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Fußball, Bundesliga

Der Kampf um die ab der nächsten Saison sinkenden TV-Gelder droht den Profifußball zu spalten.

12.11.2020 - 13:18:06

Streit um TV-Gelder - Rummenigge mahnt Clubs zur loyalen Zusammenarbeit. Die Topclubs lehnen eine von kleineren und mittleren Vereinen geforderte Gleichverteilung ab und rüffeln den Vorstoß als illoyal.

Frankfurt/Main - Beim Geld hört die Freundschaft auf. Dieses alte Sprichwort erweist sich in der Corona-Krise als aktueller denn je.

Angeführt von Branchenprimus Bayern München um Wortführer Karl-Heinz Rummenigge haben die Topclubs der Fußball-Bundesliga den Vorstoß von 14 kleineren Vereinen für eine Neuverteilung der TV-Gelder aus dem Medienrechtevertrag von 2021 bis 2025 als unsolidarisch abgebügelt und die Initiative damit vorerst wohl im Keim erstickt.

«Wir sind irritiert, dass vier Bundesligisten und zehn Zweitligisten ein solches Impulspapier aufgesetzt und versandt haben. Damit haben sie sich aus unserer Sicht in der Solidargemeinschaft DFL in diesem Punkt separiert, weil in dieser Frage das DFL-Präsidium exklusiv die Entscheidungshoheit hat», kritisierte Bayern-Boss Rummenigge in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Es war immer ein wichtiges Gut, dass alle 36 Clubs gut, loyal und harmonisch zusammengearbeitet haben. Es ist das erste Mal, dass sich Clubs außerhalb dieser Solidargemeinschaft positioniert haben.»

Um den «Revoluzzern» aus der Bundesliga einen Denkzettel zu verpassen, waren die Vertreter des FSV Mainz 05, FC Augsburg, VfB Stuttgart und von Arminia Bielefeld nicht zum Informationsaustausch der übrigen Erstligisten am Mittwoch in Frankfurt eingeladen worden. Dafür saß der Zweitliga-Primus Hamburger SV mit am Tisch. «Die Clubs, die nicht dabei waren, hatten sich ja vorher schon auf eine Haltung festgelegt und versucht, das DFL-Präsidium damit unter Druck zu setzen. Das ist nicht unser Weg, auch das wollten wir demonstrieren», sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

«Es liegt auf der Hand, dass man mit dem Impulspapier über die Öffentlichkeit Einfluss auf das DFL-Präsidium nehmen wollte, um Umverteilungen zu Lasten der größeren und erfolgreicheren Clubs vorzunehmen», watschte Rummenigge die aufmüpfigen Vereine ab. Aus deren Kreis gab es zunächst keine Reaktion.

Das neunköpfige Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit Geschäftsführer Christian Seifert an der Spitze will bis zum Jahresende über die Verteilung der insgesamt 4,4 Milliarden Euro für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 entscheiden. «Es ist unser gewähltes Präsidium, daran möchte ich ausdrücklich erinnern. Wir haben es vor zwölf Monaten neu gewählt und sollten diesem Gremium vertrauen. Es wird gute und seriöse Lösungen finden», sagte Rummenigge und betonte: «Wir wollen weder eine Empfehlung abgeben noch sonst etwas.»

Schon bei der Bekanntgabe des neuen Rechte-Deals im Juni hatte DFL-Boss Seifert prophezeit, dass die «Debatte um die Geldverteilung mindestens so intensiv wie die über die Auktion» werde. Bisher wurden die Erlöse anhand einer erfolgsorientierten Tabelle an die 36 Profivereine ausgeschüttet.

Bereits im Sommer hatten unter anderen Fortuna Düsseldorfs Vorstandschef Thomas Röttgermann und der Mainzer Finanzvorstand Jan Lehmann öffentlich gefordert, dass es künftig gleiches Geld für alle Vereine geben solle. Ihr Vorschlag: Mit den Fernsehgeldern sollten nicht die Leistungen der Clubs honoriert werden, sondern die Attraktivität einer Liga.

Das lehnen die Topvereine, die für das internationale Ansehen der Liga maßgeblich sind, jedoch vehement ab. «Wir haben ab der Saison 2021/22 zwei Probleme auf dem Tisch: Wir werden national geschätzt wohl etwa 200 Millionen Euro weniger TV-Einnahmen und auch etwa knapp 100 Millionen Euro weniger internationale TV-Einnahmen haben. Alleine durch diesen Ausfall haben alle 36 Clubs schon mal brutto weniger. Egal, ob sie Bayern München oder Jahn Regensburg heißen», sagte Rummenigge. Der 65-Jährige mahnte daher eine loyale Zusammenarbeit an: «Es ist wichtig, dass wir diesen Spirit, der uns im April ausgemacht und der den Re-Start der Bundesliga möglich gemacht hat, aufrechterhalten.»

© dpa-infocom, dpa:201111-99-301290/4

@ dpa.de

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