Unwetter, Verkehr

«Xavier» hat den Norden und Osten Deutschlands mit großer Wucht getroffen.

06.10.2017 - 12:24:06

Großes Aufräumen nach «Xavier» - Hauptstrecken der Bahn im Norden nach wie vor gesperrt. Wer allerdings dachte, mit dem Abzug des Sturmtiefs sei alles wieder gut, der irrt. Auch am Tag danach herrscht Chaos im Fernverkehr.

  • Aufräumarbeiten - Foto: Silas Stein

    Ein Feuerwehrmann räumt in Hannover Äste eines umgestürzten Baums von einer Straße. Foto: Silas Stein

  • Gestrandet - Foto: Gregor Fischer

    Fahrgäste stehen auf dem Hauptbahnhof in Berlin an einem Informationsschalter der Deutschen Bahn an. Foto: Gregor Fischer

  • Weltuntergangsstimmung - Foto: Weltuntergangsstimmung: Regen prasselt auf die Windschutzscheibe eines Autos in der Nähe von Paderborn. Foto: Friso Gentsch

    Weltuntergangsstimmung: Regen prasselt auf die Windschutzscheibe eines Autos in der Nähe von Paderborn. Foto: Friso Gentsch

  • Sturmtief Xavier - Foto: Ralf Hirschberger

    Mit voller Wucht: In Kleinmachnow in Brandenburg wehte das Sturmtief ein etwa 250 Kilo schweres Motorrad um. Foto: Ralf Hirschberger

  • Umgestürzt - Foto: Silas Stein

    Ein Arbeiter sägt auf dem Messeschnellweg bei Hannover einen Baum auseinander. Foto: Silas Stein

  • Absperrband - Foto: Paul Zinken

    Absperrband der Feuerwehr in Berlin. In der Hauptstadt hatte die Feuerwehr den Ausnahmezustand ausgerufen. Foto: Paul Zinken

  • Nach «Xavier» - Foto: Kay Nietfeld

    «Xavier» war da: Auf dem Ludwig-Kirch-Platz in Berlin ist ein Baum auf mehrere Autos gestürzt. Foto: Kay Nietfeld

  • Nichts geht - Foto: Maurizio Gambarini

    "Zug fällt aus" - vom Berliner Hauptbahnhof ging auch am Morgen nach dem Sturm immer noch nicht viel. Foto: Maurizio Gambarini

  • Nach Sturmtief Xavier - Foto: Maurizio Gambarini

    Warteschlange im Berliner Hauptbahnhof: Die Verbindungenm im Norden und Nordosten sind weiterhin massiv beeinträchtigt. Foto: Maurizio Gambarini

Aufräumarbeiten - Foto: Silas SteinGestrandet - Foto: Gregor FischerWeltuntergangsstimmung - Foto: Weltuntergangsstimmung: Regen prasselt auf die Windschutzscheibe eines Autos in der Nähe von Paderborn. Foto: Friso GentschSturmtief Xavier - Foto: Ralf HirschbergerUmgestürzt - Foto: Silas SteinAbsperrband - Foto: Paul ZinkenNach «Xavier» - Foto: Kay NietfeldNichts geht - Foto: Maurizio GambariniNach Sturmtief Xavier - Foto: Maurizio Gambarini

Berlin - Die Auswirkungen des heftigen Sturmtiefs «Xavier» haben Bahnreisenden am Freitag schwere Probleme bereitet. Der Bahnverkehr war auch am Tag nach dem Unwetter mit mehreren Toten massiv gestört.

Im Norden und Osten Deutschlands blieben die wichtigsten Fernverkehrsstrecken am Vormittag noch gesperrt, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Sieben Menschen hatte der Sturm am Donnerstag das Leben gekostet. Ein weiterer Mann starb nach NDR-Informationen in Mecklenburg-Vorpommern an einem Herzinfarkt, als ein Baum vor seinem Auto auf die Straße stürzte - unklar blieb, ob ein Zusammenhang mit «Xavier» besteht. Am Wochenende kann es im Nordosten entlang der Küsten und im Bergland erneut stürmische Böen geben.

