Fußball, Bundesliga

Die Zerrissenheit des Clubs und im Umfeld von Hannover 96 hat sich endgültig auf den Platz übertragen.

02.12.2018 - 11:00:06

Hannover schwach - 96 in mannigfacher Krise: Coach Breitenreiter vor Endspiel. Der Tabellen-Vorletzte taumelt einem erneuten Abstieg entgegen. Für Trainer Breitenreiter geht es in Mainz um den Job. Auch Sportchef Heldt dürfte in die Kritik geraten.

Hannover gegen das zuvor sechs Spiele sieglose Hertha BSC gab es viel zu besprechen. Spätestens kommenden Sonntag beim FSV Mainz 05 geht es um den Job von Trainer André Breitenreiter, soviel ist nach dem besorgniserregenden Auftritt am Samstag und dem Sturz auf einen Abstiegsplatz klar.

«Natürlich müssen wir da Antworten finden auf Fragen, die wir uns ab morgen stellen müssen», sagte der geschockte Sportchef Horst Heldt am Samtag. Einen Tag später waren Krisensitzungen angesagt. Vor allem Breitenreiter musste Erklärungen für das Spiel liefern, das laut Coach «die schwächste Halbzeit» beinhaltete, «seitdem ich hier Trainer bin». Nach dpa-Informationen soll es vorerst keine Trennung geben, auch wenn Kind, der letztendlich darüber entscheidet, nach dem Spiel schwieg. Zuletzt hatte es vom 74 Jahre alten Club-Patriarch klare Bekenntnisse zu Breitenreiter gegeben. Auf die wartet man nun vergeblich. Es wird eng für Breitenreiter.

Zumindest die Chance in Mainz wird Breitenreiter wohl noch erhalten. «Vielleicht ist das genau der richtige Zeitpunkt, den Bock jetzt umzustoßen», sagte Heldt, der als einziger gefragter Verantwortlicher seinen TV-Auftritt am Sonntag im Sport1-«Doppelpass» wahrnahm. Zumindest der angefasste und ebenfalls angeschlagene Sportchef vermied bereits auffällig ein Bekenntnis zum Trainer.

«Natürlich will ich jetzt hören, wie wir das nun nächste Woche angehen. Das will ich von den Spielern genauso hören, wie ich das vom Trainer hören will», sagte der 48-Jahre alte Heldt. «Alles muss auf den Tisch. Ich erwarte Ideen, da ist auch der Trainer gefragt.»

Den Bereich, der er selbst zu verantworten hat, sieht der Sportchef - kaum verwunderlich - als nicht problematisch an. «Das ist keine Qualitätsfrage», sagte Heldt über den von ihm zusammen gestellten Kader, «sondern ein Kopfproblem.» Sache des Trainers...

Führungsspieler Niclas Füllkrug, selbst im Tief, ließ durchblicken, dass er den Kader durchaus anders beurteile. «Es ist nicht meine Aufgabe, die Qualität im Kader zu beurteilen», sagte der Angreifer ausweichend und attestierte Breitenreiter «einen super Job.»

Füllkrugs bittere Erkenntnis widerlegte Heldts zweite These aber auch nicht: «Wir brauchen elf Männer auf dem Platz, das waren wir heute nicht. Es war sehr viel Angst im Spiel.» Dabei gibt es Gründe für den Zustand des Teams, die nicht in der Trainer-Verantwortung liegen.

PERSONELLE AUSFÄLLE: Immer wieder fallen wichtige Spieler verletzt aus. Zuletzt waren dies Walace und Pirmin Schwegler, die gegen Berlin teilweise wieder zur Verfügung standen, aber noch nicht in Top-Form sind. Ihlas Bebou fehlt bis zum Ende des Jahres. Das Einspielen einer Stamm-Formation ist bei den permanenten Ausfällen unmöglich.

PERSONELLE AUSSTATTUNG: Dies offenbart ein Problem, das Breitenreiter im Sommer immer wieder ansprach: Der Kader ist in der Breite nicht gut genug besetzt. Weitere Investitionen verbot Clubchef Kind indes. Es spricht für den Trainer, dies nun nicht immer wieder zu betonen.

ZERRISSENHEIT IM UMFELD: Seit Monaten herrscht eine leistungshemmende Atmosphäre in Hannover. Die Club-Opposition kämpft verbissen gegen Kind und dessen Übernahmepläne. Teile der Fans arbeiten sich auch während der Spiele lieber an Kind ab, als das Team zu unterstützen. «Natürlich ist es immer besser, wenn die eigenen Reihen geschlossen sind», meinte Heldt. Sind sie aber nicht. Längst kämpft der Club nicht mehr geschlossen für gemeinsame sportliche Ziele.

GERÜCHTE ÜBER AUSSERSPORTLICHE EXISTENZBEDROHUNG: Zuletzt gab es Gerüchte über einen möglichen Punkt-Abzug oder einen Lizenz-Entzug, da Kind eine Satzungsänderung im Club vornahm. Dies werte die Deutsche Fußball Liga als Verstoß gegen die Statuten, berichtete die «Sport Bild». Ein Dementi gab es weder von DFL noch von 96. Allerdings Andeutungen, dass Kind die Satzungsänderung notfalls zurücknähme. Die Unruhe vor dem Spiel gegen Berlin war trotzdem da.

@ dpa.de

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