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Kriminalität, Polizei

Pressemitteilung der Polizeiinspektion Goslar vom 13.10.2021

13.10.2021 - 13:00:06

Pressemitteilung der Polizeiinspektion Goslar vom 13.10.2021. Goslar - Preisverleihung der Goslarer Zivilcourage Kampagne - Drei "Alltagshelden" für couragiertes Auftreten geehrt

Im elften Jahr des Bestehens der "Goslarer Zivilcourage Kampagne" (GZK) gab es am 12.10.21 in der Aula der Polizeiinspektion Goslar wieder Grund zur Würdigung von gleich drei besonderen Menschen, die in einem wechselseitigen Zusammenspiel am 16.12.2020 das Leben mindestens eines anderen Menschen gerettet hatten.

Die zeitliche Verzögerung der Ehrung war dem Strafverfahren, welches erst beendet sein musste, sowie den Corona bedingten Einschränkungen geschuldet.

Der zu würdigende Sachverhalt hatte in der Adventszeit 2020 große Bestürzung und Erleichterung zugleich in der Bevölkerung ausgelöst und auch überregional für große Beachtung gesorgt.

Eine 29-jährige Goslarerin war mit ihrem Säugling auf einem Spaziergang auf dem Verbindungsweg zwischen der Straße Im Schleeke und Ginsterbusch durch einen 24-jährigen aus Oker stammenden Mann hinterrücks angegriffen worden.

Dieser zückte hierbei ein Messer und fügte der jungen Frau, die ihren Säugling vor dem Bauch trug, lebensgefährliche Schnittverletzungen am Hals zu.

Der sich zufällig mit dem Rad nähernde 33-jährige Pascal Brennecke aus Liebenburg erkannte die gefährliche Situation blitzschnell und reagierte spontan und ohne jegliches Zögern.

Er sprang vom Rad und stürzte sich auf den Angreifer, der gerade im Begriff war, weiter auf die Frau und ihr kleines Kind einzustechen. Bedingt durch seine Kampfsporterfahrungen gelang es ihm hierbei schnell, dass der Okeraner das Messer fallen ließ, sich ergab und durch Brennecke bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden konnte.

Währenddessen schleppte sich die schwer verletzte junge Frau zurück zur Straße Im Schleeke. Hierbei gelang es ihr zunächst noch selbst, den "Notruf 110" zu wählen und mitzuteilen, dass sie überfallen worden sei.

In Höhe der Bushaltestelle "Ginsterbusch", sah die vorbeifahrende 20-jährige Katharina-Sophie Weber das schwer verletzte Opfer, hielt sofort an und kümmerte sich um die junge Frau. Parallel übernahm sie auch das Telefonat mit der Einsatzleitstelle.

Nahezu zeitgleich fuhr der 54-jährige Arzt, Mathias Kohn, in seiner Freizeit mit seinem PKW an der Bushaltestelle vorbei. Auch er erkannte die lebensbedrohliche Situation, hielt an und übernahm sofort die ärztliche Versorgung der stark blutenden Frau. Die 29-Jährige kam anschließend mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus und war dank des schnellen Eingreifens der drei Alltagshelden nach einer Operation schnell außer Lebensgefahr.

Der Täter wurde im Frühjahr 2021 durch das Landgericht Braunschweig wegen versuchten Mordes, begangen im Zustand der krankheitsbedingten Schuldunfähigkeit, zu einer unbefristeten Sicherungsverwahrung verurteilt.

Der Vorsitzende der "GZK" und Leiter des Weißen Rings, -Außenstelle Goslar-, Günter Koschig, moderierte wie gewohnt die von ihm organisierte Feierlichkeit, die wegen der immer noch vorhandenen Einschränkungen vor einem kleineren Publikum in der Aula der Polizeiinspektion Goslar stattfand.

Bereits vor längerer Zeit hatte die Jury der "GZK" sich für diese drei Alltagshelden als verdiente Preisträger des Jahres 2020 entschieden.

Der neue Leiter der Polizeiinspektion Goslar, Polizeidirektor Rodger Kerst, würdigte das couragierte Auftreten und umsichtige Handeln jedes Einzelnen der drei Helfer als herausragend und lobenswert. Natürlich sollte ein körperliches Einmischen in eine gefährliche Situation wohl bedacht und nicht um jeden Preis erfolgen. Keiner müsse sich selbst in Lebensgefahr begeben.

Andererseits, so stellte Kerst in seiner Laudatio sinngemäß fest, hätte Herr Brennecke in dieser Situation keine 30 Sekunden später kommen dürfen.

Mit seiner Fitness sei er in dieser Situation der richtige Schutzengel am richtigen Ort gewesen.

Dieser Sachverhalt zeige auch, so Kerst weiter, dass es manchmal Situationen lebensnotwendig sein kann, mehr als ein Schutzengel zu haben.

Dieses "Schutzengel-Trio" hätten die junge Frau und ihr Säugling an diesem Dezembernachmittag gebraucht und zum Glück auch bekommen.

Pascal Brennecke erhielt anschließend den Zivilcourage Pokal aus den Händen des Inspektionsleiters. Statt einer wie sonst durchgeführten persönlichen Übergabe der Preise war für jeden der drei Helfer in diesem Jahr ein Tisch mit mehreren Sachpreisen sowie einer Urkunde hergerichtet worden.

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