Prozesse, Urteil

Zehn Wochen nach Prozessbeginn will das Landgericht Detmold im Missbrauchsprozess von Lügde heute sein Urteil verkünden.

05.09.2019 - 08:38:05

Lange Haftstrafen gefordert - Lügde-Prozess: Kinderschützer hoffen auf «klares Signal». Im Vorfeld hat der Deutsche Kinderschutzbund den Blick auf die Opfer gerichtet.

Detmold - Bei dem Urteil im Lügde-Missbrauchsprozess gegen zwei Männer hofft der Deutsche Kinderschutzbund auf ein klares Signal gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder.

«Gerade für die Opfer ist es wichtig, dass sie sich zukünftig sicher fühlen können, und auch andere Kinder brauchen Schutz», erklärte NRW-Landesgeschäftsführerin Krista Körbes. Nach der juristischen Aufarbeitung der Gewalttaten müssen nach Auffassung der Kinderschutzorganisation nun Konsequenzen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene folgen. In dem Prozess um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde will das Landgericht Detmold heute sein Urteil verkünden.

Angeklagt sind zwei 56 und 34 Jahre alte deutsche Männer. Sie sollen jahrelang in mehreren hundert Fällen insgesamt 34 Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Der Ältere soll dabei laut Anklage in mehr als 200 Fällen in die Körper von Kindern eingedrungen sein, der jüngere in fast 50 Fällen. Einige Opfer sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Die meisten Taten sollen die Männer in der heruntergekommenen Unterkunft von Andreas V. auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 56-Jährigen Andreas V. 14 Jahre, für den 34-jährigen Mario S. zwölfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert sowie für beide die anschließende Sicherungsverwahrung. Der Verteidiger von Andreas V. hatte auf zwölf Jahre plädiert, der Verteidiger von Mario S. ein «möglichst großes vertretbares Entgegenkommen» für seinen Mandanten erbeten. Auch er rechnete mit einem Urteil «im zweistelligen Bereich». Beide hatten am letzten Verhandlungstag auf die frühen Geständnisse ihrer Mandanten verwiesen.

Der Prozess hatte vor zehn Wochen Ende Juni begonnen. Aus Opferschutzgründen fand er in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am Rande des Prozesses hatten Nebenklägervertreter von schweren Traumata ihrer Mandanten berichtet.

In dem Fall stehen auch Polizei und Jugendämter in der Kritik, weil sie Hinweisen auf den Hauptverdächtigen zunächst nicht nachgegangen sein sollen. Auch bei den Ermittlungen gab es Pannen, unter anderem verschwanden Beweismittel. Der nordrhein-westfälische Landtag hat deshalb einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Er soll die drei Themenbereiche Polizei und Staatsanwaltschaft, Jugendämter sowie den Umgang der Landesregierung mit dem Fall genauer beleuchten. Die nächste Sitzung ist für den 13. September geplant.

@ dpa.de