offensichtliche Transfer-Volltreffer wie der erneut starke Jerome Roussillon, der mit seiner Übersicht und Offensivdrang anscheinend perfekt zum neuen Spielstil Labbadias passt. «Man hat gesehen, dass wir die Absicht haben, ein Spektakel zu zeigen», sagte Schmadtke.

@ dpa.de

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