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Agrar, Interview

BUND / Wie wir zu weniger Fleischkonsum und mehr Tierwohl kommen

06.01.2021 - 15:47:20

BUND / Wie wir zu weniger Fleischkonsum und mehr Tierwohl kommen. Wie wir zu weniger Fleischkonsum und mehr Tierwohl kommen (AUDIO)

Berlin - Katrin Wenz, Agrarexpertin beim Bund f?r Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), im Gespr?ch mit BUND-Pressereferentin Judith Freund ?ber den Fleischkonsum in Deutschland (Interview: 5:36 Minuten):

Anmoderationsvorschlag: Wir essen zu viel Fleisch. Etwa 60 Kilogramm isst jeder Deutsche im Jahr. Zum Wohle von Gesundheit, Umwelt, Klima und Tierwohl sollten es nur gut die H?lfte sein. Was unser Fleischkonsum f?r Folgen hat und wie wir dazu kommen, unsere Ern?hrung umzustellen, dar?ber spreche ich mit Katrin Wenz, sie ist Agrarexpertin beim Bund f?r Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Sprecherin: Frau Wenz, warum essen wir eigentlich so viel Fleisch?

O-Ton 1 (Katrin Wenz, 40 Sek.): "Fleisch ist ganz tief als Lebensmittel in unserer Gesellschaft verankert. Vor allem in der Nachkriegszeit aufgrund der Hungerkrise im zweiten Weltkrieg wurde die Landwirtschaft sehr stark intensiviert. Und seitdem wurde die Tierhaltung immer weiter ausgebaut. Wir sind davon weggekommen, das ganze Tier zu essen hin zu dem Konsumverhalten, dass wir nur noch zu ganz bestimmten St?cken greifen und der Fleischkonsum wurde immer kosteng?nstiger ?ber die Jahrzehnte, sodass wir einfach massiv zu Fleisch greifen k?nnen, ohne dass es sich massiv finanziell zu Buche schl?gt."

Sprecherin: Wie kommen wir denn zu weniger Fleischkonsum?

O-Ton 2 (Katrin Wenz, 37 Sek.): "Um unsere Umwelt effektiv zu sch?tzen und den Klimawandel einzud?mmen, m?ssen wir den Fleischkonsum auf etwa die H?lfte reduzieren, das ist im ?brigen auch das, was die Deutsche Gesellschaft f?r Ern?hrung uns empfiehlt f?r eine gesunde, ausgeglichene Ern?hrung. Und diesen Fleischkonsum k?nnen wir nur reduzieren, wenn der Staat hier auch aktiv wird. Wir stehen aber im Moment vor der Herausforderung, dass der Staat ern?hrungspolitisch eigentlich gar keine Instrumente hat. Es gibt keine Ma?nahmen, um den Fleischkonsum zu reduzieren."

Sprecherin: Was sollte die Politik denn aus Ihrer Sicht tun?

O-Ton 3 (Katrin Wenz, 50 Sek.): "Die Umweltverb?nde und auch die Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten fordern ja schon sehr lange eine massive Reduktion des Fleischkonsums. Die Menschen essen auch zunehmend weniger Fleisch, aber ein Reduktionsziel, wie es die Deutsche Gesellschaft f?r Ern?hrung empfiehlt, wird nicht einfach von selber kommen. Der Staat muss die Aufgabe wahrnehmen, ern?hrungspolitisch hier das Verhalten der Menschen mitzugestalten. Das hei?t, das muss nicht ?ber Zw?nge funktionieren, sondern eine Ern?hrungsumgebung zu schaffen, die es erm?glicht, auch vegetarisch sich zu ern?hren, beispielsweise eine andere Platzierung in Mensen und eine andere Preisgestaltung, denn momentan haben tierische Produkte einen verg?nstigten Mehrwertsteuersatz. Und hier werden einfach die falschen Instrumente angesetzt."

Sprecherin: Wer Fleisch im Supermarkt kauft, wei? oft gar nicht, wie die Tiere gehalten wurden. Kann das staatliche Tierwohlkennzeichen von Landwirtschaftsministerin Julia Kl?ckner Orientierung geben?

