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Fußball, Bundesliga

Die Causa Clemens Tönnies beschert dem Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 weiter unliebsame Schlagzeilen.

07.08.2019 - 13:32:06

Schalke-Chef - Kompromiss mit Nachwirkung: Causa Tönnies sorgt für Unruhe. Auch der Versuch des Ehrenrates, die Wogen zu glätten, konnte daran nichts ändern.

Gelsenkirchen - Verärgerte Fans und verständnislose Politiker: Auch nach der Entscheidung von Clemens Tönnies, sein Amt beim FC Schalke 04 als Aufsichtsratschef drei Monate ruhen zu lassen, kommt der Fußball-Bundesligist nicht zur Ruhe.

Der vom Ehrenrat des Revierclubs nach einer mehrstündigen Sitzung mitgetragene Vorschlag des Vereinspatrons sorgte für lebhafte Reaktionen. «Wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung letztlich in eine Ecke stelle, dann erfüllt das für mich schon eher den Tatbestand des Rassismus als 'nur' den der Diskriminierung», kritisierte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, bei NDR Info.

Wie Freitag werteten auch andere Beobachter die Entscheidung des Ehrenrates als widersprüchlich, dem milliardenschweren Unternehmer zwar einen Verstoß gegen das «in der Vereinssatzung verankerte Diskriminierungsverbot» vorzuwerfen, den Vorwurf des Rassismus jedoch als «unbegründet» zu bezeichnen. «Herr Tönnies hat sich in seiner Rede eindeutig rassistischer Ressentiments bedient», sagte Bernhard Franke, kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dem «Tagesspiegel». «Nur von Diskriminierung zu sprechen, unterschlägt gerade den rassistisch diskriminierenden Gehalt der Äußerung und trägt eher zu deren Verharmlosung bei.»

Die lange Dauer der Sitzung des Ehrenrats bis tief in die Nacht deutete daraufhin, wie schwer allen Beteiligten die Suche nach Wegen aus dem Dilemma gefallen sein dürfte. Denn nach dem umstrittenen Äußerungen von Tönnies in der vorigen Woche war der öffentliche Druck fast täglich gestiegen. Der Fleischfabrikant hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. «Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren.»

Im für schnelle Meinungsbildung bekannten Internet gab es neben positiven Reaktionen auf die nächtliche Entscheidung der Schalker auch viel Kritik. In erster Verärgerung über die ihrer Meinung nach zu milde Beurteilung der als rassistisch empfundenen Äußerung von Tönnies kündigten einige S04-Mitglieder ihren Vereinsaustritt an.

Ähnlich kritisch reagierte Freitag und warnte vor den vermeintlich weitreichenden Folgen: «Solche Entgleisungen sind ein Tabubruch ohne Skrupel (...) - und ihre Wirkung in die Gesellschaft, die sie haben, ist - insbesondere in diesen Zeiten - verheerend», sagte sie. Der Deutsche Fußball-Bund müsse zudem eine «klarere Haltung» zu der Thematik finden.

Nikolaus Schneider, Vorsitzender der DFB-Ethikkommission, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch, dass der Fall weiterhin auf der Agenda für die nächste Sitzung am 15. August stehe. Die Kommissionsmitglieder könnten aber auch zügig entscheiden, das Thema für sich zu den Akten zu legen. Das dreiköpfige Gremium des Verbandes kann selbst kein Urteil fällen, aber Anklage erheben, über die dann die DFB-Gerichtsbarkeit entscheiden muss.

Für zusätzliche öffentliche Kritik sorgte die Volte, Tönnies selbst über die Konsequenzen entscheiden zu lassen. «Dass ihm die dreimonatige Auszeit «nicht vom Ehrenrat auferlegt worden ist, sondern der mächtige 63-Jährige sein Urteil im Grunde selbst gefällt hat, bildet den Gipfel der Peinlichkeiten in dieser vom ersten Moment an unglaublichen Farce», kommentierte das Fachmagazin «Kicker.»

Einige Beobachter werteten den Beschluss des Revierclubs jedoch auch als Versuch, Zeit zu gewinnen. Demnach soll Tönnies mit dem dreimonatigen Ausstieg die Möglichkeit gegeben werden, seinen Rückzug mit mehr Ruhe zu regeln. Zudem bliebe den Schalkern mehr Zeit, einen Nachfolger zu finden. «Der gestrige Dienstag könnte auch der Anfang vom Ende der Ära Clemens Tönnies gewesen sein», schrieb die «Welt».

@ dpa.de