Fußball, Bundesliga

In der vorigen Saison ist der HSV knapp dem Abstieg entkommen.

18.08.2017 - 12:40:05

Vor Saisonstart - Die Leiden des HSV: Kühne-Attacken sorgen für Unruhe. Diesmal soll alles besser werden. Investor Kühne hat aber Bedenken und teilt kräftig aus.

Hamburg - Vor dem Duell der im Pokal blamierten Bundesligisten HSV und FC Augsburg herrscht in Hamburg eine aufgeheizte Stimmung. In einem Sky-Interview hat HSV-Investor Klaus-Michael Kühne erst Trainer Markus Gisdol, dann die Vereinsspitze und zuletzt Sportchef Jens Todt attackiert.

Damit herrscht schon vor dem ersten Anstoß in der Liga gewaltige Unruhe bei dem seit Jahren gegen den Abstieg kämpfenden Nordclub. Der kann sich nur bedingt wehren gegen den Investor, der 17 Prozent der Anteile an der HSV Fußball-AG hält.

Dafür sprang Ex-Bundesliga-Profi Hans Sarpei mit deutlichen Worten in die Bresche. «Lieber Herr Kühne, Sie sind das Problem des HSV», schrieb Sarpei dem Milliardär in einem offenen Brief, den die «Bild»-Zeitung veröffentlichte. «Es ist eine Schande, wie es Ihnen Jahr für Jahr gelingt, vor dem Saisonstart den HSV-Trainer oder die Führung zu degradieren», betonte Ghanas Ex-Nationalspieler. Und riet dem 80-Jährigen dringend: «Ziehen Sie sich zurück.»

In einem Rundumschlag hatte Club-Aktionär Kühne für Aufsehen gesorgt. Der Investor knöpfte sich Trainer, Manager und Vereinsführung vor und erklärte, was sie zu tun hätten, aber stets unterließen. Gisdol müsse «mehr mit der Mannschaft arbeiten», Clubchef Heribert Bruchhagen sei «auf der falschen Chaussee» und Sportchef Jens Todt könne nicht gut verkaufen. Da habe er «einiges zu beanstanden», monierte Kühne.

Das kommt dem Beobachter bekannt vor. Kühne-Vorstöße hatten sich schon gegen die einstigen Trainer Mirko Slomka und Bruno Labbadia sowie Sportdirektor Oliver Kreuzer gerichtet. Kurze Zeit später waren sie alle weg. Paradox: Ein Verein, der um Ruhe und Kontinuität auf den entscheidenden Posten geradezu fleht, schaufelt sich seine Gruben selbst, in die er regelmäßig stürzt. Fatal ist, dass es zu den Kühne-Finanzen keine Alternative gibt. Bislang dürfte er rund 50 Millionen Euro in den Verein gesteckt haben.

Gisdol und Bruchhagen behalten bei den Kühne-Vorstößen Contenance, wohl wissend, dass sie den größten Geldgeber des HSV nicht verärgern dürfen. «Das finde ich gar nicht schlimm. Ich verstehe seine Sorgen», sagte Gisdol. Bruchhagen merkte zumindest an, dass sich Kühne «nicht alle Dinge» darstellen würden, die man beachten müsse. Wenn sie dürften, wie sie wollten, würden sich die Antworten wohl anders anhören.

In dieser wenig motivierenden Atmosphäre soll die Mannschaft mit einem Sieg gegen Augsburg zur Beruhigung der Lage beitragen. «Wir werden am Samstag eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen», versicherte Gisdol. Gemeint sind aber nicht andere Gesichter, sondern die Einstellung des Teams. Gisdol, der am Montag Konsequenzen angekündigt hatte, diese später aber relativierte, wunderte sich über den öffentlichen Aufschrei nach der Pokal-Pleite in Osnabrück.

«Die Dynamik nach einer Niederlage ist schon einzigartig», meinte er und formulierte an seinem 48. Geburtstag am Donnerstag einen Wunsch: «Dass wir den Pessimismus, der sich stark mit unserem Club verbunden hat, loswerden.» Stattdessen forderte er «Zuversicht und Freude mit mehr Lächeln». Derzeit ist den HSV-Fans das Lachen aber vergangen. Der seit Jahren anhaltende Spießrutenlauf für ihre Lieblinge scheint kein Ende nehmen zu wollen, schon wieder ist die Stimmung im Keller.

Seit vier Jahren spielt das Team hartnäckig gegen den Abstieg. Im Wesentlichen kicken auch in dieser Saison die, die im Vorjahr der Relegation geradeso entkommen konnten. Die Neuen Rick van Drongelen und André Hahn haben Talent, müssen aber erst beweisen, dass sie Verstärkungen sind.

Ein Auftakterfolg gelang letztmals vor sieben Jahren. Damals wurde Schalke mit 2:1 besiegt. Augsburg wartet in seiner siebenjährigen Zugehörigkeit zur Eliteliga sogar noch immer auf den ersten Start-Erfolg. In den vergangenen fünf Jahren setzte es nur Niederlagen.

@ dpa.de

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