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Kriminalität, Verkehr

Warum mussten fünf Menschen in der Trierer Innenstadt sterben? Dieser Frage gehen die Ermittler weiter nach.

02.12.2020 - 14:16:48

Gezielt Menschen überfahren - Mutmaßlicher Amokfahrer von Trier soll vor den Haftrichter. Der festgenommene Autofahrer muss vor den Haftrichter. Eine ganze Stadt steht unter Schock.

Trier - Nach der tödlichen Amokfahrt mit einem Auto in der Trierer Innenstadt kommt der dringend tatverdächtige Mann in Untersuchungshaft. Das teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit.

Wegen Hinweisen auf eine mögliche psychische Erkrankung war auch die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung infrage gekommen.

Eine solche Amokfahrt lässt sich nach Einschätzung des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz jedoch nur schwer verhindern. «Wenn das Auto zur Mordwaffe wird, dann ist es schwierig zu sagen als Staat, das können wir zu 100 Prozent unterbinden. Nein, das können wir nicht», sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in einem Interview im Deutschlandfunk. «Wie wollen Sie etwas verhindern, wenn ein Mensch sich entscheidet, sich ins Auto zu setzen und gezielt Menschen anzugreifen.»

Nach bisherigen Ermittlungen hatte der Mann mit einem PS-starken Geländewagen am Dienstag in Trier gezielt Menschen in der Fußgängerzone überfahren. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby und sein Vater. 14 Menschen wurden verletzt. Der Staatsanwaltschaft zufolge gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung bei dem 51-Jährigen.

Bei einem bewegenden Gedenken am Trierer Wahrzeichen Porta Nigra haben Hunderte Menschen der Opfer der Todesfahrt in der Mosel-Stadt gedacht. Zahlreiche Kerzen und Blumen an dem früheren römischen Stadttor erinnerten am Mittwoch an die 5 Toten und 14 Verletzten. «Trier trauert, Trier leidet, Trier resigniert aber nicht», sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

Gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer legte er Kränze nieder. «Wir trauern mit den Angehörigen der Toten, und wir beten für die Verletzten», sagte Dreyer. «Ein Leben lang werden sie die Folgen tragen müssen dieser vier tödlichen Minuten.» Die Regierungschefin, die selbst in Trier wohnt, sprach von einem traurigen Tag.

Nach Angaben von Lewentz war bisher kein Bekennerschreiben des Amokfahrers gefunden worden. Bei der Aufklärung komme es nun auf die Vernehmungen und die Bereitschaft des Verdächtigen an, seine Motive offenzulegen. Derzeit gingen die Ermittler davon aus, dass der Amokfahrer ohne organisierten Hintergrund gehandelt habe. Es gebe auch weiter keine Hinweise auf ein politisches Motiv. Der Mann hat der Polizei zufolge ausgesagt. «Er spricht mit uns», teilte ein Polizeisprecher mit. Zu Inhalten könne man aber zunächst keine Angaben machen.

Minister Lewentz sagte, es wäre schwierig, eine Großstadt so abzusperren, dass man mit einem Fahrzeug nirgendwo Menschen angreifen könnte. «Eine Fußgängerzone ist allein deswegen befahrbar, weil natürlich dort viele Geschäfte sind, die permanent Lieferverkehre bekommen.» Diese Bereiche müssten auch für Rettungsfahrzeuge offen sein.

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte am Dienstag gesagt, dass bei einem Weihnachtsmarkt Poller aufgestellt worden wären - der Markt finde aber coronabedingt nicht statt. «Wer rechnet mit so einer Tat, wer kann eine Innenstadt in dieser Dimension komplett absichern?» Möglicherweise hätte sich der Täter dann ein anderes Ziel gesucht. «Es gibt keine absolute Sicherheit», meinte er.

Die Tat wird von der Staatsanwaltschaft als mehrfacher Mord, Mordversuch und gefährliche Körperverletzung eingestuft. Es gebe keinen weiteren Tatort oder Hinweise auf Mittäter oder Komplizen des Festgenommenen, hieß es. Der 51 Jahre alte Verdächtige aus dem Kreis Trier-Saarburg ist Deutscher, er war zur Tatzeit betrunken, bei ihm wurden 1,4 Promille festgestellt.

Zu den Todesopfern zählen neben dem Baby drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie der 45-jährige Vater des Kindes. Alle stammen aus Trier. Die Mutter des Babys hat überlebt und liegt den Behörden zufolge ebenso im Krankenhaus wie ihr eineinhalb Jahre alter Sohn.

© dpa-infocom, dpa:201202-99-538469/10

@ dpa.de