Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Gesundheit, Krankheiten

Wie kann eine neue Katastrophe nach dem Muster der Corona-Pandemie verhindert werden? Mit einem eigenen UN-Vertrag, glauben Deutschland und andere Länder.

22.05.2021 - 12:14:06

UN-Vertrag - Wie die WHO eine neue Pandemiegefahr bannen will. Der Weg ist aber steinig.

Genf - Was mit der Corona-Pandemie über die Welt hereingebrochen ist, lässt manchen am Sinn der Vereinten Nationen zweifeln.

Was bringt es, wenn Diplomaten und Politiker jahrelang die internationale Kooperation beschwören und feierliche Vereinbarungen verabschieden? Wenn das am Ende eine globale Tragödie mit Millionen Toten, neuer Armut und beispiellosen Wirtschaftseinbrüchen nicht verhindert? Wenn ein erbarmungsloses nationales Gezerre um Gesichtsmasken und Impfstoffe einsetzt, bei dem die Ärmsten auf der Strecke bleiben?

So etwas soll sich nicht wiederholen - deshalb wollen Deutschland und rund zwei Dutzend andere Länder auf der virtuellen Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ab Pfingstmontag (24. Mai) den Startschuss für Verhandlungen über einen internationalen Pandemievertrag geben. Da fragen Skeptiker: Noch so ein Papiertiger? Kann das Menschenleben retten? Es wäre ein großer Puzzlestein, sind Befürworter überzeugt.

«Es wird weitere Pandemien und andere schwere Gesundheitskrisen geben», warnten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehr als zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs Ende März. «Gemeinsam müssen wir besser darauf vorbereitet sein, (...) Pandemien vorherzusehen, zu verhindern, zu erkennen, zu bewerten und wirksam darauf zu reagieren. Die Covid-19-Pandemie hat uns schonungslos und schmerzhaft vor Augen geführt, dass niemand sicher ist, bis alle sicher sind.»

Deutschland ist in der Pandemie zu einer Art WHO-Champion geworden: Kein Land hat seine Beiträge so deutlich erhöht. Für das WHO-Budget 2020-21 überweist Berlin umgerechnet rund 900 Millionen Euro, fast vier mal so viel wie in den zwei Jahren davor. Deutschland ist vom fünftgrößten zum mit Abstand größten Geldgeber geworden. Mit 30 Prozent weniger liegt die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung nach heutigem Stand dahinter, wie ein WHO-Budgetanalyst sagt.

In Berlin entsteht auch ein WHO-Pandemie-Frühwarnzentrum, das Deutschland mit 30 Millionen Euro fördert. Darin sollen Supercomputer Unmengen von Daten zu Krankheiten bei Tier und Mensch aus aller Welt analysieren. So soll schon vor Ausbruch einer Pandemie beim kleinsten Anzeichen für eine mögliche Gefährdung Alarm geschlagen werden.

Eines der Ziele des Pandemievertrags wäre es, dass alle Länder auch mitmachen beim Datenaustausch. Labors könnten darin auch zu mehr Transparenz verpflichtet werden. «Wenn sich die Länder darauf einlassen, dass Labors alle zwei Jahre von einer Kommission besucht werden, schafft das Vertrauen, und man kann im Notfall auf Kontakte zurückgreifen», sagt Professorin Ilona Kickbusch von der Genfer Universität Graduate Institut, die lange bei der WHO war. Unwürdige Schlammschlachten um knappe Schutzausrüstung oder Impfstoffe sollen künftig vermieden werden, indem die lokale, regionale und weltweite Produktion der Materialien angekurbelt wird.

Damit es nicht bei frommen Worten bleibt, ist ein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag geplant: wer mitmacht, muss sich daran halten. Künftig könnten es sich dann eigentlich nur Schurkenstaaten leisten, dagegen zu verstoßen - und müssten wohl internationale Ächtung in Kauf nehmen.

