Gesundheit, Krankheiten

Überlastung der Kliniken, Gefahr für Versorgung und Sicherheit: Die Szenarien zu Omikron sind düster.

21.12.2021 - 18:12:08

Omikron-Variante - Bund und Länder über schärfere Kontaktbeschränkungen einig. Trotzdem wollen Bund und Länder neue Einschränkungen voraussichtlich vermeiden - bis nach Weihnachten.

  • Einkaufsstra?e - Foto: Stefan Sauer/dpa

    Schlie?ungen von Gesch?ften, Schulen und Lokalen sind in Deutschland wohl vorerst nicht geplant. Foto: Stefan Sauer/dpa

  • Hendrik W?st - Foto: David Young/dpa

    NRW-Ministerpr?sident Hendrik W?st (CDU) will auch einen Lockdown nicht mehr ausschlie?en. Foto: David Young/dpa

  • RKI empfiehlt ?maximale Kontaktbeschr?nkungen? ab sofort - Foto: Peter Kneffel/dpa

    Passanten laufen ?ber den fast leeren Marienplatz vor dem Rathaus in der Innenstadt von M?nchen. Foto: Peter Kneffel/dpa

  • Viel Platz - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

    Das Robert Koch-Institut empfiehlt ?maximale Kontaktbeschr?nkungen?. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Einkaufsstra?e - Foto: Stefan Sauer/dpaHendrik W?st - Foto: David Young/dpaRKI empfiehlt ?maximale Kontaktbeschr?nkungen? ab sofort - Foto: Peter Kneffel/dpaViel Platz - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Berlin - Angesichts der Omikron-Gefahr sollen spätestens ab dem 28. Dezember schärfere Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte und Genesene gelten. Darauf hätten sich Bund und Länder in ihrer Schaltkonferenz am Dienstag verständigt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur übereinstimmend von Bund- und Länder-Seite.

Demnach sollen private Zusammenkünfte von Geimpften und Genesenen «spätestens» ab dem 28. Dezember nur noch mit maximal zehn Personen erlaubt sein - Kinder ausgenommen. Der Punkt ist aber nur einer von vielen, die Einigung auf das Gesamtpapier stand am frühen Abend noch aus.

Vor den Beratungen von Bund und Ländern hatte das Robert Koch-Institut maximale Kontaktbeschränkungen gefordert, und zwar sofort. Aus «fachlicher Sicht» empfahl Deutschlands oberste Seuchenbehörde dabei am Dienstag auch die sofortige Schließung von Restaurants und die Verlängerung der Weihnachtsferien für Kitas und Schulen. Die größten Effekte auf die Dynamik der Omikron-Welle seien «von konsequenten und flächendeckenden Kontaktbeschränkungen» und von Maßnahmen zur Infektionsvorbeugung zu erwarten, betonte das RKI in einem Strategiepapier.

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, schloss einen neuen Lockdown nicht aus.

Auf die Frage, ob ein erneuter Lockdown kommen könnte, sagte Wüst bei «Bild live»: «Ich warne dringend davor, jetzt Dinge auszuschließen. (...) Wir sollten heute gar nichts ausschließen.»

Wüst wies darauf hin, dass es rechtlich aktuell nicht möglich sei, Schulen oder Restaurants zu schließen. Das habe die neue Mehrheit im Bundestag durch Beendigung der pandemischen Notlage ausgeschlossen, sagte der CDU-Politiker. SPD, Grünen und FDP hatten gegen Kritik der Union entschieden, diese Rechtsbasis weitgehender Einschränkungen auslaufen zu lassen. «Ob das ausreichend ist, was wir heute haben, werden wir diskutieren», kündigte Wüst an.

Weitreichende Schließungen gefordert

Das RKI empfahl weiter die umgehende Schließung von Sportstätten im Innenbereich, von Bars, Clubs und Diskotheken. Großveranstaltungen sollten verboten werden. Außer im eigenen Haushalt sollte auch Gesang in Innenräumen verboten werden. Gottesdienste, kulturelle Veranstaltungen und Einrichtungen generell sollten nach den RKI-Empfehlungen nur noch nach dem Modell 2G plus besucht werden dürfen - also von Geimpften/Genesenen mit einem Test, der bei Menschen mit Auffrischimpfung entfallen soll.

Der Corona-Expertenrat der Regierung hatte in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme vor einer «neuen Dimension» des Pandemiegeschehens durch Omikron gewarnt. Auch zweifach Geimpfte sowie Genesene könnten sich leicht anstecken. «Dies kann zu einer explosionsartigen Verbreitung führen», schrieben die Experten. Eine erhebliche Überlastung der Krankenhäuser sei zu erwarten. Ein relevanter Teil der Bevölkerung wäre bei einer Ausbreitung von Omikron wie befürchtet wohl zeitgleich krank oder in Quarantäne, erklärte das Beratergremium. Das Funktionieren von Versorgungs- und Sicherheitssystemen in Deutschland sehen die Expertinnen und Experten wegen des zeitgleichen Ausfalls zahlreicher Beschäftigter gefährdet.

Keine entspannte Phase in Sicht

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist im Vergleich zum Vortag am Dienstag wieder etwas gesunken - von 316,0 auf 306,4 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche. Virologen halten das jüngste Absinken der Werte nicht für den Auftakt einer entspannteren Phase. Binnen eines Tages gab es offiziell 23.428 Corona-Neuinfektionen und 462 Todesfälle.

Einen Schwerpunkt ihres Kampfes gegen Omikron legen Bund und Länder auf die Impfkampagne. Sie soll laut Vorlage für die Bund-Länder-Runde auch «über Weihnachten, an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester und an Silvester» weiterlaufen. Hintergrund ist, dass Ungeimpfte ein besonderes Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken. Lediglich doppelt Geimpfte sind zudem gegen eine Ansteckung durch Omikron nicht gut geschützt und können das Virus weitergeben. Erst eine Auffrischimpfung schützt stärker auch vor einer Ansteckung und Weitergabe - aber nicht komplett.

Mindestens 27,1 Millionen Menschen haben inzwischen eine Auffrischungsimpfung bekommen - 32,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens 58,5 Millionen Menschen sind demnach bisher zweifach geimpft oder haben die Einmal-Impfung von Johnson & Johnson erhalten; das sind 70,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Schnitt sind den Zahlen zufolge in den vergangenen sieben Tagen 1,1 Millionen Impfungen pro Tag verabreicht worden.

© dpa-infocom, dpa:211221-99-459768/10

@ dpa.de

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