Konflikte, Frankreich

Werden die USA und Frankreich Syrien angreifen? Die Stimmung der Menschen in Damaskus schwankt zwischen Angst und Gelassenheit.

13.04.2018 - 17:42:06

Russland beschuldigt London - Syrien macht sich auf US-Angriff gefasst. Nun wartet die Öffentlichkeit gespannt auf eine Untersuchung der OPCW. Moskau schiebt die Verantwortung für den mutmaßlichen Giftgasangriff derweil Großbritannien zu.

  • Rakete - Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

    Eine Rakete der syrischen Armee steigt in Ost-Ghuta in den Himmel. Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

  • Mutmaßlicher Giftgasangriff - Foto: AP

    Dieses vom Syrischen Zivilschutz zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt einen Sanitäter, der ein Kleinkind medizinisch versorgt. Foto: AP

  • Konflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

    Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf. Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

  • Tomahawk - Foto: U.S. Navy/Leah Stiles/Released

    Start eines Cruise Missile vom Typ Tomahawk. Foto: U.S. Navy/Leah Stiles/Released

  • Tomahawk-Start - Foto: Eine Tomahawk-Rakete startet von einem US-Kriegsschiff. Foto: US Navy

    Eine Tomahawk-Rakete startet von einem US-Kriegsschiff. Foto: US Navy

  • Konflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

    Syrische Soldaten patrouillieren durch die Straßen des Ortes in Ost-Ghuta. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff hat sich die Krise um den Bürgerkrieg in Syrien dramatisch zugespitzt. Foto: Ammar Safarjalani/XinHua

  • Duma - Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/AP

    Ein Junge holt im syrischen Duma durch ein Beatmungsgerät Luft. Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/AP

  • Russische Militärpolizei sichert Duma - Foto: Monsef Memeri/Xinhua

    Mitglieder der russischen Militärpolizei sichern in Duma, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, auf einer Straße. Foto: Monsef Memeri/Xinhua

Rakete - Foto: Ammar Safarjalani/XinHuaMutmaßlicher Giftgasangriff - Foto: APKonflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHuaTomahawk - Foto: U.S. Navy/Leah Stiles/ReleasedTomahawk-Start - Foto: Eine Tomahawk-Rakete startet von einem US-Kriegsschiff. Foto: US NavyKonflikt in Syrien - Foto: Ammar Safarjalani/XinHuaDuma - Foto: Syrian Civil Defense White Helmets/APRussische Militärpolizei sichert Duma - Foto: Monsef Memeri/Xinhua

Damaskus - Die Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einem Militärschlag hat in Syrien Alarmbereitschaft und in Russland harsche Reaktionen ausgelöst. Aus regierungsnahen Kreisen in Damaskus hieß es, viele staatliche und militärische Einrichtungen in der Hauptstadt seien alarmiert worden.

Ein dpa-Reporter meldete, in den vergangenen Tagen habe der Verkehr deutlich abgenommen. Manche trauten sich nachts nicht mehr auf die Straße, weil sie davon ausgingen, dass eine Bombardierung zu dieser Zeit erfolgen werde, berichtete ein Bewohner.

Syriens enger Partner Russland warnte die USA vor «unüberlegten Schritten». Washington dürfe die Welt nicht mit Signalen zu einem möglichen Angriff in Syrien in Unruhe versetzen, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow. «Wir sind der Meinung, dass die USA in dieser Situation eine deutlich konstruktivere Rolle spielen könnten», sagte der Diplomat der Agentur Interfax zufolge.

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch mit einem Angriff auf syrische Stellungen gedroht. Washington macht die syrische Regierung für den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen bei Kämpfen um die Stadt Duma verantwortlich. Damaskus und Moskau dementieren dies und argumentieren, es gebe keine Beweise.

Nach russischer Darstellung soll London den mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma inszeniert haben. «Wir haben Beweise, dass Großbritannien an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta direkt beteiligt ist», sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag in Moskau. Es gebe Material, das dies bestätigen würde, sagte er der Agentur Tass zufolge. Details nannte er nicht.

