Fußball, Champions League

Buffon verliert die Nerven und attackiert den Schiedsrichter - verbal und körperlich.

12.04.2018 - 17:08:05

Wutausbruch in Madrid - Buffon: Schiedsrichter hat «statt Herz einen Mülleimer». Nur mit viel Glück leben die Triumphträume von Titelträger Real weiter. Ans Finale denkt Ronaldo noch nicht.

Madrid/Turin - Nach dem bitteren Champions-League-Knockout war die Wut bei Juventus Turin grenzenlos. 

Torwart-Legende Gianluigi Buffon beschimpfte den Schiedsrichter, Präsident Andrea Agnelli sprach gar von einer «wissenschaftlichen» Bestrafung für italienische Clubs, durch die Juve im Herzschlag-Duell an Titelverteidiger Real Madrid scheiterte. Ein «Verbrechen gegen den Sport» witterten die italienischen Gazetten, nachdem es trotz des 3:1-Sieges im Bernabeau nicht für die Turiner gereicht hatte. Auch die Stars von Real Madrid um Weltfußballer Cristiano Ronaldo und Weltmeister Toni Kroos lächelten eher erleichtert als euphorisch.

Der 40 Jahre alte Buffon, für den das Rückspiel im Viertelfinale womöglich das letzte Spiel in der Königsklasse war, redete sich in Rage und knöpfte sich nach seiner mit Rot bestraften Tätlichkeit auch verbal den Schiedsrichter vor. Gemeint war Michael Oliver aus England, der «anstelle des Herzens einen Mülleimer» trage und lieber auf der Tribüne Chips essen solle, als zu pfeifen, schimpfte der Routinier. Der Zweikampf zwischen Mehdi Benatia und Lucas Vázquez in der Nachspielzeit erhitzte derart die Gemüter, dass einzelne Juve-Profis im Moment der Enttäuschung vollkommen die Kontrolle über sich verloren.

Kurz danach schoss Ronaldo Titelverteidiger Real in der siebten Minute der Nachspielzeit beim sensationellen Stand von 0:3 und der drohenden Verlängerung mit einem Foul-Elfmeter ins Glück. «Wir müssen daraus die Lehren ziehen. Im Fußball wird dir nichts geschenkt», sagte Ronaldo kurz danach. Der Portugiese schoss wuchtig und platziert oben ins Eck, sein Elfmeter war unhaltbar für den spät eingewechselten Ersatzkeeper Wojciech Szczesny.

Die Madrider Sportzeitung «AS» resümierte das Geschehen mit den Schlagzeilen «93 Minuten Angst» und «Von der Panik ins Halbfinale». Das in Barcelona erscheinende Blatt «Sport» sprach auf Seite eins vom «Diebstahl des Jahrhunderts». Gemeint war der Elfmeter-Pfiff, bei dem es zweifellos Kontakt gab, aus Sicht der Juve-Profis aber bei weitem nicht genug. «Ein menschliches Wesen kann nicht einfach pfeifen und somit das Ausscheiden einer Mannschaft nach solch einer Partie und einem sehr zweifelhaften Vorfall verfügen», schimpfte Buffon.

Real bleibt der Traum vom königlichen Titel-Triple erhalten, bei Juve setzten sie nach dem bitteren Scheitern zum Rundumschlag an.  Präsident Agnelli forderte den Abgang des italienischen Schiedsrichterchefs bei der UEFA, Pierluigi Collina, der voreingenommen entscheide, wie Agnelli meint.

In Italien mischte sich in die Wut allerdings auch Stolz auf die unglaubliche Aufholjagd der Turiner, die es fast doch noch ins Halbfinale geschafft hätten. Nun richtet sich der Blick auf den AS Rom, der das Fußballwunder vollbracht und Barcelona bezwungen hatte. Am Freitag (13.00 Uhr) wird sich entscheiden, ob die römischen Underdogs Gegner des FC Bayern, von Real Madrid oder des FC Liverpool werden. Für alle Juve-Fans aber kaum ein Trost.

Dass Juve das 0:3 vom Hinspiel dank eines Kopfball-Doppelpacks des früheren Bayern- und Wolfsburg-Stürmers Mario Mandzukic (2., 37.) und eines Tores von Blaise Matuidi (61.) wettmachen würde, hätte in Madrid niemand für möglich gehalten. «Wir haben gut gespielt, nur vergessen, Tore zu schießen, wir hatten Chancen», meinte Kroos.

Dass Ronaldo sein Tor macht, wird dagegen in der Champions League langsam zum Gesetz. Es war sein 11. CL-Match in Serie mit Torerfolg. Ein Rekord. Insgesamt war es sein 120. Treffer im 150. Spiel. Im laufenden Wettbewerb kommt CR7 auf 15 Tore - zwei weniger als bei seinem Rekord 2013/2014. Denkt er schon ans Finale? «Nein, lasst uns Schritt für Schritt gehen.»

Die Gemüter waren auch Minuten nach dem Abpfiff derart erhitzt, dass sich die Spieler beider Teams nach spanischen Medienberichten im Kabinengang heftig beschimpften und drauf und dran waren, handgreiflich zu werden. Polizisten und der am Mittwoch wegen einer Sperre nicht eingesetzte Real-Kapitän Sergio Ramos hätten Schlimmeres verhindert, schrieb die Zeitung «Mundo Deportivo». Trotz allem Einsatz droht dem Spanier nun eine weitere Sperre, weil er - sehr aufgeregt - entgegen den Regeln die letzten Spielminuten vom Ausgang des Spielertunnels aus verfolgte.

@ dpa.de

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