Leichtathletik, EM

Vor dem EM-Abschluss im Siebenkampf müssen die deutschen Leichtathleten einen Schock verkraften.

10.08.2018 - 21:26:05

Leichtathletik-EM - Unfall von Teamkolleginnen: Schäfer teilt Siebenkampf-Bronze. Louisa Grauvogel und Mareike Arndt kommen nach einem Autounfall ins Krankenhaus. Ihre Teamkollegin Carolin Schäfer holt sich Bronze - und teilt die Medaille.

Berlin - Kurz nach ihrem Jubellauf dachte Carolin Schäfer schon an das Schicksal ihrer Teamkolleginnen. Überschattet vom Autounfall und jähen Aus von Louisa Grauvogel und Mareike Arndt sicherte sich die Vize-Weltmeisterin die Bronzemedaille bei der Leichtathletik-EM in Berlin.

«Es ist natürlich schlimm», sagte die 26 Jahre alte Schäfer in der ARD. «An die Mädels ganz, ganz liebe Genesungswünsche, das ist einfach scheiße. Den Sieg teile ich mit euch, ich feier euch mit.»

Im abschließenden 800-Meter-Lauf verteidigte die Frankfurterin in 2:14,65 Minuten erfolgreich ihren dritten Platz und kam insgesamt auf 6602 Punkte. «Danke Berlin, es war atemberaubend», rief Schäfer dem Publikum zu. «Es gibt's nichts Emotionaleres.»

Grauvogel von der LG Saar und die Leverkusenerin Arndt konnten den Wettkampf hingegen nicht mehr beenden - und hatten ersten Erkenntnissen zufolge noch Glück im Unglück. Auf dem Weg ins Teamhotel waren die beiden nach Ende der Vormittagssession in einen Unfall verwickelt und mussten in ein Berliner Krankenhaus.

«So tragisch es ist - die Mädels waren zu dritt auf dem Weg zu einem tollen Ergebnis - es sind keine nachhaltigen und schwerwiegenden Verletzungen diagnostiziert worden», sagte der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska. «Wir sind in Gedanken mit den Athletinnen und wünschen ihnen, dass sie so schnell wie möglich wieder fit sind.» Am Abend war Grauvogel wie auch die ebenfalls betroffenen Bundestrainer Wolfgang Kühne und Ulrich Knapp schon wieder im Teamhotel, Arndt wurde noch weiter in der Klinik überwacht.

Schäfer saß beim Unfall nicht im Auto, sie hat ihr eigenes Betreuungsteam mit einem Coach, Physiotherapeuten, Arzt und Biomechaniker. «Ich hoffe, dass Caro die Chance wahrnimmt und für die beiden mitläuft», sagte Gonschinska, kurz bevor Schäfer zu Bronze stürmte. «Sie haben einen tollen Mehrkampf zusammen gemacht, sich gegenseitig unterstützt. Jetzt ist sie in der Lage, es alleine für das Team zu ende zu bringen.»

Und das tat Schäfer eindrucksvoll. Nach einem Mehrkampf mit Höhen und Tiefen hatte die Polizeikommissarin am Freitagmorgen mit einem starken Speerwurf und 53,73 Metern geglänzt. In dieser Disziplin hatte sie im Training Unterstützung von Olympiasieger Thomas Röhler aus Jena erhalten. Dem neuen Europameister dankte Schäfer ausdrücklich. «Meine große Stärke ist, dass ich in allen Diszkplinen gleichwertig bin», sagte sie und blickte bereits voraus auf Olympia in Tokio. «Ich habe zwei Jahre Zeit, dann werden die Karten neu gemischt.»

Den dritten Platz gab sie auch beim Lauf über die abschließenden zwei Stadionrunden nicht mehr ab. «Es ist ein grundsolider Mehrkampf», bewertete sie ihren Siebenkampf. «Sicherlich hätte ich mir mehr gewünscht, aber es zieht sich wie ein Roter Faden durch die Saison, immer Ups and Downs.»

Gold und Silber waren nicht zu erreichen. Den EM-Titel holte Olympiasiegerin Nafissatou Thiam aus Belgien mit 6816 Zählern, den zweiten Platz sicherte sich die Britin Katarina Johnson-Thompson mit 6759 Punkten.

Am Mittag lagen auch Schäfers Teamkolleginnen auf Kurs für ein starkes Ergebnis. Grauvogel war nach sechs von sieben Disziplinen Siebte, Mareike Arndt Zwölfte. Doch dann stoppte der Unfall ihren Traum von einem tollen EM-Abschluss.

@ dpa.de

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