Das Weiße Haus hatte am Donnerstag erklärt, eine Entscheidung über einen Militäreinsatz sei noch nicht gefallen. Zunächst sollten weitere Geheimdiensterkenntnisse ausgewertet werden.

Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) . Sie sollen herausfinden, ob in der von Rebellen kontrollierten Stadt Chemiewaffen eingesetzt wurden. Ihr Auftrag lautet jedoch nicht, die Verantwortlichen zu ermitteln. Bei dem Giftgasangriff auf Duma in Ost-Ghuta sollen am vergangenen Samstag nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen getötet worden sein.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies die Anschuldigungen entschieden zurück. «Wir haben unwiderlegbare Informationen, dass dies eine neuerliche Inszenierung von Geheimdiensten eines Staates war, der sich darum reißt, in der ersten Reihe der russophoben Kampagne zu stehen», sagte er.

Russland wirft vor allem den USA vor, antirussische Stimmung zu schüren. Russische Spezialisten hätten bei ersten Untersuchungen in Duma keine Hinweise auf Chemiewaffen gefunden, teilte die russische Botschaft in London mit.

Mit Blick auf die US-Drohungen betonte Lawrow Russlands Willen zur Deeskalation. Die militärischen Kommunikationskanäle zwischen Moskau und Washington seien intakt, sagte er.

Als Option für eine US-Reaktion gelten Raketenangriffe auf ein Objekt oder mehrere ausgewählte Ziele in Syrien. Heikel daran wäre, dass dort stationierte russische Truppen getroffen werden könnten.

Vor dem Verteidigungsausschuss des US-Repräsentantenhauses deutete US-Verteidigungsminister James Mattis an, seine Regierung prüfe eine Reaktion, die sowohl eine Eskalation in der Region verhindere als auch wegen des angeblichen Giftgasangriffs eine deutliche Botschaft an Syriens Machthaber Baschar al-Assad sende. «Wir versuchen, den Mord an unschuldigen Menschen zu beenden», sagte Mattis US-Medien zufolge. «Aber auf einer strategischen Ebene geht es darum, wie wir verhindern, dass das außer Kontrolle gerät, wenn Sie mich verstehen.»

In Syrien hatten die Streitkräfte bereits in den vergangenen Tagen begonnen, sich zum Schutz vor einem Angriff von Stützpunkten zurückzuziehen. Ein 29-Jähriger aus Damaskus mit dem Namen Ibrahim berichtete, die Menschen in der Hauptstadt lebten wegen der Drohungen in Sorge und Angst. Andere zeigten sich gelassener. Ein Student sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sei nicht besorgt, weil Trumps Vorwürfe auf «Lügen und konstruierten Nachrichten» basierten: «Mein Alltagsleben geht normal weiter.»

Auch Frankreich, Großbritannien und beobachten die Lage in Syrien aufmerksam. Präsident Emmanuel Macron beriet in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin darüber, durch engere Abstimmung «Frieden und Stabilität» in Syrien schaffen zu wollen. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte wegen der Krise Arbeitsbesuche in Albanien und Slowenien ab.

US-Präsident Trump telefonierte in der Nacht zum Freitag mit der britischen Premierministerin Theresa May. In einer Mitteilung der Downing Street hieß es, Trump und May seien sich einig, dass der Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Militär «nicht unbeantwortet» bleiben könne und dass ein weiterer Einsatz von Chemiewaffen verhindert werden müsse.

Nach Einschätzung von Bundesaußenminister Heiko Maas wägen die USA, Frankreich und Großbritannien die möglichen Risiken eines Militärschlags genau ab. Dass es derzeit eine intensive Abstimmung gebe, sei ein Hinweis darauf, dass man sehr verantwortungsvoll mit dieser Situation umgehe und keine Eskalationsspirale in Gang setzen wolle, sagte der SPD-Politiker.

Aus Russland kam scharfe Kritik an Berlin und Paris. Deutschland und Frankreich würden sich außenpolitisch zu stark nach den USA richten, kommentierte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Früher habe Europa noch eine eigene Stimme gehabt. «Jetzt hat sie aber nur noch den Part des Backgroundsängers», schrieb sie.

@ dpa.de

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