Leute, Monarchie

William und Kate reisen erstmals offiziell als Paar nach Deutschland.

19.07.2017 - 12:28:05

Royaler Besuch - Seelmann-Eggebert: Royale «Charmeoffensive» nach Brexit. Rolf Seelmann-Eggebert, der schon diverse royale Auftritte für das Fernsehen begleitet hat, wird auch diese Reise kommentieren. Er sieht in dem Besuch auch eine Reaktion auf den Brexit.

Hamburg - Wenn Prinz William und Herzogin Kate (beide 35) am Mittwoch (19. Juli) in Berlin ihren Deutschlandbesuch beginnen, sitzt er wieder im TV-Studio: Rolf Seelmann-Eggebert (80), seit Jahrzehnten Adelsexperte der ARD.

In Sondersendungen des Ersten wird er gemeinsam mit Mareile Höppner (40) den Besuch der Royals kommentieren. Für drei Tage reist William - der Enkel von Queen Elizabeth II. (91) - mit seiner Kate und den Mini-Royals George (3) und Charlotte (2) an. Berlin, Heidelberg und Hamburg stehen auf dem Programm.

«Es wird interessant sein zu sehen, wie die junge Generation auf die Deutschen wirkt - und umgekehrt», sagt Seelmann-Eggebert im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Welche Botschaft soll von dem Besuch ausgehen und worauf sind Sie selbst am meisten gespannt?

Antwort: «Für mich ist das eine Charmeoffensive, nachdem wir ja über die Briten etwas enttäuscht sind im Hinblick auf den Brexit. Das Königshaus entfaltet in diesem Jahr eine ganze Reihe von Initiativen - eine Reisetätigkeit, die wahrscheinlich durch die politische Situation mitbestimmt ist. Besonders gespannt bin ich darauf, wie die Deutschen auf die beiden reagieren. Wenn die Königin kommt, gibt es immer große Menschentrauben. Es wird interessant sein zu sehen, wie die junge Generation auf die Deutschen wirkt - und umgekehrt.»

Frage: Eigentlich wollten Kate und William ohne ihre beiden Kinder anreisen, nun kommen Prinz George und Prinzessin Charlotte doch mit. Was könnte die Pläne geändert haben?

Antwort: «So etwas lässt natürlich die Herzen im Gastland höher schlagen, jeder findet es schön, wenn die Kinder dabei sind. Ob sie mitkommen, hängt in vielen Fällen vom Programm ab. Denn die Kinder nur so in die Menge 'zu halten', ist kein großer Spaß für sie. Der andere Punkt ist einfach, wie es den Kindern gerade geht. Wenn sie gut drauf sind, wenn sie gesund sind, dann werden sie so eine Reise mitmachen können. Wenn sie kränklich sind, dann geht das eben nicht. Beim Besuch in Deutschland ist aber auf jeden Fall etwas für George und Charlotte dabei.»

Frage: Welche Stationen sind für Sie die interessantesten?

Antwort: «Sie haben sich das schon schön ausgesucht: Beide interessieren sich fürs Rudern, deswegen sind sie in Heidelberg bei einem Ruderboot-Rennen dabei. William war Hubschrauberpilot bei der Royal Air Force, in Hamburg präsentiert man ihm Hubschrauber bei Airbus. Es wird ein kindernahes Konzert in der Elbphilharmonie geben, das ist für die Kinder sicher ganz schön. Und die Gartenparty in Berlin - eine Geburtstagsfeier für die Königin, wie sie von allen britischen Botschaften und Konsulaten begangen wird - ist auch ein schönes gesellschaftliches Ereignis. Das Programm ist mit Liebe zusammengestellt.»

Frage: Wie erfüllen der Herzog und die Herzogin von Cambridge aus Ihrer Sicht ihre Aufgaben?

Antwort: «William und Kate machen ihre Sache sehr gut. Sie sind erst einmal lange in Ruhe gelassen worden, auf Veranlassung von Charles. William und Harry haben in ihrer Kindheit Schweres durchgemacht dadurch, dass sie ihre Mutter (Lady Diana) verloren haben. Ich glaube, das hat Charles dazu bewogen, zu sagen: 'Genießt euer Leben noch, solange ihr könnt. Lasst euch nicht zu sehr von den Repräsentationsaufgaben des Hofes auffressen.' Aber das ist jetzt zu Ende, durch den Rückzug von Prinz Philip aus der Öffentlichkeit zum Beispiel müssen zahlreiche Schirmherrschaften von Mitgliedern des Königshauses neu besetzt werden.»

Frage: Denken Sie, dass die Queen noch einmal nach Deutschland kommen wird?

Antwort: «Das halte ich für nicht sehr wahrscheinlich, denn dafür hat sie Charles gewissermaßen als Stellvertreter. Ich denke, dass sie ihre Reisen beschränken wird auf jene innerhalb des Vereinigten Königreiches, da wird sie weiterhin unterwegs sein. Aber sicherlich wird sie sich zum Beispiel auch keine langen Reisen wie nach Kanada oder Neuseeland mehr zumuten, auch wenn es wichtige Länder des Commonwealth sind. Das dürfte eher von der jüngeren Generation wahrgenommen werden. William, Harry und Kate werden sehr viel stärker in Erscheinung treten müssen.»

Frage: Halten Sie es für möglich, dass William eines Tages der direkte Nachfolger der Queen auf dem Thron wird?

Antwort: «Wenn die Queen länger lebt als Charles, dann ja. Ansonsten halte ich das nicht für möglich. Von einer Abdankung kann bei Charles, solange er so gesund ist wie er es jetzt ist, sicher nicht die Rede sein. Denn er ist letztendlich auch von Kindesbeinen an auf die Aufgabe vorbereitet worden wie seine Mutter auch. Er hat natürlich auch sehr viel mehr Erfahrung im königlichen Geschäft als die jüngere Generation und es täte dem Hause wahrscheinlich nicht gut, wenn Charles aus dem ein oder anderen Grunde das Amt selber nicht mehr übernehmen würde.»

ZUR PERSON: Rolf Seelmann-Eggebert ist Deutschlands bekanntester Adelsexperte. 1978 ging der ARD-Journalist erstmals als TV-Korrespondent und Studioleiter nach London, seitdem hat er sich in zahlreichen Sendungen und Dokumentationen mit den englischen Royals ebenso wie mit anderen Königshäusern befasst. Er ist Träger des Ordens «Commander of the British Empire (CBE)» und Ehrenmitglied der Deutsch-Britischen Gesellschaft. In Hamburg betreibt er mit Sohn Florian die TV-Produktionsfirma Seelmann Film. Vom Brexit-Votum fühlt er sich «persönlich düpiert».

@ dpa.de

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