Kriminalität, Verkehr

Warum fährt ein Mann in Münster in eine Menschengruppe und erschießt sich dann selbst? Noch haben Staatsanwaltschaft und Ermittler keine Antwort darauf.

08.04.2018 - 14:08:06

Täter handelte allein - Todesfahrt von Münster: Trauer und Rätseln über das Motiv. Doch nach und nach werden die Puzzleteile zusammengesetzt.

  • Tatwagen - Foto: Marius Becker

    Der Tatwagen wird abgeschleppt. Foto: Marius Becker

  • Rettungswagen - Foto: Bernd Thissen

    Fahrzeuge der Rettungsdienste in Münster. Foto: Bernd Thissen

  • Nach Amokfahrt in Münster - Foto: Marcel Kusch

    Polizisten stehen am frühen Morgen in Münster in einer Gasse vor einer Absperrung. Foto: Marcel Kusch

  • Münster - Foto: David Young

    Das Tatfahrzeug am Ort des Geschehen. Foto: David Young

  • Blumen - Foto: Marcel Kusch

    Blumen und eine Kerze vor dem Restaurant Kiepenkerl in der Altstadt von Münster. Foto: Marcel Kusch

  • Seehofer - Foto: Marcel Kusch

    Bundesinnenminister Horst Seehofer neben dem Brunnen an der Gaststätte «Großer Kiepenkerl» in der Altstadt von Münster. Foto: Marcel Kusch

Tatwagen - Foto: Marius BeckerRettungswagen - Foto: Bernd ThissenNach Amokfahrt in Münster - Foto: Marcel KuschMünster - Foto: David YoungBlumen - Foto: Marcel KuschSeehofer - Foto: Marcel Kusch

Münster - Nach der Amokfahrt mit insgesamt drei Toten in Münster suchen die Ermittler weiter nach einem Motiv des Täters. Unter die Trauer in der Stadt mischte sich aber auch Lob - für die Bürger, die Rettungskräfte und die Medien.

Die Polizei gab am Sonntag außerdem bekannt, dass sie keine weiteren Täter suche. Es gebe keine Hinweise, dass noch weitere Verdächtige an dem Verbrechen beteiligt gewesen seien - man gehe von der Tat eines Einzeltäters aus, sagte eine Polizeisprecherin. Zunächst waren die Ermittler Zeugenaussagen nachgegangen, wonach zwei Menschen aus dem Auto gesprungen und geflüchtet sein sollten.

Einige der mehr als 20 Verletzten waren zunächst weiter in Lebensgefahr. Ihr Zustand hatte sich laut Polizei über Nacht nicht verändert. Die Ermittler suchen derweil weiter nach Motiv und Hintergründen für das Verbrechen. Nach dpa-Informationen handelte es sich womöglich um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) traten am Sonntagmittag gemeinsam vor die Presse und sprachen Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. «Wir hoffen inständig und beten dafür, dass die Verletzten wieder gesund werden», so Seehofer. Er und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dankten Polizei und Sicherheitskräften - und auch den Medien, die sich verantwortungsbewusst verhalten und «sachgerecht» berichtet hätten.

«Ihnen als Pressevertreter möchte ich sehr herzlich danken, dass sie die Bitte aufgenommen haben, nur das zu berichten was Fakt ist», sagte Reul. Er bekräftigte auch die bisherigen Erkenntnisse: Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe ein Einzelner gehandelt, er sei Deutscher, es gebe keinen islamistischen Hintergrund. Seehofer und Reul betonten auch, dass es nie absolute Sicherheit geben werde. «Das geht nicht. Wir können nur das Bestmögliche machen», so Reul.

Laschet lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner nach der Tat. Es würde sich wünschen, dass «diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedensstadt» auch diejenigen erreicht hätte, die «ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben.» Für die Opfer sei die Religion der Täter egal, sie hätten einen Menschen verloren. «Und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben.»

Die Leitende Oberstaatsanwältin von Münster, Elke Adomeit, sagte, dass der mutmaßliche Täter der Polizei bereits wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen sei. Es habe drei Verfahren in Münster gegeben und eines in Arnsberg aus den Jahren 2015 und 2016 - sie seien alle eingestellt worden. Es ging damals um eine Bedrohung, Sachbeschädigung, eine Verkehrsunfallflucht und Betrug. Man müsse den Sachverhalt der Verfahren noch aufklären. «Aber auf den ersten Blick haben wir hier keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität, die wir bei dem Täter feststellen konnten», sagte Adomeit.

Die Polizei durchsuchte insgesamt vier Wohnungen des Amokfahrers, aus denen sich keine Hinweise auf ein politisches Tatmotiv ergaben. «Wir haben seit gestern Nachmittag in der ganzen Nacht die Wohnungen des Täters durchsucht», sagte Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. Zwei davon lägen in Ostdeutschland, zwei in Münster. «Die erste, doch schon etwas intensivere Durchsicht hat keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben.» Die Ermittler gingen daher davon aus, «dass die Motive und Ursachen in dem Täter selber liegen». Das sei ein vorläufiger Stand, betonte Kuhlisch.

