Menschenrechte, Kriminalität

Wie starb der saudische Journalist Jamal Khashoggi? Für Beobachter ist klar, dass die Türkei schon seit Wochen genau weiß, was im Konsulat in Istanbul passiert ist.

10.11.2018 - 17:02:06

Druck auf Saudi-Arabien - Erdogan: Aufnahmen zu Khashoggis Tod wurden weitergegeben. Ankara gab offenbar brisante Aufnahmen an westliche Regierungen weiter.

Istanbul - Die Türkei hat Aufnahmen im Zusammenhang mit der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi mit einer Reihe von Ländern geteilt - darunter auch Deutschland.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Ankara, die Informationen seien auch an die USA, Frankreich, Großbritannien und Saudi-Arabien weitergegeben worden. «Sie haben die (aufgezeichneten) Gespräche gehört und kennen sie», sagte Erdogan vor einer Reise nach Paris.

Der im Exil lebende saudische Regierungskritiker Khashoggi wurde Anfang Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht, in dem er Dokumente für seine Hochzeit abholen wollte. Unter immensem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gab die autokratische Regierung in Riad schließlich den Tod des «Washington Post»-Kolumnisten zu.

Riad beschuldigte dabei hochrangige Regierungsmitarbeiter, ein 15-köpfiges Spezialteam zur Ausführung der Tat auf eigene Faust losgeschickt zu haben. Damit wollte die Führung offenbar den mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman und auch König Salman aus der Schusslinie nehmen. Diese hätten von dem Plan nichts gewusst. Die Version wurde international als wenig glaubwürdig angezweifelt.

Riad müsse herausfinden, wer von den Mitgliedern des Spezialteams, die in Saudi-Arabien festgenommen wurden, der Täter gewesen sei, sagte Erdogan. Der Mörder sei sicher unter den Verhafteten. «Es gibt keinen Grund, woanders nach ihnen zu suchen.» In einem Kommentar für die «Washington Post» hatte Erdogan zuletzt gesagt, der Befehl zur Tötung des Dissidenten sei «von den höchsten Ebenen der saudischen Regierung» gekommen.

Die türkische Regierung erhöht in der Affäre damit ein weiteres Mal den Druck auf Riad. Mit der Strategie stückweise verbreiteter - teilweise durchgestochener - Informationen hatte Ankara Riad in den vergangenen Wochen in die Defensive gezwungen.

Beobachter betrachten vor allem das Verhalten von US-Präsident Donald Trump als ausschlaggebend für die Aufklärung des Falls. Trump hatte sich unter anderem mit Verweis auf lukrative Waffengeschäfte mit Riad bislang nicht zu Sanktionen gegen seinen Verbündeten entschieden. Trump reiste am Samstag ebenfalls zu einem Besuch nach Paris. Dort könnte es nach Angaben Erdogans zu einem bilateralen Treffen beider Präsidenten kommen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Webseite veröffentlicht Zitate vom Mord an Khashoggi. Auf den Bändern sei zu hören, wie Khashoggi ruft: «Lass meinen Arm los, was denken Sie, was Sie da tun», heißt es in dem Bericht des Mediums «Habertürk», der sich auf Sicherheitskreise beruft. Türkischen Quellen zufolge soll ein aus Saudi-Arabien angereistes 15-köpfiges Spezialkommando Khashoggi getötet und seine Leiche beseitigt haben. Istanbul - Sieben Wochen nach dem Mord am regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Landes hat eine türkische Webseite die ersten Zitate aus den türkischen Aufnahmen von der Tat veröffentlicht. (Politik, 20.11.2018 - 13:50) weiterlesen...

Saudi-Arabien weist Vorwürfe gegen Kronprinzen zurück. «Wir im Königreich wissen, dass solche Behauptungen gegen den Kronprinzen völlig falsch sind», sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubair der von Saudi-Arabien finanzierten Tageszeitung «Al-Sharq al-Awsat». Die «Washington Post» hatte unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe Mohammed bin Salman als Drahtzieher hinter dem gewaltsamen Tod Khashoggis in Istanbul. Riad - Saudi-Arabien hat Berichte über eine Verstrickung von Kronprinz Mohammed bin Salman in die Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi zurückgewiesen. (Politik, 20.11.2018 - 10:02) weiterlesen...

«Rote Linie» - Saudi-Arabien weist Vorwürfe gegen Kronprinzen zurück Riad - Saudi-Arabien verwahrt sich gegen die angebliche Einschätzung des US-Auslandsgeheimdiensts CIA, Thronfolger Mohammed bin Salman habe die Ermordung des Regierungskritikers Jamal Khashoggi angeordnet. (Politik, 20.11.2018 - 06:50) weiterlesen...

Auch Frankreich plant Strafmaßnahmen gegen Saudi-Arabien. Frankreich stimme mit Deutschland überein und werde schnell über eine gewisse Zahl von Sanktionen entscheiden, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian. Sieben Wochen nach der Tötung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hatte Deutschland mit 18 Einreiseverboten für saudische Tatverdächtige und einem vollständigen Rüstungsexportstopp reagiert. Le Drian sagte, man müsse über Sanktionen hinausgehen: Die gesamte Wahrheit müsse bekannt werden. Paris - Nach Deutschland plant auch Frankreich Strafmaßnahmen gegen Saudi-Arabien. (Politik, 19.11.2018 - 23:46) weiterlesen...

Khashoggi-Affäre: Kronprinz nimmt am G20-Gipfel teil. Die Teilnahme des Kronprinzen erfolge im Rahmen einer Auslandsrundreise, zitiert der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtensender Al-Arabija den saudischen Energieminister Chalid al-Falih. Mohammed bin Salman steht unter Verdacht, Drahtzieher des Mordes an dem saudischen Journalisten Dschamal Khashoggi gewesen zu sein. Riad - Der in der Khashoggi-Affäre unter Druck geratene saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird sein Land beim G20-Gipfel in Argentinien vertreten. (Politik, 19.11.2018 - 20:48) weiterlesen...

Bundesregierung verhängt Einreiseverbote und Rüstungsstopp. Bei den von dem Einreiseverbot betroffenen Personen handelt es sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes um das mutmaßliche 15-köpfige Mordkommando sowie um drei weitere Personen. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman gehört allerdings nicht dazu. Als weitere Sanktion gegen Saudi-Arabien hat die Bundesregierung die Rüstungsexporte in den Wüstenstaat nun komplett gestoppt. Berlin - Sieben Wochen nach der Tötung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat Deutschland mit 18 Einreiseverboten für saudische Tatverdächtige und einem vollständigen Rüstungsexportstopp reagiert. (Politik, 19.11.2018 - 19:10) weiterlesen...