Fußball, Bundesliga

Was für ein Finale.

21.05.2017 - 13:30:07

Fußball-Dramen - Furioser Schlussakt der 54. Bundesliga-Saison. Mit einem höchst unterhaltsamen letzten Spieltag untermauerte die Fußball-Bundesliga ihren Ruf als Premiumprodukt des deutschen Sports. Abgesehen von der anhaltenden Bayern-Dominanz gab es in der Tabelle viel Bewegung.

  • Gomez - Foto: Christian Charisius

    Wolfsburg muss in die Relegation. Foto: Christian Charisius

  • Pierre-Emerick Aubameyang - Foto: Bernd Thissen

    Pierre-Emerick Aubameyang traf gegen Bremen doppelt. Mit 31 Toren ist der BVB-Stürmer erstmals Bundesliga-Torschützenkönig. Foto: Bernd Thissen

  • Julian Nagelsmann - Foto: Uwe Anspach

    Der Macher des Erfolgs in Hoffenheim: Julian Nagelsmann. Hoffenheim beendet die Saison auf den vierten Rang. Foto: Uwe Anspach

  • Jubel - Foto: Angelika Warmuth

    Lahm ließ sich minutenlang von seinen Fans feiern. Foto: Angelika Warmuth

  • Abgerockt - Foto: Carmen Jaspersen

    Lewis Holtby tanzt auf dem Dach der Mannschaftsbank und feiert mit den HSV-Fans den Klassenerhalt. Foto: Carmen Jaspersen

  • Wolfsburg - Foto: Axel Heimken

    Wolfsburg muss in die Relegation. Foto: Axel Heimken

  • Party! - Foto: Angelika Warmuth

    Die Mannschaft des FC Bayern München feiert den Titel auf dem Rathaus-Balkon. Foto: Angelika Warmuth

Gomez - Foto: Christian CharisiusPierre-Emerick Aubameyang - Foto: Bernd ThissenJulian Nagelsmann - Foto: Uwe AnspachJubel - Foto: Angelika WarmuthAbgerockt - Foto: Carmen JaspersenWolfsburg - Foto: Axel HeimkenParty! - Foto: Angelika Warmuth

Düsseldorf - Drama in Hamburg, Spektakel in Dortmund, Jubelorgie in Köln, Abschiedstränen in München - die 54. Bundesliga-Saison ist furios zu Ende gegangen.

Vor allem der scheinbar unabsteigbare HSV trug zum mitreißenden Schlussakt bei. Der späte Treffer des erst kurz zuvor eingewechselten Luca Waldschmidt zum 2:1 über Wolfsburg bewahrte den Liga-Dino vor der dritten Relegation in vier Jahren. Stattdessen müssen die noch 2015 nach Pokalsieg und Vizemeisterschaft als Bayern-Verfolger gehandelten «Wölfe» um den Klassenverbleib bangen. Torjäger Mario Gomez schob mächtig Frust: «Wir haben es als Mannschaft nicht geschafft und jetzt das bekommen, was wir verdient haben - eine Extrarunde.»

Die Rettungsparty der Hamburger Fans fiel emotionaler aus als die Meisterfeier der Münchner. Bei der fast schon zur Gewohnheit gewordenen Titelsause des FC Bayern stand Philipp Lahm im Mittelpunkt. Zum letzten Mal war der 33-Jährige als Bayern-Kapitän mit der Schale in der Hand zu sehen. «Es ist für mich immer etwas Besonderes, hier oben zu stehen. Ich möchte mich bei jedem Einzelnen bedanken für die unglaubliche Unterstützung», sagte der sichtlich bewegte und nach anderthalb Jahrzehnten im Profifußball scheidende Musterprofi vor tausenden Fans auf dem Marienplatz.

Hoch her ging es zudem in Dortmund und Köln. Mit einem spektakulären 4:3 über Bremen erreichte der BVB sein wichtigstes Saisonziel und kann als Dritter auch für die kommende Spielzeit mit Champions-League-Millionen planen. Ob Trainer Thomas Tuchel und der neue Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang dann noch dazu gehören, bleibt offen. Im rund 90 Kilometer entfernten Köln wurde die erste Europapokal-Teilnahme seit 25 Jahren nach dem 2:0 über Mainz mit reichlich Kölsch begossen. «Das ist ein neuer Feiertag für den Kölner Kalender: Weihnachten, Geburtstag und Silvester auf einmal», befand Kapitän Matthias Lehmann.

Der Tabellensechste Hertha BSC und der Siebte SC Freiburg werden zu BVB-Sympathisanten. Wenn der Revierclub am Samstag das Pokalfinale gegen Frankfurt gewinnt, qualifizieren sich die Berliner direkt für die Europa League. Das wohl größte Überraschungsteam der Saison aus dem Breisgau könnte es in diesem Fall über die Qualifikationsspiele in den Wettbewerb schaffen: «Platz sechs hört sich gut an. Aber nach diesem Spiel kann man sich nicht so recht freuen. Die direkte Qualifikation für Europa liegt jetzt in anderen Händen», klagte Hertha-Profi Marvin Plattenhardt nach der bitteren 2:6-Heimschlappe gegen Leverkusen, mit der Platz fünf verspielt wurde.

Es gehört zu den Besonderheiten dieser Spielzeit, dass die Machtverhältnisse der vergangenen Jahre durcheinander gerieten - mit Ausnahme der Bayern-Dominanz. So gingen die als Champions-League- Aspiranten gehandelten Team aus Leverkusen, Mönchengladbach und Gelsenkirchen bei der Vergabe der internationalen Startplätze leer aus. Stattdessen stießen mit Hoffenheim und Leipzig zwei von steinreichen Mäzenen alimentierte Clubs erstmals in die Phalanx vor. Allerdings droht den Hoffenheimern aufgrund ihres schlechten Koeffizienten in der Königsklassen-Qualifikation am 15./16. und 22./23. August ein schwerer Gegner.

Dieser Umweg bleibt den Leipzigern dagegen erspart. 13 Spieltage ohne Niederlage ebneten den Weg auf Rang zwei. So viele Partien war zuvor noch kein Aufsteiger in der Ligahistorie ungeschlagen geblieben.

Insgesamt neun Trainerwechsel zeugen von einer unruhigen Saison, gleich zwei davon gab es beim VfL Wolfsburg. Gehen mussten Viktor Skripnik (Bremen), Bruno Labbadia (HSV), Dieter Hecking (Wolfsburg), Markus Kauczinski (Ingolstadt), Norbert Meier (Darmstadt), Dirk Schuster (Augsburg), André Schubert (Mönchengladbach), Valérien Ismaël (Wolfsburg) und Roger Schmidt (Leverkusen). Dazu mussten mit Dietmar Beiersdorfer (Hamburg) und Klaus Allofs (Wolfsburg) auch zwei prominente Manager vorzeitig gehen.

Mit 875 Toren fielen neun Treffer mehr als in der vorigen Saison. Vom Bestwert aus der Spielzeit 1983/84 (1097) blieben die 18 Teams aber ein gutes Stück entfernt.

@ dpa.de

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