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Fußball, Bundesliga

Der FC Bayern München zeigt beim 4:1 in Köln eine Halbzeit lang Zauber-Fußball.

17.02.2020 - 10:46:06

Bundesliga - Bayern besser als unter Guardiola - und doch gewarnt. Offenbart dann aber Abwehrschwächen, die vor dem Champions-League-Spiel beim FC Chelsea echte Sorgen machen.

Köln - Zuerst spielten sie besser als unter Pep Guardiola, doch dann trübte ein missglücktes Abwehr-Experiment die Stimmung gewaltig.

Neun Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea mischten sich beim FC Bayern München in die Freude über die behauptete Tabellenführung Unsicherheit und Zweifel. Und das, obwohl die Münchner beim 4:1 (3:0) beim 1. FC Köln eine Halbzeit lang Zauber-Fußball geboten hatten.

Manuel Neuer sortierte den Hansi-Flick-Fußball aus der ersten Halbzeit sogar über dem von vielen nostalgisch verehrten Guardiola-Fußball ein. «Das Passspiel war so gut wie unter Pep. Von daher kann man schon einen Vergleich ziehen», sagte der Kapitän und Torhüter: «Aber damals haben wir unsere Chancen nicht so gut genutzt. Pep erinnert sich sicher, wie er das ein oder andere Mal frustriert auf der Bank saß.»

Der aktuelle Trainer Flick schien am Sonntag trotz Erkältung auf einen entspannten Mittag zuzusteuern. Robert Lewandowski (3. Minute), Kingsley Coman (5.) und Serge Gnabry (12.) hatten für die schnellste 3:0-Auswärtsführung des FC Bayern in der Bundesliga gesorgt. Zur Pause brachte Flick dann den lange verletzten Lucas Hernandez für Jérôme Boateng. Und der lange verletzte 80-Millionen-Mann erwies sich als Unsicherheitsfaktor an der Seite von David Alaba in der Innenverteidigung. «Es war ein Test, ob wir gegen Chelsea so spielen können», verriet Neuer: «Bei so einem Halbzeit-Stand kann man es mal probieren.»

Fakt ist: Der Schuss ging nach hinten los. «Es war nicht leicht mit zwei Innenverteidigern, die über den linken Fuß kommen», stellte Neuer fest und erkannte auch Folge-Probleme in der Offensive: «Das Aufbauspiel war so nicht einfach, wir mussten viele lange Bälle schlagen und hatten nicht mehr so viel Spielfluss.» Vor allem ließen die Bayern im zweiten Durchgang zwölf Kölner Torschüsse zu. Die meisten nach dem zweiten missglückten Wechsel, von Joshua Kimmich zu Corentin Tolisso, der all denen Argumente lieferte, die ihn als Verkaufs-Kandidaten sehen.

Zwei Tore von Jhon Cordoba wurden wegen Abseits-Stellung aberkannt, Mark Uths (70.) Tor nach dem 0:4 durch Gnabry (66.) zählte und am Ende musste Neuer mit zwei Glanzparaden eine Zitterpartie verhindern. «Die zweite Halbzeit war so, dass man eher ein bisschen verärgert ist», sagte Flick.

Zudem wird der Coach vor Chelsea keine weitere echte Test-Möglichkeit mehr bekommen. Denn am Freitag gegen Paderborn sind in Benjamin Pavard und Boateng zwei Spieler aus der aktuellen Stamm-Viererkette gesperrt. Wobei das Vertrauen in den mehrfach auf dem Absprung stehenden Ex-Weltmeister Boateng in dieser Saison nicht immer gegeben war.

Umso wichtiger ist es, dass die Offensive funktioniert. Und mit dem Tempo, der technischen Qualität und der Passsicherheit der ersten Halbzeit würde auch Chelsea sicher Probleme bekommen. «Ich habe uns selten so spielfreudig gesehen. Das war überragend. Zum Zungeschnalzen. Furios», schwärmte Thomas Müller, der als erster Spieler seit Beginn der Datenerfassung am 22. Spieltag schon 14 Tor-Vorlagen auf dem Konto hat.

Doch auch Müller, der mit einer starken Leistung vor den Augen von Joachim Löws Assistent Marcus Sorg weiter Argumente für ein Überraschungs-Comeback in der Nationalmannschaft sammelte, schimpfte über die zweite Halbzeit: «Da haben wir es uns wieder zu bequem gemacht. Wir fühlen uns wohl zu sicher, machen es uns zu gemütlich. Das ist menschlich. Aber in der Champions League dürfen wir uns das nicht erlauben.»

Am Ende drehte sich so viel schon um Chelsea, dass der spannende Vierkampf in der Bundesliga fast zur Nebensache geriet. Dabei zeigte Müller sich beeindruckt von den Verfolgern. «Die Konkurrenz ist diesmal gut», sagte er. Und hatte deshalb eine Hoffnung. «Vielleicht haben die Leipziger, Gladbacher und Dortmunder den Fernseher schon zur Halbzeit ausgemacht», erklärte Müller schelmisch grinsend: «Dann haben sie nicht gesehen, dass wir verwundbar sind.»

@ dpa.de

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