Stephan Balliet, Franziska Weidinger

Wie konnte der rechtsextreme Attentäter zwei Mitarbeiter im Gefängnis in Gewalt bringen? Der Vorfall beschäftigt heute auch den Magdeburger Landtag.

14.12.2022 - 10:35:06

Halle-Attentäter von Ermittlern vernommen. Auch eine Verlegung in ein anderes Bundesland ist im Gespräch.

Nach der Geiselnahme in der JVA Burg (Sachsen-Anhalt) ist der Halle-Attentäter bereits am Dienstag von den Ermittlern vernommen worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen am Mittwoch. Ob sich der Gefangene zum Vorfall geäußert hat, ist bislang unbekannt.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg übernimmt nun die Ermittlungen. Das hänge auch mit der Bedeutung des Falles zusammen, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch. Weitere Angaben zu dem Vorfall in der JVA in Burg (Jerichower Land) vom Montagabend wollte der Sprecher zunächst nicht machen. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

Am Montagabend hatte der rechtsextreme Halle-Attentäter zeitweise zwei Bedienstete in der JVA Burg in seine Gewalt gebracht. Der 30-Jährige wurde durch weitere Justizvollzugsbedienstete im Innenbereich des Gefängnisses überwältigt.

Beratung über Verlegung in anderes Bundesland

Der Halle-Attentäter ist derzeit weiter in einem besonders gesicherten Haftraum in der JVA Burg untergebracht. Über eine Verlegung des Gefangenen in ein anderes Bundesland soll heute erneut beraten werden.

Mittwochmittag kommt in Magdeburg der Rechtsausschuss im Landtag zu einer Sondersitzung zusammen. Dabei dürfte erneut thematisiert werden, inwiefern bei der Geiselnahme ein Gegenstand zum Einsatz kam, mit dem der Gefangene die Bediensteten bedroht haben soll. Am Dienstag hatte Sachsen-Anhalts Justizministerin Franziska Weidinger (CDU) gesagt, sie könne dazu noch keine detaillierten Angaben machen. Gesicherte Erkenntnisse lägen ihr noch nicht vor.

Der Halle-Attentäter war im Dezember 2020 zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Er hatte am 9. Oktober 2019, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen und ein Massaker anzurichten. Als es ihm nicht gelang, auf das Gelände zu kommen, ermordete er vor der Synagoge eine 40 Jahre alte Passantin und in einem nahe gelegenem Döner-Imbiss einen 20-Jährigen. Auf der Flucht verletzte er weitere Menschen.

@ dpa.de