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Fußball, DFB-Pokal

Der VfL Wolfsburg hat die Verantwortung für den Wechselfehler beim DFB-Pokal-Spiel in Münster übernommen.

09.08.2021 - 17:00:07

DFB-Pokal - Fehlstart für van Bommel: Wolfsburg räumt Wechselfehler ein. Diese Panne wird wohl ein Fall für das DFB-Sportgericht - und wird auch am neuen VfL-Trainer Mark van Bommel hängenbleiben.

Wolfsburg - Einen Tag nach dem Wechselfehler im DFB-Pokal hat der VfL Wolfsburg die Verantwortung für diese peinliche Panne eingeräumt.

«Dies ist ausgesprochen ärgerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Wir werden das Thema intern analysieren und dafür Sorge tragen, dass so etwas künftig nicht mehr passiert», sagte der Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke am Montag.

Den Einzug in die zweite Pokalrunde kann der Fußball-Bundesligist damit so gut wie vergessen. Vom Gegner Preußen Münster wird ein Protest gegen die 1:3-Niederlage nach Verlängerung erwartet. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat nach diesem Bekenntnis von Schmadtke («Dem VfL Wolfsburg ist ein Wechselfehler unterlaufen») kaum mehr eine an andere Möglichkeit, als die Erstrunden-Partie nachträglich zugunsten des Regionalligisten zu werten. Der VfL hätte in der 103. Minute keinen sechsten Spieler mehr einwechseln dürfen.

Schlechter Start für van Bommel

Eines ist genauso klar: Dieser Wechselfehler wird unabhängig vom sportjuristischen Ausgang des Falls an dem neuen Wolfsburger Trainer Mark van Bommel hängenbleiben. Schmadtke betonte zwar am Montag, «keine personelle Konsequenzen aus dieser ärgerlichen Situation zu ziehen». Aber der Niederländer nahm die verhängnisvolle Einwechslung des Schweizers Admir Mehmedi für Maximilian Philipp nun einmal vor.

Allein den Vierten Offiziellen zu fragen, ob er das noch darf oder nicht, zeigte ja: Niemand in dem üppig besetzten Staff des Champions-League-Teilnehmers kannte die Durchführungsbestimmungen des DFB, in denen es in Paragraf 31 anders als bei der EM oder dem olympischen Fußball-Turnier heißt: «Während des Spiels dürfen fünf Spieler ausgetauscht werden. Eine darüber hinaus gehende zusätzliche Auswechslung bei Spielen mit Verlängerung ist nicht zulässig.»

«Ein tiefer Kratzer»

Ein solcher Fehler kann van Bommel Autorität bei den Spielern und im schlimmsten Fall auch Rückhalt beim Mutterkonzern VW kosten. «Van Bommel und der VfL: Ein tiefer Kratzer», kommentierte das Fachmagazin «Kicker» am Montag. Schmadtke hielt solchen Einschätzungen nur gewohnt trocken entgegen, man solle «den Ball etwas flacher halten. Auch wenn wir kurzzeitig darüber nachgedacht hatten, alle Beteiligten zu einem Volkshochschul-Grundkurs "Richtig Lesen" anzumelden, nach reiflicher Überlegung davon aber abgesehen haben.»

2004 schied der VfL schon einmal am Grünen Tisch aus dem DFB-Pokal aus. Die Niedersachsen setzten damals ihren Neuzugang Marian Hristov ein, obwohl der nach einer Roten Karte für seinen ehemaligen Verein 1. FC Kaiserslautern noch gesperrt war. Zwei Tage später trat der Manager Peter Pander nach einem Gespräch mit dem VW-Vorstand und VfL-Aufsichtsrat Lothar Sander nach 13 Jahren Amtszeit zurück.

Van Bommel ist erst seit sechs Wochen in Wolfsburg, aber seine Startbedingungen waren schon vor dem Pokalspiel in Münster sehr schwierig. Der VfL verlor fünf seiner sechs Vorbereitungsspiele. Die Probleme sind dabei zunächst einmal die gleichen, die auch ein Julian Nagelsmann beim FC Bayern oder ein Gerardo Seoane bei Bayer Leverkusen hat: Bedingt durch die vielen Turniere dieses Sommers steigen viele Nationalspieler zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedlichen Fitnesslevels ins Training ein.

In Wolfsburg kommt aber noch hinzu: Van Bommels Vorgänger Oliver Glasner trichterte der Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren mit großem Erfolg eine Spielweise ein, die auf einer kompakten Defensive, einer starken Physis und auf schnellen, schnörkellosen Kontern basierte. Van Bommels Ziel ist es, den Glasner-Fußball als Fundament zu nutzen und um eigenen Ballbesitz- und Kurzpass-Fußball zu erweitern. Der Eindruck der Saisonvorbereitung und des Pokalspiels in Münster ist aber, dass die alten Qualitäten aktuell verwischt und die neuen noch nicht zu sehen sind. «Was wir heute gezeigt haben, war einfach nicht gut. Das muss besser werden», sagte Wout Weghorst. Es brauche einfach Zeit, um die neue Spielweise zu verinnerlichen.

© dpa-infocom, dpa:210809-99-776620/4

@ dpa.de