Fußball, Kriminalität

Falls die Welt des belgischen Fußballs jemals heil war - nun ist sie es nicht mehr.

11.10.2018 - 17:34:05

Manipulationsverdacht - Festnahmen und Betrugsvorwürfe - Belgiens Fußball im Chaos. Zwei Erstligaspiele wurden möglicherweise manipuliert. Das ganze Ausmaß der Affäre ist aber noch längst nicht absehbar.

Brüssel - Der massive Betrugsskandal im belgischen Fußball weitet sich aus. Spielmanipulationen, Betrug und Geldwäsche: So lauten die Vorwürfe der Bundesstaatsanwaltschaft gegen namhafte Gesichter der Branche. 29 Personen hat die Polizei festgenommen, wie die Ermittler in Brüssel mitteilten.

Die Staatsanwaltschaft äußerte zudem den Verdacht, dass zwei Erstliga-Partien der Saison 2017/2018 manipuliert worden seien. Es habe sich um Manipulationen im Abstiegskampf zu Gunsten des FC Mechelen gehandelt.

Unter den Festgenommenen befanden sich den Angaben zufolge Spielerberater, Schiedsrichter und andere Verantwortliche. Wie viele der Verdächtigen mittlerweile wieder auf freiem Fuß sind, war am Donnerstagnachmittag zunächst unklar. Gegen fünf Menschen wurde Anklage erhoben. In vier Fällen besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und Korruption.

Schlüsselfiguren der mutmaßlichen Affäre sind laut Medien unter anderem die Spielerberater Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Beide waren bei einer spektakulären Großrazzia festgenommen worden.

Auch Ivan Leko, Coach von Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner FC Brügge, musste die Nacht auf Donnerstag in Haft verbringen. Der ehemalige Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck soll der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge hingegen wieder auf freiem Fuß sein.

Am Tag nach den aufsehenerregenden Durchsuchungen von 44 Gebäuden in Belgien waren noch viele Fragen offen. So blieb zunächst unklar, ob der Skandal auch ausländische Ligen betrifft. Im Zuge der Ermittlungen waren auch 13 Gebäude in Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro und Mazedonien durchsucht worden.

Der belgische Nationalspieler Vincent Kompany kommentierte die Vorfälle mit drastischen Worten. «Die Verbindung zu Praktiken im Menschenhandel, Drogenhandel oder der Prostitution - wo eine Menge Geld zirkuliert - ist sehr eng», sagte er im Gespräch mit dem Sender VTM über die Fußball-Branche.

Auch belgische Medien zeigten sich entsetzt über das Ausmaß der Vorwürfe. Als eine «Katastrophe für den Sport» bezeichnete etwa die Tageszeitung «Het Nieuswblad» die Vorgänge. Die Tageszeitung «Le Soir» nannte die Polizeiaktion «beispiellos» und zitierte einen Insider mit den Worten: «Im belgischen Fußball gibt es nur eine Regel: Es gibt keine Regel.»

Nach dem begeisternden Auftritt der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland schwinge das Pendel nun besonders heftig zurück, hieß es. Die Roten Teufel um Eden Hazard und Kevin De Bruyne hatten mit begeisterndem Offensiv-Fußball Platz drei belegt. Am Freitag empfängt das Team in der Nations League die Schweiz.

Hazard betonte vor dem Spiel den guten Ruf der Nationalelf. «Ich denke, dass wir seit einigen Jahren ein gutes Image mit der Nationalmannschaft haben.» Zu den laufenden Ermittlungen wollte er sich jedoch nicht konkret äußern. Auch Belgiens Nationaltrainer Roberto Martínez sagte, er wolle zunächst die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Ermittlungen alleine seien noch nicht schädlich - die Ergebnisse aber möglicherweise schon.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Sommermärchen-Affäre: Kein Verfahren gegen Ex-Funktionäre. Schmidt wohl ohne juristisches Nachspiel enden. Das Landgericht Frankfurt lehnte nach jahrelangen Ermittlungen die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen das Trio ab. Die Staatsanwaltschaft hatte alle drei im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung angeklagt. «Die Kammer hat keinen hinreichenden Tatverdacht gesehen», sagte ein Gerichtssprecher. Frankfurt/Main - Die Affäre um das Fußball-Sommermärchen 2006 wird für die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie den ehemaligen Generalsekretär Horst R. (Politik, 15.10.2018 - 17:06) weiterlesen...

Sommermärchen-Affäre - WM 2006: Kein Verfahren gegen ehemalige DFB-Funktionäre. Das Frankfurter Landgericht wird kein Hauptverfahren gegen sie wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung eröffnen. Der DFB kann auf Millionen hoffen. Die ehemaligen DFB-Funktionäre Niersbach, Zwanziger und Schmidt haben in der WM-Affäre einen juristischen Erfolg erzielt. (Polizeimeldungen, 15.10.2018 - 15:32) weiterlesen...

Gericht entlastet DFB-Funktionäre in WM-Affäre. Schmidt einen juristischen Erfolg erzielt. Das Landgericht Frankfurt lehnte die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen sie ab. Die Staatsanwaltschaft hatte die drei im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung angeklagt. «Die Kammer sah keinen hinreichenden Tatverdacht», sagte ein Sprecher der dpa. Frankfurt/Main - In der Affäre um das Fußball-Sommermärchen 2006 haben die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie der ehemalige Generalsekretär Horst R. (Politik, 15.10.2018 - 11:54) weiterlesen...

Betrugsermittlungen - Mehrere Verhaftungen im belgischen Fußball-Skandal Brüssel - Im Zuge der Betrugsermittlungen im belgischen Fußball sind in der Nacht zum Freitag mehrere Verdächtige verhaftet worden. (Polizeimeldungen, 12.10.2018 - 09:50) weiterlesen...

Mehrere Verhaftungen im belgischen Fußball-Skandal. Wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete, wurden Haftbefehle gegen die Spieler-Berater Dejan Veljkovic, Mogi Bayat und Karim Mejjati erlassen. Gegen den Schiedsrichter Bart Verten und gegen Dragan Siljanoski, den Manager von Brügge-Trainer Ivan Leko, wurden ebenfalls Haftbefehle erlassen. Leko selbst war bei einer Großrazzia festgenommen worden. Hintergrund ist der Verdacht auf Geldwäsche, Korruption und organisierte Kriminalität. Brüssel - Im Zuge der Betrugsermittlungen im belgischen Fußball sind mehrere Verdächtige verhaftet worden. (Politik, 12.10.2018 - 09:48) weiterlesen...

Betrugsskandal in Belgien: 2. Liga sagt Spieltag ab. Brüssel - Im Zuge des Betrugsskandal im belgischen Fußball ist der zehnte Spieltag der 2. Liga am Wochenende verlegt worden. Das entschied die Pro League. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche, Korruption und Spielmanipulationen hatte die Polizei zuvor Dutzende Gebäude in Belgien und im Ausland durchsucht und mehrere Personen festgenommen. Von den Ermittlungen sind Topclubs wie der RSC Anderlecht oder der FC Brügge betroffen. Betrugsskandal in Belgien: 2. Liga sagt Spieltag ab (Politik, 12.10.2018 - 00:40) weiterlesen...