Um 15.27 Uhr am Samstag hatte ein Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gefahren und sich danach im Wagen erschossen. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt erläuterte: «Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster», Nach Informationen von «faz.net» stammt der Mann aus Olsberg im Sauerland. Er habe schon lange in Münster nahe dem Tatort gelebt.

Die Polizei identifizierte inzwischen auch die beiden Todesopfer. Demnach handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken. In der Uniklinik gab es außerdem mehrere Notoperationen. Insgesamt würden vier Schwerstverletzte behandelt, sagte eine Sprecherin.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Auch unmittelbar nach der Amokfahrt hatten sich die Einsatzkräfte dem Campingbus mit großer Vorsicht genähert, da Beamte Drähte sahen, die ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten.

Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hätten dann das Fahrzeug auf mögliche Gefahren ausgiebig untersucht und letztlich Entwarnung gegeben. Ermittler fanden im Wagen die Waffe, mit der sich der Täter erschossen hatte, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper.

Auch die Polizei lobte das besonnene Verhalten der Menschen. «Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen», erklärte der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer. «Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen.»

Bereits am Samstagabend versammelten sich Bürger, um gemeinsam zu trauern. Im Paulus-Dom in Münster gibt es am Sonntagabend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, den Bischof Felix Genn leiten will.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Wilde Verfolgungsjagd auf der A7 von Hannover bis Göttingen. Der 51 Jahre alte Fahrer aus Hessen lieferte sich mit der Polizei eine wilde Verfolgungsfahrt von Hannover bis Göttingen. Dabei rammte er mehrfach ein vor ihm fahrendes Polizeiauto bei einer Geschwindigkeit von bis zu 180 Kilometern pro Stunde und gefährdete Unbeteiligte. Hildesheim - Bei einer Verfolgungsjagd auf der Autobahn A7 soll ein Mann mit seinem Transporter zielgerichtet auf zwei Polizisten zugefahren sein - einer von ihnen konnte sich nur mit einem Sprung über die Leitplanke retten. (Politik, 23.04.2018 - 00:02) weiterlesen...

Scheuer stellt Konzept für Autobahn-Reform vor. «Wir treiben die größte Reform in der Geschichte der Autobahnen voran und ordnen das System komplett neu», teilte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei der Verkehrsministerkonferenz mit. Die Konferenz stimmte Scheuers Standortkonzept für eine Infrastrukturgesellschaft und ein dazugehöriges Fernstraßenbundesamt zu. Die Länder geben dafür langjährige Zuständigkeiten ab. So sollen Investitionen beschleunigt und überregionale Schwerpunkte besser durchgesetzt werden. Nürnberg - Der Bund übernimmt künftig Planung, Bau, Betrieb, Erhalt und Finanzierung der knapp 13 000 Kilometer langen Autobahnen. (Politik, 20.04.2018 - 12:24) weiterlesen...

Höhere Bußgelder für Raser und Falschparker geplant. Laut Beschlussvorlage für die in Nürnberg gestartete Verkehrsministerkonferenz verlangen die Länder von der Bundesregierung, dass entsprechende Verstöße «empfindlich sanktioniert werden», um «die erforderliche abschreckende Wirkung der Sanktionen zu entfalten». Konkrete Höhen von Bußgeldern sind in der Vorlage nicht benannt. Eingebracht hatte die Vorlage Berlin. Nürnberg - Die Bundesländer wollen höhere Bußgelder für Raser, Drängler und Falschparker, die mit ihrem Verhalten andere in Gefahr bringen. (Politik, 19.04.2018 - 21:02) weiterlesen...

Blitzer-Bilanz - Mit 170 durch die 70er Zone. Mit Blitzmarathons in vielen Bundesländern hat die Polizei wieder viele Raser gestellt. Tausende Male hat der Blitzer ausgelöst - und sicher das ein oder andere unvorteilhafte Foto geknipst. (Politik, 19.04.2018 - 11:56) weiterlesen...

Mit 170 durch die 70er Zone - Polizei zieht Blitzer-Bilanz. Die Kameras lösten am Mittwoch tausendfach aus. Polizisten waren unter anderem in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg im Einsatz, um die Geschwindigkeit von Autos zu messen. In Hessen etwa wurde ein Autofahrer mit 170 Kilometern pro Stunde in der 70er-Zone ertappt, in Brandenburg raste einer mit Tempo 157 über eine Autobahn-Baustelle, an der nur 60 km/h erlaubt waren. Mit der Aktion will die Polizei das Bewusstsein für Gefahrenstellen stärken. Berlin - Mit einem Blitzmarathon hat die Polizei in mehreren Bundesländern wieder zahlreiche Raser erwischt. (Politik, 19.04.2018 - 11:52) weiterlesen...

Länder wollen höhere Bußgelder - Rasern könnten härtere Strafen drohen. Bisherige Strafen und Sanktionen gehen den Bundesländern nicht weit genug. Zu schnelle und unvorsichtige Autofahrer können andere Verkehrsteilnehmer in große Gefahr bringen. (Politik, 19.04.2018 - 08:34) weiterlesen...