Menschenrechte, Medien

Washington - Nach der mutmaßlichen Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi kämpft seine Familie mit der quälenden Ungewissheit, was wirklich im saudischen Generalkonsulat in Istanbul geschah.

05.11.2018 - 12:40:06

Riad verspricht Aufklärung - Khashoggi-Söhne fordern Leichnam ihres Vaters

  • Jamal Khashoggi - Foto: Hasan Jamali/AP

    Die Söhne des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi fordern eine würdige Beerdigung ihres Vaters in der für Muslime heiligen Stadt Medina: das sei «alles, was wir jetzt wollen», sagte Salah Khashoggi im CNN-Interview. Foto: Hasan Jamali/AP

  • Khashoggi-Söhne - Foto: SPA

    König Salman bin Abdulaziz Al Saud (2.v.r) von Saudi-Arabien und Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud (r.) sprechen Sahl Khashoggi (2.v.l) und Salah Khashoggi ihr Beileid aus. Foto: SPA

Jamal Khashoggi - Foto: Hasan Jamali/APKhashoggi-Söhne - Foto: SPA

«Ich warte einfach darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kommen», sagte Khashoggis Sohn Salah in einem am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichten CNN-Interview. Sein Bruder Abdullah sagte dem US-Sender: «Was auch immer ihm zugestoßen ist, ich hoffe wirklich, dass es nicht schmerzhaft für ihn war - oder zumindest schnell ging. Oder dass er einen friedlichen Tod starb.»

Bisherige Berichte und Behördenerklärungen zum Schicksal Khashoggis geben dieser Hoffnung wenig Nahrung. Eindeutig fest steht nur, dass er am 2. Oktober in das Konsulat in Istanbul ging, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen - und danach nicht mehr auftauchte.

Die saudische Staatsführung präsentierte unterschiedliche Erklärungen zu seinem Verschwinden und erst nach Wochen die Version, der Regierungskritiker sei im Konsulat umgebracht worden. Laut der türkischen Justiz wurde Khashoggi kurz nach Betreten des Konsulats erwürgt, seine Leiche zerstückelt und dann «vernichtet». Zuvor hatten türkische Ermittler von einer Folterung Khashoggis durch ein eigens aus Saudi-Arabien angereistes Spezialkommando gesprochen.

Eine würdige Beerdigung ihres Vaters in der für Muslime heiligen Stadt Medina sei «alles, was wir jetzt wollen», sagte Salah Khashoggi im CNN-Interview. «Ich habe darüber mit den saudischen Behörden gesprochen und hoffe einfach, dass es bald dazu kommt.» Der saudische König Salman habe betont, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. «Und ich vertraue darauf. Das wird passieren. Ansonsten hätten die Saudis keine interne Untersuchung eingeleitet.»

Gut vier Wochen nach Khashoggis Tod muss die Regierung von Saudi-Arabien heute vor dem Menschenrechtsrat in Genf Rede und Antwort stehen. Es geht um eine Prüfung der Menschenrechtslage, wie sie alle Länder regelmäßig durchlaufen müssen. Der Termin stand lange vor der Ermordung Khashoggis im saudischen Konsulat in Istanbul fest.

Das Land berichtet vor dem Rat über seine Fortschritte in Sachen Menschenrechte. Die anderen Länder können anschließend Fragen stellen und den Fall Khashoggi dabei zur Sprache bringen. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hatte vor wenigen Tagen Zweifel an einer unabhängigen saudischen Untersuchung genährt und die Beteiligung internationaler Experten gefordert.

@ dpa.de