Prozesse, Konflikte

US-Präsident Trump feiert die Freilassung von Pastor Brunson und stellt bessere Beziehungen zur Türkei in Aussicht.

13.10.2018 - 19:58:06

US-Pastor aus Türkei abgereist - Trump: Keine Gegenleistung für Freilassung von Brunson. Noch sind aber längst nicht alle Streitpunkte ausgeräumt. Und mit einem Dank an Erdogan bringt Trump den türkischen Präsidenten in Erklärungsnot.

Washington/Istanbul - Die USA haben nach den Worten von Präsident Donald Trump keine Gegenleistung für die Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson in der Türkei erbracht.

«Ich mache keine Deals für Geiseln», schrieb Trump am Samstag auf Twitter. «Es wurde kein Deal mit der Türkei für die Freilassung und Rückkehr von Pastor Andrew Brunson gemacht.» Die USA wüssten den Schritt aber sehr zu schätzen. Die Freilassung werde «zu guten, vielleicht großartigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei» führen.

Auch nach der Rückkehr Brunsons in die USA gibt es aber noch Streitpunkte zwischen Washington und Ankara: Der Nasa-Wissenschaftler Serkan Gölge - ein US-Staatsbürger - sowie einheimische Mitarbeiter von diplomatischen Vertretungen der USA sind weiterhin in der Türkei inhaftiert. Auf Kritik stößt außerdem, dass das Nato-Mitglied Türkei mit Russland den Kauf von S-400-Flugabwehrraketen vereinbart hat.

Der Fall Brunson - der wegen Terrorvorwürfen zwei Jahre lang in der Türkei festgehalten wurde - stand im Zentrum einer schweren Krise zwischen Washington und Ankara. Trump hatte im Zuge der Krise Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt und Strafzölle gegen die Türkei erhöht. Der US-Präsident hatte damit die Talfahrt der Landeswährung Lira noch einmal beschleunigt.

Trump brachte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Samstag mit einem seiner Tweets zum Fall Brunson in Erklärungsnot: Er dankte Erdogan ausdrücklich «für seine Hilfe». Erdogan sah sich gezwungen, in einem Tweet an Trump zu betonen, dass die türkische Justiz unabhängig sei. Experten haben daran große Zweifel. Ein Gericht in der westtürkischen Küstenmetropole Izmir hatte den Hausarrest und die Ausreisesperre Brunsons am Freitag aufgehoben.

Der US-Sender NBC hatte am Donnerstag von einer «geheimen Vereinbarung» berichtet, die den Weg für Brunsons Rückkehr in die USA ebne. Die USA hätten im Gegenzug zugesagt, wirtschaftlichen Druck von der Türkei zu nehmen. Das Außenministerium in Washington hatte eine solche Vereinbarung nicht bestätigt.

Trump teilte am Samstag auf Twitter mit, er werde Brunson um 14.30 Uhr Ortszeit (20.30 Uhr MESZ) im Weißen Haus empfangen. «Es wird wunderbar sein, ihn zu sehen und zu treffen. Er ist ein großartiger Christ, der ein so hartes Erlebnis hinter sich hat.»

Der Präsident der konservativ-christlichen Organisation Family Research Council, Tony Perkins, teilte am Samstagmittag auf Twitter mit, Brunson sei in den USA angekommen. Brunson und seine Frau seien auf der Luftwaffenbasis Andrews nahe Washington gelandet. Perkins hatte das Verfahren in Izmir beobachtet und war mit Brunson und dessen Ehefrau zurückgereist. Perkins schrieb: «Unter dieser Regierung bedeutet es etwas, Amerikaner zu sein!»

Erdogan schrieb, die türkische Justiz habe ihre Entscheidung auf unabhängige Weise getroffen. «Ich hoffe, dass die USA und die Türkei ihre Zusammenarbeit fortsetzen, so wie es sich für zwei Verbündete gehört.» Erdogan hatte die von den USA verhängten Strafmaßnahmen einen «Wirtschaftskrieg» und Trump einen «Kraftmeier» genannt. Trump hat sich lange persönlich für Brunsons Freilassung eingesetzt.

Brunson war im Oktober 2016 wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen und später in Untersuchungshaft genommen worden. Ende Juli hatte ein Gericht die Haft in Hausarrest umgewandelt. Auch zwischen Deutschland und der Türkei hat die Inhaftierung von Bundesbürgern immer wieder zu schwerem Streit geführt.

Brunson war noch am späten Freitagabend aus der Türkei ausgereist. Zwischengelandet war er auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz, wo er vom US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, empfangen worden war.

@ dpa.de