Eishockey, WM

Leon Draisaitl spielt bei dieser Eishockey-WM noch nicht gerade überragend.

16.05.2019 - 12:18:05

Eishockey-WM - Matchwinner Draisaitl untermauert Star-Status. Doch in entscheidenden Momenten untermauert er seinen Status als Top-Star im deutschen Team und macht genau dann den Unterschied aus, wenn es darauf ankommt.

Kosice - Zum ersten Mal bei dieser WM war Leon Draisaitl ziemlich glücklich. Lachend und offensichtlich stolz kam Deutschlands Weltklasse-Stürmer nach seiner bislang größten WM-Tat vom Eis und erklärte - für seine Verhältnisse überschwänglich - seine Glücksgefühle.

«Das hört sich überragend an. Vier wirklich tolle Mannschaftsleistungen. Alle Jungs ziehen an einem Strang. Es macht wirklich Spaß, Teil dieser Mannschaft zu sein», sagte der 23 Jahre alte Top-Star im deutschen Eishockey-Team.

Diesen Status untermauerte Draisaitl beim 3:2 (0:0, 1:2, 2:0) im Vorrunden-Schlüsselspiel gegen Gastgeber Slowakei eindrucksvoll. 27 Sekunden vor dem Ende schoss der NHL-Star der Edmonton Oilers Deutschland mit einer genialen Aktion zum vierten Sieg im vierten Spiel und fast sicher vorzeitig ins Viertelfinale.

«Er kann es halt einfach», sagte NHL-Verteidiger Korbinian Holzer aus Anaheim zur Aktion des Spiels, bei der Draisaitl all seine Klasse mit nur einem Schuss dokumentierte. Gestochen scharf schlug der Puck genau in dem Moment in der kurzen Ecke ein, als Torhüter Marek Ciliak auch nur eine minimale Lücke anbot. «Darum hat er halt 50 Tore in der NHL geschossen. Er braucht nicht viel Raum, um etwas Besonderes zu machen. Da konnte man wieder sehen, welch besonderer Spieler er ist», sagte Holzer über den zweitbesten Torschützen der NHL-Hauptrunde.

Das Besondere lag nicht nur an der beeindruckenden Präzision, sondern vor allem auch am Augenblick. Der deutsche Sieg war mit Abstand der wichtigste in allen bisherigen vier Spielen. Dass er noch in der regulären Spielzeit fiel, war entscheidend. Bei einem Erfolg in der Verlängerung oder dem Penaltyschießen hätte Deutschland trotz des besten WM-Starts seit 89 Jahren noch ums Viertelfinale bangen müssen. Doch auf Draisaitl war Verlass. «Dass Leon mit der Einzelleistung trifft, spricht dann auch wieder für seine Klasse», sagte Holzer.

Dass Draisaitl ein besonderes, im deutschen Eishockey lange nicht mehr vorhandenes Talent hat, ist seit Jahren offensichtlich. «Der Leon sieht auf dem Eis viel - viel mehr als 99 Prozent der Eishockey-Spieler auf der Welt», schwärmte Mitspieler Markus Eisenschmid, der den Ausgleich zum 2:2 (59. Minute) besorgt hatte.

Hinzu kommt nun Draisaitls Eigenschaft, die echte Stars ausmacht: Im entscheidenden Moment den Unterschied auszumachen. Selbst dann, wenn sonst nicht alles gelingt. Da ist kein Hadern und kein Nachdenken. Gegen die Slowakei war Draisaitl wieder auffälligster Mann - das lag aber auch an einigen Stockfehlern. «Bis dahin habe ich eigentlich nicht wirklich was Gutes hinbekommen. Da habe ich mir gedacht, eine gute Aktion muss ich noch irgendwie zustande bringen», meinte Draisaitl.

Zum WM-Auftakt gegen Großbritannien (3:1) hatte er vor dem Gegentor böse gepatzt. Darauf angesprochen reagierte er irritiert: «Wer, ich?» Gespielt ist das nicht. Draisaitl agiert auf dem Eis weiter, als habe er das sofort vergessen. «Passiert», presste er zu seinem Fehler in der Gewissheit hervor, später den 3:1-Endstand besorgt zu haben. «Unter Druck habe ich immer schon am besten performt», hatte Draisaitl bereits vor der WM im dpa-Interview gesagt und angekündigt, Anführer im Team sein zu wollen: «Wenn ich dabei aber derjenige sein muss, der voran geht, dann mache ich das natürlich sehr gerne. Denn ich glaube, dass das unserer Mannschaft am meisten hilft.» Spätestens am Mittwoch stellte er dies eindrucksvoll unter Beweis.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Eishockey-WM - Söderholms starke WM-Premiere: Selbstverständnis verändert. Das Selbstverständnis hat sich unter dem neuen Eishockey-Bundestrainer verändert. Die Tendenz geht zur Etablierung unter den Top-Nationen. Dazu könnten neben Draisaitl auch andere Spieler beitragen. So viel Frust war noch nie nach einem WM-Aus im Viertelfinale. (Sport, 24.05.2019 - 13:46) weiterlesen...

Aus bei Eishockey-WM - DEB-Frust: «Dachte, dass wir bis zum Schluss dabei sind». Entsprechend frustriert ist das Team nach dem 1:5 gegen Tschechien. Mit den Top-Nationen sehen sich die Spieler inzwischen fast auf Augenhöhe. Deutschlands Eishockey-Nationalspieler hatten sich mehr als das WM-Viertelfinale erhofft. (Sport, 24.05.2019 - 06:06) weiterlesen...

Eishockey-WM - Söderholm nach Aus: «Sollte ein bisschen weh tun». Dennoch ist der Neuanfang mit dem neuen Bundestrainer Toni Söderholm geglückt. Der Finne ist «stolz» auf seine Spieler. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der Eishockey-WM überwiegt beim deutschen Team die Enttäuschung. (Sport, 24.05.2019 - 06:04) weiterlesen...

Weltmeisterschaft - Russland, Kanada und Finnland im Halbfinale der Eishockey-WM. Russland spielt am Samstag gegen Finnland um den Einzug ins Endspiel, die Tschechen bekommen es mit Kanada zu tun. Bratislava/Kosice - Top-Favorit Russland, Kanada und Finnland stehen neben Deutschland-Bezwinger Tschechien bei der Eishockey-WM im Halbfinale. (Sport, 23.05.2019 - 23:14) weiterlesen...

Eishockey-WM - Kampf des DEB-Teams nicht belohnt: WM-Aus gegen Tschechien. Bis zum Schlussdrittel war die Partie offen, die Niederlage fiel am Ende zu hoch aus. Die Auswahl von Toni Söderholm kann dennoch auf eine erfolgreiche WM blicken. Lange lieferte das deutsche Eishockey-Team den Tschechen im WM-Viertelfinale einen harten Kampf. (Sport, 23.05.2019 - 22:58) weiterlesen...

Deutsches Eishockey-Team scheitert im WM-Viertelfinale. Trotz einer lange guten Leistung verlor die DEB-Auswahl mit 1:5 gegen Tschechien. Das Tor von Frank Mauer in der 38. Minute reichte am Abend in Bratislava gegen den zwölfmaligen Weltmeister nicht. Deutschland beendet die erste Weltmeisterschaft unter dem neuen Bundestrainer Toni Söderholm auf dem sechsten Platz und damit so gut wie seit dem vierten Platz 2010 nicht mehr. Bratislava - Deutschlands Eishockey-Team ist im WM-Viertelfinale ausgeschieden. (Politik, 23.05.2019 - 22:34) weiterlesen...