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Fußball, Bundesliga

Fredi Bobic hat als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt große Erfolge gefeiert.

02.03.2021 - 19:08:12

Eintracht Frankfurt - Baumeister des Eintracht-Aufschwungs: Bobic geht im Sommer. Nun scheint es, als suche er nach einer neuen Herausforderung. Die Spur führt nach Berlin.

Frankfurt/Main - 2. Liga statt Champions League? Der Weg von Erfolgsmanager Fredi Bobic könnte von einem ins andere sportliche Extrem führen.

Der 49-Jährige bestätigte in der ARD-Sendung «Sportschau Thema» seinen vorzeitigen Abschied als Sportvorstand von Königsklassen-Anwärter Eintracht Frankfurt im Sommer - vermeintlich zum Missfallen des Aufsichtsrates. Medienberichten zufolge könnte er zu Hertha BSC nach Berlin gehen, wo zumindest in der laufenden Saison noch der Abstieg droht.

«Ich brauche gar nicht groß rumeiern. Ich hab' vor einem Jahr bereits schon, also vor Corona, den Wunsch geäußert, den Verein im Sommer 2020 zu verlassen», sagte Bobic in der ARD. Wegen der Corona-Krise sei er dann aber noch ein Jahr länger bei den Hessen geblieben, wo er sich als Macher und Modernisierer bewiesen hat. «Man war und man ist bei Eintracht Frankfurt vorbereitet darauf, dass die Situation kommt, dass ich in '21 im Sommer den Verein verlassen werde», sagte Bobic.

Klassenerhalt, DFB-Pokalsieg 2018, Sturm ins Europa-League-Halbfinale und immer wieder erstaunliche Transfers, die den Frankfurtern Millionen in die Kasse spülten. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen ihn ungern ziehen lassen. Entsprechend bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer nur die Gespräche über die Auflösung des bis 2023 laufenden Vertrages - nicht aber, dass bereits eine Entscheidung gefallen sei.

«Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren», sagte Holzer einer Club-Mitteilung zufolge. «Die Gespräche sind gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und werden erst nach der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte März fortgesetzt.»

In Berlin, wo der Big-City-Traum nach vielen Rückschlägen und der Beurlaubung von Langzeit-Manager Michael Preetz neu sortiert wird, äußerte sich Trainer Pal Dardai ausweichend und doch lobend. «Ich bin ein Fredi-Fan. Er ist ein guter Junge, ein ehrlicher Junge, ein richtig guter Mensch. Er will immer gewinnen, aber das ist nicht meine Sache darüber zu reden, ob er zur Hertha kommt oder nicht. Da gibt es die Führung», sagte der Coach.

Trotz des Frankfurter Höhenfluges in der Bundesliga und der Aussicht, als aktuell Tabellenvierter in die Königsklasse einzuziehen, dürfte ein Engagement bei dem nur einen Punkt vor einem Abstiegsplatz stehenden Hauptstadtclub für Bobic eine lockende Herausforderung sein - mit dem zusätzlichen Reiz, wieder mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Berlin leben zu können.

In Frankfurt hat Bobic, der zuvor bei dem bulgarischen Club Tschernomoretz Burgas und beim VfB Stuttgart Sportdirektor war, seine Meisterprüfung als Fußballmanager gemacht, mit einem Gespür für einstmals bezahlbare Spieler und Talente wie Ante Rebic, Sébastien Haller oder Luka Jovic, mit denen die Eintracht für Furore sorgte und beim Verkauf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag erlöste.

Die clevere Personalpolitik bescherte den Frankfurtern große Erfolge. Den Österreicher Adi Hütter zu verpflichten, der nach dem Transfer der stürmenden Büffelherde und dem Abschied von Niko Kovac die Hessen auf Erfolgskurs hält, war ein weiterer Glücksgriff á la Bobic. In Stürmer André Silva oder Verteidiger Evan N'Dicka sind erneut zwei junge Profis gereift, deren Transfermarktwert immens gestiegen ist.

Statt an der Fortsetzung der Erfolgsgeschichte weiter zu arbeiten, müsste Bobic bei Hertha BSC als Nachfolger von Preetz wieder Aufbauarbeit leisten. An Geld sollte es dank Millionen-Investor Lars Windhorst nicht mangeln. Die Ablösesumme dürfte für die Berliner kein Problem sein. Auf die Hessen verwies Windhorst erst kürzlich. «Schauen Sie sich Frankfurt an. Die haben keine externen Mittel gehabt und erreichen wahrscheinlich trotzdem die Champions League», sagte der Geldgeber. Genau da will Hertha auch hin. Und Bobic würde ins Muster passen.

Die Eintracht muss sich neu aufstellen, da auch Sportdirektor Bruno Hübner zum Ende der Spielzeit aufhört. Als Nachfolger von Bobic ist Christoph Spycher ein Kandidat. Der frühere Frankfurter Kapitän ist Sportchef bei den Young Boys Bern und gewann mit dem heutigen Eintracht-Coach Hütter 2018 den Schweizer Meistertitel.

© dpa-infocom, dpa:210302-99-656844/6

@ dpa.de

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