Eishockey, DEB

«Völlig unerwartet», «traurige Angelegenheit», «der Aufschwung ist gefährdet» - der Abgang von Eishockey-Bundestrainer Sturm trifft den DEB mit voller Wucht.

05.11.2018 - 15:02:05

Nachfolger gesucht - Sturm-Abgang trifft DEB: Aufschwung am Ende? Wer folgt?. Sturm war treibende Kraft und Gesicht des Booms. Der scheint nun gefährdet. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

München ein.

Der Kapitän des Teams, das 1976 Olympia-Bronze gewann und damit den bis Februar diesen Jahres größten deutschen Eishockey-Erfolg erreichte, kennt Sturm gut und kann den 40-Jährigen verstehen. «Das ganze Umfeld in LA ist ja auch Glamour und Glitzer.» Das allein war allerdings kaum der Grund für Sturms kurzfristigen Entschluss am Wochenende. Nach der olympischen Silber-Sensation von Pyeongchang im Februar hatte Sturm stets betont, bei einem geeigneten Angebot zurück nach Nordamerika gehen zu wollen. Auch aus familiären Gründen.

Im vergangenen Jahr hatte Sturm wegen des Bundestrainer-Jobs mit seiner Familie die USA verlassen, was vor allem für die in Nordamerika aufgewachsenen zwölf und 14 Jahre alten Kinder ein Problem war. Diese wechselten im Sommer von Landshut nach München auf die internationale Schule. Es lief besser, aber lange nicht perfekt. Das Angebot der Kings wollte Sturm auch deshalb nicht ausschlagen, auch wenn ihm selbst klar ist, dass der DEB nun ein Problem hat.

Mit einem Wechsel seines wichtigsten Angestellten noch in dieser Saison hatte beim Verband niemand mehr gerechnet. Mit Sturm sollte die direkte Olympia-Qualifikation für Peking 2022 perfekt gemacht werden. Dafür müsste Deutschland nach der WM 2019 in der Slowakei unter den Top Acht der Welt stehen. Dieses wichtigste Ziel beim aktuellen Weltranglisten-Achten muss nun jemand anderes erreichen.

Nur wer? «Wir haben da keinen Zeitdruck. Jetzt zählt erst einmal nur der Deutschland Cup, danach beginnen wir mit der Sondierung», sagte Reindl. Auch Sturms Nachfolger soll wieder ein Deutscher sein. Automatische Kandidaten wie Pavel Gross (Mannheim), der frühere Bundestrainer Uwe Krupp (Sparta Prag) oder dessen damaliger Assistent Harold Kreis (Düsseldorf) stehen bei Clubs unter Vertrag.

In Krefeld will und muss sich Reindl mit seinen Präsidiumskollegen und Sportdirektor Stefan Schaidnagel abstimmen. «Das wird nicht einfach», prophezeite Schloder. «Marco war das Aushängeschild der vergangenen Jahre. Das ist ein gravierender Einschnitt.» Schloder empfahl Reindl daher, mit der Liga über eine «Übergangslösung» von «ein, zwei DEL-Trainern» zu setzen und nannte eben Gross und Kreis.

Erschwert wird die Nachfolgersuche auch durch die Umstände. Nach Olympia traten bereits langjährige Führungsspieler wie Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer zurück. Der Neue wird ohne diese Stützen mit einem jüngeren Team an Sturms Erfolgen gemessen.

Sturm vermittelte dem Nationalteam auch gegen große Nationen einen Siegeswillen, den es so zuvor nicht gegeben hatte. Schon jetzt legendär ist die WhatsApp-Gruppe der Nationalspieler von Olympia 2018, die Führungsfiguren wie Ehrhoff mit «Mission Gold» betitelten. In früheren Jahren unter Bundestrainern wie Hans Zach wäre diese vermeintliche Anmaßung undenkbar gewesen. Nur so entwickelte sich indes der Spirit, der das Team tatsächlich beinahe bis zu Olympia-Gold geführt hätte.

@ dpa.de