Das erschreckt wohl einige der 194 WHO-Mitglieder. «Wir sehen schon, dass einige Länder so etwas verhindern wollen», sagt ein Diplomat in Genf. Das Länder international in die Pflicht genommen werden - das ist für manche ein rotes Tuch. Aufseiten der Bremser werden Russland und Brasilien genannt, ebenso die USA.

Eine WHO-Expertenkommission unter Leitung von Lothar Wieler, dem Chef des Robert Koch-Instituts, hat vorgeschlagen, in dem Vertrag die schnelle Entsendung eines WHO-Teams zum Ausbruchsort einer Pandemie zu verankern. Doch in Peking lässt schon der Ausdruck «unabhängige Untersuchung» Alarmglocken schrillen. Dort besteht man auf «einvernehmlichen Untersuchungen», nichts soll ohne Zustimmung der Regierungen gehen. Weil das bislang Usus ist, konnte Peking die WHO-Untersuchung zum Ursprung der Corona-Pandemie erst monatelang hinauszögern und dann bestimmen, was die Experten zu sehen bekamen und was nicht.

Ein Pandemievertrag macht voraussichtlich nur bei breiter Unterstützung Sinn, es bräuchte sicher deutlich mehr als die Hälfte der 194 WHO-Mitgliedsländer. «Wir stellen uns darauf ein, dass wir ein paar dicke Bretter bohren müssen», sagt ein Diplomat aus einem Befürworterland. Vorbild ist das 2005 in Kraft getretene «Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs». Erst belächelt, haben sich inzwischen rund 180 Länder angeschlossen. Er ist damit «einer der meistbeachteten Verträge in der UN-Geschichte», wie die WHO stolz sagt.

© dpa-infocom, dpa:210522-99-700354/2

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Olympische Spiele - Keine Geisterspiele: Tausende japanische Fans bei Olympia. Bis zu 10.000 japanische Zuschauer sollen bei jedem Wettkampf dabei sein dürfen. Der Beschluss steht aber unter Vorbehalt. Die Olympia-Macher von Tokio wollen Geisterspiele vermeiden. (Sport, 21.06.2021 - 10:48) weiterlesen...

Olympische Spiele - Olympia-Macher wollen bis zu 10.000 Zuschauer zulassen Tokio - Trotz der andauernden Corona-Pandemie wollen Japans Olympia-Organisatoren bis zu 10.000 einheimische Zuschauer bei allen Wettkämpfen der Sommerspiele in Tokio zulassen. (Sport, 21.06.2021 - 10:34) weiterlesen...

Corona-Pandemie in Deutschland - Erstmals seit August weniger als 500 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht. Das Robert Koch-Insitut registriert 346 neue Corona-Fälle - der niedrigste Wert seit zehn Monaten. (Politik, 21.06.2021 - 05:42) weiterlesen...

Coronavirus - Sorge wegen Delta-Variante - Intensivmediziner optimistisch. Politiker und Experten warnen - doch es gibt auch verhaltenen Optimismus. Die möglicherweise gefährlichere Delta-Variant des Coronavirus könnte auch in Deutschland bald vorherrschend sein. (Politik, 21.06.2021 - 05:06) weiterlesen...

Studie - Distanzunterricht unergiebig - Debatte über Einschränkungen. Eine Studie stellt dem Distanzunterricht derweil miserable Noten aus. Gesundheitsminister Spahn erntet Widerspruch für seine Aussage, dass auch im kommenden Schuljahr Wechselunterricht möglich sei. (Politik, 21.06.2021 - 04:38) weiterlesen...

Europameisterschaft - Fußballfest in München zwischen Freude und Corona-Verstößen. Dabei ignorieren sehr viele die Regeln. Der erste Sieg der deutschen Elf bei der Fußball-EM wird ordentlich gefeiert - von Tausenden bei Public Viewings und Tausenden im Münchner Stadion. (Sport, 20.06.2021 - 15:44) weiterlesen...