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Gesundheit, Krankheiten

Um das Coronavirus in Schach zu halten, kommt es auf Vorsicht aller an.

08.08.2020 - 05:14:10

Corona-Krise - Ärzteverband warnt vor wachsender Nachlässigkeit. Doch Mediziner sehen mit Sorge, dass sich zu viele inzwischen riskant verhalten.

Berlin - Der Ärzteverband Marburger Bund warnt vor wachsender Nachlässigkeit in der Corona-Pandemie in Deutschland. «Wir sehen schon einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen - er ist flach, aber er ist da», sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur.

Gleichzeitig scheine die Bereitschaft zum Einhalten der Schutzregeln bei einem kleineren Teil der Bevölkerung abzunehmen. «Man muss also von einem Trend sprechen, der uns klarmacht, dass es so nicht weitergehen kann.» Abstand, Hygiene und die Maskenpflicht müssten wieder konsequenter eingehalten werden.

Johna mahnte, es gebe Dinge, die man sich jetzt nicht leisten sollte. «Dazu gehört, es zu tolerieren, wenn Menschen im öffentlichen Nahverkehr die Maske als Kinnschutz tragen. Das ist auch schnell eine Großveranstaltung, wenn in einem vollen Waggon viele Menschen eng beieinanderstehen.» Vielleicht müsse man manche auch wieder damit konfrontieren, dass die Covid-19-Erkrankung weiter gefährlich sei.

«Viele empfinden das nicht mehr als Realität, weil sie in ihrem Bekanntenkreis niemanden kennen, der relevant erkrankt ist», erklärte die Verbandschefin. «Manche haben dadurch das Gefühl, es sei weit weg. Aber es ist nicht weit weg.» Es gebe weiter schreckliche Schicksale Erkrankter, denen auch modernste Mittel der Medizin nicht mehr helfen konnten. «Was häufig vergessen wird: Unter den Erkrankten gibt es auch Menschen, die lang andauernde Schäden zurückbehalten.»

Johna befürwortete es, den Schulunterricht wieder aufzunehmen. «Die Schule ist eine Großveranstaltung - aber eine, die wir uns leisten müssen.» Dafür sei es wichtig, Corona-Regeln gut festzulegen. «Die Überlegungen dazu kommen teilweise erstaunlich spät, denn das Schuljahr beginnt ja nun nicht überraschend.» Dazu gehöre eine Strategie zum regelmäßigen Belüften der Räume, die auch im Herbst und Winter durchzuhalten sei. Sinnvoll seien auch Masken auf dem Schulhof gerade in beengteren Bereichen. «Während des Unterrichts halte ich das nicht für angebracht. Da gibt es ja auch Abstandsregeln.»

Beim Krisenmanagement bleibe es wichtig, möglichst alle Corona-Fälle nachzuverfolgen, machte Johna deutlich. «Wenn wir einzelnen Fällen nicht mehr nachgehen, dann stoßen wir manchmal gar nicht auf eine Häufung von Infizierten.» Dafür müssten die Gesundheitsämter dauerhaft personell gestärkt werden, gerade im ärztlichen Bereich. «Der öffentliche Gesundheitsdienst war schon vor Corona wichtig. Nur galt bisher: hoch gelobt und mies bezahlt. Damit muss Schluss sein, auch um dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen.»

Mit Blick auf die Kliniken sagte die Verbandschefin, für wieder steigende Corona-Patientenzahlen sollten in den Ländern regionale Stufenkonzepte entwickelt werden. «Passend zu den Einwohnerzahlen, sollte in Stufe 1 eine Kapazität an Intensivbetten frei gehalten werden. Wenn diese zu 70 oder 80 Prozent belegt sind, müsste automatisch die nächste Stufe ausgelöst werden, die weitere freie Betten vorsieht. In einer dritten Stufe könnte dies dann damit verbunden sein, planbare Operationen einzuschränken.»

Johna betonte: «Wir sollten so lange wie möglich die normale Krankenhausversorgung aufrechterhalten und Patienten ermutigen, mit ernsten Erkrankungen in die Kliniken zu kommen.» Inzwischen seien auch Hygienekonzepte mit getrennten Wegen realisiert. «Wir hoffen, dass wir nicht erneut eine Knappheit an Schutzausrüstung erleben müssen», sagte die Chefin des Marburger Bundes, der unter anderem Klinikärzte vertritt. Das Material in den Lagern der Krankenhäuser sollte auch noch einmal überprüft werden, denn leider habe ein Teil der Lieferungen nach Deutschland nicht den Standards entsprochen.

Johna schlug zudem spezielle Quarantäneregeln für Menschen vor, die bei Veranstaltungen mit vielen Infizierten waren und mit vielen Mitbewohnern zusammenleben. Sie sollten nicht zu Hause isoliert werden, sagte sie der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). «Für solche Personen müssen wir eine besondere Quarantänesituation anbieten, etwa in Hotels, und sie für eine Woche auch von ihrer Familie oder anderen Mitbewohnern fernhalten.» Um mehr Akzeptanz zu erreichen, könnten Quarantänezeiten auch von 14 Tagen auf die Hälfte verkürzt werden. Sieben Tage könnten ausreichen, vor allem in Verbindung mit einem abschließenden negativen Test.

© dpa-infocom, dpa:200808-99-88277/2

@ dpa.de

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