O-Ton 4 (Katrin Wenz, 35 Sek.): "Die staatliche Tierwohlkennzeichnung ist noch nicht auf dem Markt. Also, Frau Kl?ckner hat hier eigentlich eine Chance verpasst, denn sie hat solange gehadert. Sie hat das staatliche Tierwohlkennzeichen ja praktisch schon von ihrem Vorg?nger ?bernommen und trotzdem hat sie es weiter verschleppt, sodass Discounter vorangegangen sind und ihre eigene Kennzeichnung auf den Markt gebracht haben. Sie haben darauf reagiert, dass Verbraucher wissen wollen, wie die Tiere gehalten werden, die sie essen."

Sprecherin: Gibt es denn eine Art Masterplan f?r eine bessere Tierhaltung?

O-Ton 5 (Katrin Wenz, 64 Sek.): "Im letzten Jahr gab es eigentlich einen sehr konkreten Umbauplan, wie die Tierhaltung in Zukunft aussehen k?nnte. Also mit ganz konkreten Vorschl?gen, die Umweltverb?nde, Tierschutzverb?nde oder andere zivilgesellschaftliche Organisationen beispielsweise die Verbraucherzentrale, aber auch der Bauernverband und andere landwirtschaftliche Organisationen gemeinsam ausgearbeitet haben. Dieser Plan wurde von der Bundesregierung bislang ignoriert. Und in diesem Plan haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch vorgeschlagen, den Umbau der Tierhaltung ?ber eine Fleischabgabe zu finanzieren. Also sie haben vorgeschlagen, Fleisch teurer zu machen und mit diesen Mehreinnahmen, den Umbau der Tierhaltung, der die Gesellschaft viel Geld kosten wird, zu finanzieren. Aus meiner Sicht ist das ein sehr guter Fahrplan. Und Frau Kl?ckner ist jetzt wirklich gefordert, diesen Umbauplan, den die sogenannte Borchert-Kommission gemeinsam entwickelt hat, auch umzusetzen."

Sprecherin: Welche Ma?nahmen w?ren aus Ihrer Sicht noch sinnvoll?

O-Ton 6 (Katrin Wenz, 48 Sek.): "Ganz wichtig ist, dass wir in Zukunft weniger Tiere halten. Dass wir in Deutschland auch nur so viele Tiere halten und essen, wie wir auf den Fl?chen ern?hren k?nnen. Dass wir aufh?ren, Futtermittel aus den L?ndern des globalen S?dens zu importieren und den Landfu?abdruck verringern. Das hei?t, die Fl?che eind?mmen, die wir f?r unseren Konsum tierischer Lebensmittel brauchen. F?r die, die sich nicht so richtig etwas darunter vorstellen k?nnen: Das bedeutet, dass wir pro Hektar Land zwei Rinder halten k?nnen. Das w?rde f?r einige Regionen Deutschlands eigentlich gar keine Ver?nderung bedeuten, in anderen Landkreisen, wo wir momentan sehr viele Tiere halten, m?ssten wir Tiere abstocken."

Abmoderationsvorschlag: Vielen Dank f?r das Gespr?ch, Katrin Wenz. Sie ist Agrarexpertin beim BUND und hat mit uns dar?ber gesprochen, was sich beim Fleischkonsum in Deutschland ?ndern muss.

Der O-Ton (Audio) mit Transkript als Download: http://www.bund.net/fleischkonsum_audio Interview: 5:36 Minuten. Alle O-T?ne des BUND k?nnen Sie als mp3-Datei herunterladen, bearbeiten und lizenzfrei f?r Medienberichte verwenden: http://www.bund.net/service/presse/pressebilder

Portr?tfotos der Interviewpartner*innen finden Sie hier: http://www.bund.net/service/presse/pressebilder/personen

Der Fleischatlas 2021: http://www.bund.net/fleischatlas

Pressekontakt:

Katrin Wenz, BUND-Agrarexpertin, Tel.: 030-27586-549, Mobil: 0176-476 841 62, E-Mail: katrin.wenz@bund.net bzw. Judith Freund, BUND-Pressereferentin, Tel. 030-27586-497, E-Mail: judith.freund@bund.net

BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Judith Freund | Heye Jensen Tel. 030-27586-425 | -531 | -497 | -464 | E-Mail: presse@bund.net www.bund.net/presse

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7666/4805688 BUND

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