Fußball, Bundesliga

Die Ausbeute ist «mickrig», die Niederlagenserie dämpft die Stimmung: Julian Nagelsmann muss in Hoffenheim plötzlich ein Tief moderieren.

08.10.2018 - 10:58:05

Bundesliga - Große Worte, zu wenig Taten: Nagelsmann hat «wenig Spaß». Der Jung-Trainer wirkt in ungewohnter Situation immer genervter.

Sinsheim - Im Sommer schienen die positiven Schlagzeilen rund um Julian Nagelsmann kaum abzureißen.

Nagelsmann führt Hoffenheim erstmals in die Champions League, Nagelsmann übernimmt 2019 bei RB Leipzig, Nagelsmann schlägt Angebot von Königsklassen-Gewinner Real Madrid aus, Nagelsmann sagt FC Bayern den Kampf an: Dem 31-Jährigen, der sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League zum jüngsten Trainer der Geschichte wurde, ließ alles leicht aussehen. Knapp drei Monate später ist die Realität des gebürtigen Oberbayern eine andere.

«Gerade macht es wenig Spaß», sagte ein konsternierter Nagelsmann nach dem 1:2 gegen Eintracht Frankfurt. Erstmals in seiner Zeit bei 1899 Hoffenheim hat der Jung-Coach dreimal in Serie verloren, dazu auch noch drei Heimspiele. «Aktuell haben wir die Qualität nicht so, dass wir die Spiele gewinnen», kritisierte der  Trainer. Von der Situation wirkt er zunehmend angegriffen, der plötzliche Misserfolg nervt den hochehrgeizigen Fußballlehrer.

Wie angewurzelt stand der bedient wirkende Nagelsmann deshalb nach Spielschluss in seiner Coaching Zone und bewegte sich keinen Schritt in Richtung seiner Spieler. Darauf angesprochen, versuchte Nagelsmann zu scherzen. «Weiße Schuhe. Da ist es schwer, die Grasflecken rauszumachen.» Kaum einer der Journalisten in der Pressekonferenz lachte, Nagelsmann schaute etwas verdutzt. Nicht einmal dieser Witz schien ihm zu gelingen.

Große Belastung, Englische Wochen, viele Verletzte, wenig Glück: Den  Hoffenheimern mangelte es in den vergangenen Wochen nicht an Gründen, warum es nicht wie geplant läuft. Das aber ist Nagelsmann zu einfach. «Jeder, der von Glück spricht, ist immer in der Opferrolle. Und da begebe ich mich sehr, sehr selten und sehr ungern rein», sagte der Coach. Für Nagelsmann steht fest: «Die Leistung passt derzeit absolut nicht mit den Ergebnissen überein.»

Nichtsdestotrotz ist es gerade der Trainer, der in der schwierigen Situation bei den Kraichgauern gefordert ist. Nagelsmann hat über mehrere Jahre stets das Maximum aus seinen Spielern herausgeholt und ein funktionierendes Kollektiv gebildet. Im Herbst 2018 sieht das etwas anders aus: Vize-Weltmeister Andrej Kramaric zum Beispiel ist völlig außer Form, er sitzt derzeit nur auf der Bank. Andere wie  Adam Szalai oder Florian Grillitsch wirken überspielt, weil sie zuletzt kaum Pausen bekamen.

Nach dem vermeidbaren 1:2 durch Tore von Ante Rebic und Luka Jovic müssen sich Trainer und Team mehr denn je an den geäußerten Zielen vor Saisonstart messen lassen. «Ich habe nicht gesagt, dass wir Meister werden, aber wir wollen es probieren», hatte Nagelsmann damals zum Besten gegeben. Oder auch: «Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel. Aber es wird schwer.» 

Gut zwei Monate später hat die Realität den Verein eingeholt. Die Tabellenführung ist weit weg, gerade einmal zwei Zähler trennen die TSG von den Abstiegsplätzen. «Sieben Punkte, das ist gar nichts. So dürfen wir uns nicht präsentieren», stellte Kapitän Kevin Vogt klar. Der Trainer vermisst bei seiner Mannschaft vor allem die Effizienz. «Der Gegner kommt mit sehr wenigen Chancen zu meist doppelt so vielen Toren wie wir mit sehr vielen Chancen», sagte Nagelsmann. «Es ist am  Ende so, dass wir die Qualität in Tore ummünzen müssen.»

@ dpa.de

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