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Fußball, EM

Was für ein Achtelfinale.

29.06.2021 - 13:36:08

Fußball-EM - Schweizer feiern den «Wahnsinn» von Bukarest. Die Schweiz erzwingt gegen Weltmeister Frankreich nach Rückstand die Verlängerung. Im Elfmeterschießen wird ein Bundesliga-Torwart zum Helden.

  • Schweizer Fans - Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa

    Schweizer Fans feiern in der Z?richer Innenstadt. Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa

  • Jubel - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

    Der Schweizer Torwart Yann Sommer (M) jubelt mit seinen Mannschaftskollegen nach dem Sieg. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Schweizer Fans - Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpaJubel - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Bukarest - Daheim in der Schweiz tanzten und sangen schon Hunderte Fans in rot-weißen Trikots auf den Straßen, als Granit Xhaka in Bukarest eine Warnung an den kommenden Gegner schickte.

Die unvergessliche Nacht nach dem historischen EM-Coup gegen den Weltmeister werde jetzt gefeiert. Dann aber gehe es «voll auf das Spiel» gegen Spanien am kommenden Freitag im ersten Schweizer Viertelfinale bei einer Fußball-EM, sagte der dann gesperrte Nati-Kapitän vom FC Arsenal spät mit fester Stimme und kündigte anschließend «ein Heimspiel von mir in London» an - im Halbfinale.

Gladbach-Torwart wird zum Helden

Die Schweiz träumt groß nach diesem 5:4 (3:3, 3:3, 1:0) im Elfmeterschießen gegen Frankreich in der rumänischen Hauptstadt. «Wahnsinn», schrieb die Zeitung «Blick» noch am Abend. «Sommer hext die Nati in den EM-Viertelfinal». Yann Sommer hatte in seinem 65. Länderspiel, mit dem er den bisherigen Schweizer Rekordkeeper Erich Burgener ablöste, den entscheidenden Elfmeter gegen Kylian Mbappé pariert. Es folgte grenzenloser Jubel. «Wahnsinn», sagte auch der 32 Jahre alte Torwart von Borussia Mönchengladbach. «Ich rufe nachher mal Robert De Niro an, ob er Lust hat, die Rolle zu spielen.»

Das Spiel in der Arena Na?ional? würde wahrlich gut nach Hollywood passen. Der Ex-Frankfurter Haris Seferovic (15. Minute) hatte die Schweiz schon früh träumen lassen. Nach Toren von Karim Benzema (57. und 59.) und Paul Pogba (75.) sah dann der Weltmeister wieder wie der Sieger aus. Doch erneut Seferovic (81.) und Mario Gavranovi? (90.) erzwangen die Nachtschicht. «Yann Sommer wird in seinem Rekordspiel zum Schweizer Helden!», twitterte die Gladbacher Borussia wohl durchaus stolz.

Für die mitgereisten Schweizer Fans gab es kein Halten mehr - ebenso für die daheim. Ein einzelner Anhänger (zunächst) im rot-weißen Trikot im Bukarester Stadion wurde noch in der Nacht zum Internet-Hit. Ein Bild kurz vor dem rettenden Ausgleich zum 3:3 zeigt ihn bangend, hadernd und noch angezogen - ein weiteres nur wenige Sekunden später nach dem Treffer von Gavranovi? wild jubelnd, schreiend und oberkörperfrei. Der «Blick» schrieb, den Fan gefunden zu haben und zitierte: «Ich weiß nicht, wie mir geschieht. Ich glaube, dass mir alle geschrieben haben, die mich kennen.»

«Ein unglaublicher Fußballabend»

Die Emotionen waren nachvollziehbar, erst recht für die Spieler. «Es war ein unglaublich schönes Gefühl», sagte Xherdan Shaqiri über den entscheidenden Moment, als Sommer zum Helden geworden war. «Wir haben alle gelitten und dafür gekämpft. Das war ein Verdienst der ganzen Mannschaft.» Auch Sommer betonte seinen Stolz auf seine Mitspieler. «Es war ein unglaublicher Fußballabend», sagte der Gladbacher.

Vor dem Turnier war das so nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Berichte über vermeintliche Streitereien und insbesondere Eitelkeiten hatten die Nati begleitet. «Ich habe immer schon gesagt, diese Mannschaft verdient mehr als geschrieben wurde», sagte Xhaka. «Jeder Schweizer kann auf diese Mannschaft stolz sein.» Er persönlich, führte der Arsenal-Profi gut gelaunt aus, habe ja schon vor der Partie gewusst, «dass wir Geschichte schreiben».

Als seine ausgelassen jubelnden Mitspieler schon zu den Fans in der Kurve gerannt waren, hatte sich der Kapitän kurzum für die andere Richtung entschieden. Xhakas erster Weg führte direkt in die Arme von Trainer Vladimir Petkovic, der ebenso begeistert war. «Wir haben mehr Benzin im Tank gehabt und das auch gezeigt», sagte der 57-Jährige, der seit 2014 im Amt ist. «Sicher bringt uns so ein Sieg weiter. Auch weiter in der Anerkennung. Diese Mannschaft hat noch so viel mehr zu leisten.»

Am Dienstagnachmittag stand für die Schweizer schon die Reise in den Viertelfinalort nach St. Petersburg auf dem Programm. Die nächste Überraschung dort muss die Nati ohne Xhaka schaffen, der wegen der zweiten Gelben Karte gesperrt ist. Seinen Kollegen traut der Ex-Gladbacher aber auch ohne sein Mitwirken alles zu.

© dpa-infocom, dpa:210629-99-182682/8

@ dpa.de