Die Bundesregierung würdigte den großen Einsatz der Rettungskräfte. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer dankte in Berlin allen, «die in den Stunden des Orkans hart daran gearbeitet haben, die Verkehrsverbindungen aufrecht zu erhalten und Menschen zu helfen, die in Not geraten sind».

Betroffen äußerte sie sich über die hohe Zahl der Todesopfer: «Natürlich denken wir in diesen Stunden an die sieben Menschen, die auf tragische Weise in dem Orkan ihr Leben verloren haben, und an die Angehörigen, denen wir unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen.»

«Xavier» war am Donnerstag vor allem über den Norden und Osten hinweggefegt. Besonders schwer betroffen von dem Unwetter und den Folgen mit umgestürzten Bäumen waren Berlin, Brandenburg, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Vier Tote gab es allein in Brandenburg, weitere drei Menschen starben in Berlin, Hamburg und bei Schwerin.

Der Sturm legte den Fernverkehr lahm, Tausende Reisende strandeten in Bahnhöfen. Auch die öffentlichen Verkehrsnetze von Großstädten wie Berlin oder Hamburg waren stark beeinträchtigt. Während sich der Nahverkehr am Freitagmorgen langsam normalisierte, brauchten Reisende im Fernverkehr weiter viel Geduld.

Nach wie vor gesperrt waren unter anderem die Routen Berlin-Hannover, Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Berlin-Leipzig und Osnabrück-Hamburg. Aus Basel und München kommende ICE fuhren nicht bis Hannover, Hamburg oder Berlin, sondern nur bis Kassel-Wilhelmshöhe. Andere ICE aus dem Süden kehrten in Dortmund um, statt bis nach Bremen und Hamburg weiterzufahren.

Die Bahntrassen würden derzeit mit Hubschraubern abgeflogen, um festzustellen, wo der Sturm Schäden angerichtet hat, sagte eine Sprecherin am Vormittag. Außerdem seien überall fahrbare Hebebühnen unterwegs, um heruntergerissene Oberleitungen wieder instandzusetzen. Frühestens am Mittag könne die Bahn eine Prognose abgeben, wie es mit dem Zugverkehr weitergehe.

Die Nacht verbrachten viele Gestrandete in Hotels oder in einigen von der Bahn bereitgestellten Zügen. So standen zum Beispiel drei Übernachtungszüge in Kassel-Wilhelmshöhe, wo rund 1000 Reisende hängenblieben. Außerdem gab es sogenannte Hotelzüge auch in Berlin am Hauptbahnhof und an den Stationen Spandau und Südkreuz sowie an den Hauptbahnhöfen in Köln, Dortmund, Bielefeld, Düsseldorf, Leipzig, Hamburg und Hannover. Allein in Minden mussten 470 Fahrgäste die Nacht in mehreren Zügen am Bahnhof verbringen.

Mancherorts viel der Strom aus. Am Freitagmorgen waren in Westmecklenburg noch immer 10 000 Kunden ohne Strom. Am Donnerstag waren es zeitweise sogar 35 000 Menschen. Der Sturm entwurzelte zahlreiche Bäume, Ziegel fielen von Hausdächern. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr mussten auch am Freitag noch Straßen von umgestürzten Bäumen befreien.

In Mecklenburg-Vorpommern blieb der größte Landschaftspark, der Schlosspark Ludwigslust, gesperrt. «Xavier» habe zahlreiche Bäume entwurzelt, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebs für Bau und Liegenschaften am Freitag. In Sachsen warnte die staatliche Forstverwaltung vor dem Betreten der Wälder. «Der Aufenthalt kann lebensgefährlich sein», sagte ein Sprecher.

Der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bezeichnete «Xavier» im SWR als «Schnellläufer». «Das ist ein Sturm, der nicht unbedingt vorhersehbar ist. Dieses Tiefdruckgebiet heißt so, weil es dann wirklich extrem schnell ziehen kann mit 100 Stundenkilometern.» Beispiele dafür seien etwa der Sturm «Kyrill» aus dem Jahr 2007 oder «Lothar», der 2009 über West- und Mitteleuropa fegte.

Die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst rechneten für das Wochenende mit Schauern und einzelnen Gewitter. Am Freitag warnten sie vor stürmischen Böen vor allem an der Nordsee und im Bergland.

@ dpa.de

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