Kriminalität, Streit

Zwei Männergruppen geraten in Köthen aneinander, ein junger Mann stirbt an Herzversagen.

10.09.2018 - 15:28:06

Zwei Afghanen in U-Haft - Neue Demo in Köthen - Ein Verdächtiger stand vor Abschiebung. Zwei Afghanen werden der Körperverletzung mit Todesfolge verdächtigt - einer von ihnen sollte eigentlich schon länger abgeschoben werden.

  • Polizeipräsenz - Foto: Sebastian Willnow

    Polizeifahrzeuge am Bahnhof in Köthen. Foto: Sebastian Willnow

  • Tödlicher Streit in Köthen - Foto: Sebastian Willnow

    Menschen stehen vor Blumen und Kerzen an einem Baum auf einem Spielplatz, in dessen Nähe ein 22-Jähriger bei einem Streit zwischen zwei Männergruppen ums Leben gekommen ist. Foto: Sebastian Willnow

  • Kundgebung in Köthen - Foto: Hendrik Schmidt

    Menschen haben sich in der Innenstadt von Köthen versammelt. Foto: Hendrik Schmidt

  • Tödlicher Streit in Köthen - Foto: Sebastian Willnow

    Blumen und Kerzen stehen zum Gedenken an den verstorbenen 22-Jährigen an einem Baum in Köthen. Foto: Sebastian Willnow

  • Ortsschild - Foto: Sebastian Willnow

    Köthen, Kreisstadt des sachsen-anhaltischen Landkreises Anhalt-Bitterfeld, hat rund 26.000 Einwohner. Foto: Sebastian Willnow

  • Horst Seehofer - Foto: Peter Kneffel

    Bundesinnenminister Horst Seehofer äußert sich vor Beginn der CSU-Vorstandsitzung zu Köthen. Foto: Peter Kneffel

Polizeipräsenz - Foto: Sebastian WillnowTödlicher Streit in Köthen - Foto: Sebastian WillnowKundgebung in Köthen - Foto: Hendrik SchmidtTödlicher Streit in Köthen - Foto: Sebastian WillnowOrtsschild - Foto: Sebastian WillnowHorst Seehofer - Foto: Peter Kneffel

Köthen - Nach dem Streit zwischen zwei Männergruppen und dem Tod eines Deutschen im sachsen-anhaltischen Köthen stellen sich die Behörden auf weitere Kundgebungen ein. Für den heutigen Abend (19 Uhr) meldete ein AfD-Landtagsabgeordneter eine Demonstration an, es wurde mit rund 300 Teilnehmern gerechnet.

Tags zuvor waren bei einer ersten Spontandemonstration in der Stadt rund 2500 Menschen zusammengekommen. Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zwischen 400 und 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler kam es in der Nacht zu Sonntag an einem Spielplatz in Köthen zu einem Streit zwischen mindestens zwei afghanischen Staatsbürgern auf der einen und mindestens zwei deutschen Staatsbürgern auf der anderen Seite. Am Ende war ein 22-jähriger Deutscher tot, er starb nach Behördenangaben an Herzversagen.

Dem Obduktionsergebnis zufolge seien seine Verletzungen nicht die Todesursache gewesen, sagte Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU). Auch Verletzungen, die von Tritten oder Schlägen gegen den Kopf herrührten, hätten nicht festgestellt werden könen. Der Staatsanwaltschaft zufolge sind die Ermittlungen noch nicht weit genug, um Details zum Geschehen bekannt zu geben.

Zwei 18 und 20 Jahre alte afghanische Staatsbürger sitzen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft. Beide kamen nach Behördenangaben als unbegleitete Minderjährige nach Sachsen-Anhalt, sind aber inzwischen volljährig.

Der ältere Verdächtige hätte laut Stahlknecht schon seit Monaten abgeschoben werden sollen. Das scheiterte jedoch zunächst am grünen Licht der Staatsanwaltschaft, die gegen den Mann in einem anderen Fall wegen Körperverletzung ermittelte.

Nach dem Köthener Fall warnte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) davor, aus der Kleinstadt ein zweites Chemnitz zu machen. Dort war vor zwei Wochen bei einem Streit unter Männern ein Deutscher mutmaßlich erstochen worden - die Verdächtigen kommen aus Syrien und dem Irak. Seither kommt es in der Stadt immer wieder zu rechten Demonstrationen.

In Köthen meldete der AfD-Abgeordnete Hannes Loth für den Abend eine Demo mit mehreren hundert Teilnehmern unter dem Titel «Wir trauern» an, wie der Landkreis mitteilte. Die Polizei wird nach Angaben von Stahlknecht mit mehreren Hundert Kräften präsent sein.

In dieser Größenordnung sei auch schon die Kundgebung am Sonntagabend abgesichert worden. Man habe im Zuge des sogenannten «Trauermarschs» zunächst zehn Anzeigen aufgenommen, sagte Landespolizeidirektorin Christiane Bergmann. Dabei gehe es etwa um Volksverhetzung, Beleidigung oder Körperverletzung. Bei einer Kundgebung sei ein offenes Mikrofon von der rechtsextremen Szene belegt worden.

«Wir werten aus, was da an rechten Parolen gegrölt wurde», sagte Stahlknecht. Gleichzeitig warnte er davor, alle Demoteilnehmer unter Generalverdacht zu stellen. «Wir sollten akzeptieren, dass Menschen auch friedlich ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen wollen.» Einige Teilnehmer fern des rechtsextremen Spektrums hätten den Parolen widersprochen, andere allerdings auch applaudiert. Stahlknecht rief alle zur Besonnenheit auf und betonte: Der Staat werde alle Mittel einsetzen, um die Tat in Köthen aufzuklären - aber auch «alles tun, damit Betroffenheit auch Betroffenheit bleibt.»

@ dpa.de