Fußball, WM

Man stelle sich vor, Bayern München gibt zwei Tage vor WM-Beginn bekannt, dass Joachim Löw Chefcoach wird.

13.06.2018 - 13:38:05

Zwei Tage vor erstem WM-Spiel - WM-Favorit ohne Trainer: Spanien trennt sich von Lopetegui. Und der DFB-Präsident erfährt wenige Minuten vor der Öffentlichkeit davon. So ist plötzlich die Situation bei Spaniens Verband, der Trainer Lopetegui rauswirft.

Madrid - Nach der Blitz-Trennung von Julen Lopetegui steht Topfavorit Spanien unmittelbar vor seinem ersten Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft ohne Trainer da.

«Wir haben uns dazu gezwungen gesehen, ihn seines Amtes zu entheben», sagte Verbandschef Luis Rubiales bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Team-Quartier in Krasnodar. Real Madrid hatte tags zuvor bekanntgegeben, dass der 51-Jährige zur neuen Saison Chefcoach beim Champions-League-Sieger wird. «Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen», sagte Rubiales wenig überzeugend.

Die Frage, wer nun das Training der Seleccion leite, konnte Rubiales nicht beantworten: «Wir suchen einen Trainer - von jetzt an», sagte er. Als Kandidat für das Amt gilt U21-Trainer Albert Celades, der zur spanischen Delegation in Russland gehört. Auch Sportdirektor und Ex-Nationalspieler Fernando Hierro könnte einspringen. Bereits am 15. Juni trifft der Weltmeister von 2010 im so wichtigen ersten Gruppenspiel in Sotschi auf Europameister Portugal. Lopetegui will sich nach Verbandsangaben erst nach seiner Rückkehr nach Spanien zu seinem spektakulären Abgang äußern.

«Wir stecken in einer komplizierten Situation, die komplizierteste, die man sich vorstellen kann», sagte Rubiales. Der neue Boss des spanischen Fußball-Verbandes (RFEF) erhob schwere Vorwürfe gegen Real. «Wir hatten überhaupt keine Information über das», sagte Rubiales. «Julen hätte es lieber gehabt, wenn die Dinge anders gehandhabt worden wären.»

Offenbar hatten Lopetegui und Real die Verhandlungen völlig an den RFEF-Funktionären vorbei geführt und Rubiales überrumpelt. «Ich kann mich nicht auf einen Anruf fünf Minuten vorher einlassen», sagte Rubiales und meinte damit den Zeitpunkt, als die Königlichen ihre völlig überraschende Pressemitteilung veröffentlichten.

Erst 50 Minuten nach der Real-Verlautbarung hatte der RFEF mit einer dürren Presseerklärung reagiert, in der er die Ausstiegsklausel in Lopeteguis Vertrag bestätigte. Nach einem «Marca»-Bericht erhält der Verband eine Ablöse in Höhe von 2 Millionen Euro - und steckt nun unmittelbar vor der WM in einem Chaos. Lopeteguis Abschied ist selbst im schnelllebigen Profigeschäft ein einmaliger Vorgang.

Nach Informationen von «Marca» hätten sich die Spieler mit Kapitän Sergio Ramos von Real Madrid an der Spitze für den Verbleib Lopeteguis ausgesprochen. Die Spieler hätten dann die Entscheidung der sofortigen Trennung «akzeptiert», sagte Rubiales.

Der 40 Jahre alte Ex-Profi war erst Mitte Mai zum neuen Verbandschef gewählt worden und wirkte in seiner ersten Bewährungsprobe gleich auf der Weltbühne des Fußballs von den Ereignissen überrollt. Er sprach von Werten, die man nicht brechen dürfe («Die Umgangsformen sind wichtig»), von «mangelndem Respekt» und erklärte: «Wir müssen an einer Reihe von Entscheidungen arbeiten, die zwei Tage vor Beginn der WM kommen. Es gibt viel zu tun.»

«Kanonenschuss gegen die Selección» titelte sogar die Real nahestehende Madrider Sportzeitung «AS», nachdem Reals Coup bekannt geworden war. Rubiales koche vor Wut, hieß es in Medienberichten weiter. Auch und vor allem der Zeitpunkt der Bekanntgabe sei «schrecklich» gewesen, schreibt zum Beispiel «AS». Lopetegui war für die Pressekonferenz am Mittwoch angekündigt worden, erschien aber nicht. Der frühere Torhüter hatte seit seinem Amtsantritt 2016 als Nachfolger von Vicente del Bosque keines seiner 20 Spiele verloren.

Rubiales habe nach Medienberichten Lopetegui und Real-Boss Florentino Pérez am Vortag darum gebeten, dass die Verpflichtung erst nach der WM bekanntgegeben wird. Die Fachzeitung «Mundo Deportivo» sprach von einer «Bombe», das Konkurrenzblatt «Sport» von einer «Madrider Rakete gegen La Roja» und auch davon, dass Pérez «die Nationalmannschaft in die Luft gejagt» habe. Kommentar von Radio Marca aus Krasnodar: «Das ist mehr ein Meteorit als eine Bombe, die hier eingeschlagen hat.»

@ dpa.de

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