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Polizei, Kriminalit?t

Lathen - Zeugen gesucht

09.02.2021 - 15:14:03

Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim / Lathen - Zeugen ...

BERLIN - Extremes Winterwetter mit Schnee und Eis beherrscht auch nach Tagen noch große Teile Deutschlands. Auf Straßen und Schienen kam es am Dienstag erneut zu Stillstand. Auf der A2 bei Bielefeld steckten Auto- und Lkw-Fahrer sogar die ganze Nacht im Schnee fest und mussten bei klirrender Kälte viele Stunden lang in ihren Fahrzeugen ausharren. Bei der Bahn blieb der Fernverkehr auf einigen Strecken komplett eingestellt - etwa in Schleswig-Holstein, wo der Deutsche Wetterdienst (DWD) für einige Regionen an der stürmischen Ostsee vor Schneeverwehungen warnte.

In Bayern rief die Stadt Nürnberg den Katastrophenfall aus, nachdem es ausgerechnet bei den derzeitigen Minusgraden zu einem Brand in einem Großkraftwerk gekommen war, was die Belieferung von etwa 15 000 Menschen mit Fernwärme beeinträchtigte. In Sachsen-Anhalt wurde ein Mann leblos neben seinem Traktor im Schnee gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 69-Jährige am Montag erfroren ist, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Hilfsorganisationen in Deutschland wiesen derweil auf die lebensbedrohliche Lage von Obdachlosen hin, deren Versorgung wegen der Corona-Pandemie ohnehin erschwert sei.

Bereits seit dem Wochenende lähmen Schnee und Eis weite Teile Deutschlands. Zwar soll es nun insgesamt weniger schneien, die Temperaturen bleiben aber im Eiskeller. "Hoch "Gisela" sorgt mit einer nordöstlichen bis östlichen Strömung auch in den nächsten Tagen für verbreitet frostige Temperaturen tagsüber und nachts für strenge, über Schnee bei Aufklaren auch sehr strenge Fröste um minus 20 Grad", erläuterte DWD-Meteorologe Jens Bonewitz. Von Donnerstag an werde sich - anders als bisher - auch im Süden Deutschlands die Kaltluft komplett durchsetzen.

Besonders heftig war in der Nacht auf Dienstag die Lage auf der A2 bei Bielefeld und somit auf einer der wichtigsten Ost-West-Autobahnen Deutschlands. Einige Fahrer und Mitfahrer saßen sogar seit Montagnachmittag in ihren Fahrzeugen fest. Helfer verteilten Essen und Getränke. Der Verkehr auf der zwischenzeitlich in beiden Fahrtrichtungen gesperrten Autobahn staute sich auf Dutzenden Kilometern. Aus Sicht der Autobahn GmbH Westfalen hatten Lastwagenfahrer das nächtliche Schneechaos auf der A2 maßgeblich mitverursacht, indem sie sich nicht an ein Fahrverbot gehalten hätten. Auch auf anderen Autobahnen wie der A4 in Osthessen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei binnen 24 Stunden rund 900 wetterbedingte Einsätze. Von Montag- bis Dienstagmorgen (jeweils 6 Uhr) rückte sie landesweit zu rund 800 Unfällen auf verschneiten und glatten Straßen aus. Die Schäden summieren sich ersten Schätzungen zufolge auf 1,8 Millionen Euro, wie eine Sprecherin der Landesleitstelle sagte.

In mehreren von Schnee und Eis besonders betroffenen Städten rückten die Busse auch am Dienstag nicht aus. "Im Moment ist alles noch im Depot", hieß es bei der Ruhrbahn in Essen.

Die Deutsche Bahn sprach auch am Dienstag von "extremem Unwetter", durch das es weiterhin in weiten Teilen Deutschlands zu Verspätungen und Zugausfällen komme. Zwar arbeiteten Einsatzkräfte mit Hochdruck daran, insbesondere die Hauptstrecken von Schnee und Eis zu befreien, berichtete die Bahn am frühen Morgen. Vielerorts erschwerten aber starke Schneefälle, Schneeverwehungen und Frost die Arbeiten.

Von Dresden aus fuhren am Dienstag bis auf weiteres keine Fernverkehrszüge in Richtung Leipzig, Frankfurt, Hannover und Köln, wie es im Internetauftritt der Bahn hier. Auch zwischen Hamburg und Kiel, zwischen Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt rollten demnach keine Fernzüge.

Für die Ostsee sagten die DWD-Meteorologen am Dienstag teils starken Schneefall mit Schneeverwehungen voraus. Für Ostholstein galten deswegen am Dienstag amtliche Unwetterwarnungen. An den Küsten sei es windig bis stürmisch.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer appellierte an die Bürger im Norden und in der Mitte Deutschlands, mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. "Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag). Bei "Bild Live" sagte er: "Es entsteht eines neues Band: ein kleines, aber sehr heftiges. Dienstag und Mittwoch werden wir an der Ostsee und bei Rügen viel Schnee bekommen und vor allem stürmische Verhältnisse."

In Nürnberg fiel bei eisigen Temperaturen ein Großkraftwerk nach einem Brand aus. In zwei Stadtteilen war nach Angaben des Energieunternehmens N-Ergie die Versorgung mit Fernwärme beeinträchtigt. "Wir gehen momentan nicht davon aus, dass die Heizungen komplett ausfallen", sagte ein Sprecher. "Es wird aber spürbar kälter in den Häusern werden." Die Stadt rief am Dienstag den Katastrophenfall aus. Betroffen waren neben den Privathaushalten auch große Betriebe, eine Klinik, Schulen, ein Einkaufszentrum sowie zwei Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Am Rhein behinderte die Kälte die Reinigungsarbeiten nach dem Hochwasser der vergangenen Tage. In Vallendar bei Koblenz beseitigten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs am Dienstag den Schlamm auf der Bundesstraße 42. Bei minus fünf Grad seien allerdings die Schläuche festgefroren, die Mitarbeiter müssten permanent salzen und kehren, sagte Bauhofleiter Michael Fölbach.

Immerhin konnte der Rhein für die Schifffahrt wieder freigegeben werden. Bei Köln sank der Pegelstand am Morgen unter die Grenze von 8,30 Metern, wie ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein sagte.

Unterdessen verstärkten Hilfsorganisationen ihren Einsatz für Obdachlose und versorgten sie vielerorts mit warmem Essen, Getränken, Kleidung, Schlafsachen und Hygieneartikeln. Die Coronavirus-Pandemie verschärft die Situation der Bedürftigen zusätzlich, wie es etwa von der Diakonie hieß, dem Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirchen.

"Aus Hygienegründen können die Einrichtungen nicht so belegt werden wie in den Zeiten vor Corona - wir wissen von Fällen, in denen Betroffene Notunterkünfte aus Angst vor einer Corona-Ansteckung meiden", erklärte Sandra Schuhmann, Vorständin beim Diakonischen Werk Bayern. Die Diakonie forderte die Kommunen auf, Notunterkünfte durchgehend zu öffnen und auch andere Gebäude wie Turnhallen oder leerstehende Hotels zu nutzen.

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