Konflikte, Nordkorea

Trotz immer härterer Sanktionen provoziert Nordkorea mit dem Test einer weiteren Interkontinentalrakete.

29.11.2017 - 07:32:07

Analyse - Keine Lösung des Atomstreits mit Nordkorea in Sicht. Machthaber Kim Jong Un demonstriert damit, dass er im verschärften Konflikt mit der Supermacht USA nicht nachgeben will.

Seoul/Washington - Die Phase des relativen Friedens war am Mittwoch um 3.17 Uhr (Ortszeit) vorbei. Die Hoffnung auf eine mögliche Annäherung im Konflikt zwischen Nordkorea und den USA erhielt erneut einen starken Dämpfer.

Nach zweieinhalb Monaten Pause gab Nordkorea seine vermeintliche Zurückhaltung auf und setzte die Reihe der Raketentests in diesem Jahr fort. Der Start einer weiteren Interkontinentalrakete (ICBM), die die USA erreichen könnte, war ohnehin von vielen erwartet worden. Es geht Pjöngjang um die Perfektionierung seiner Waffentechnik. Nach dem Test erklärte Nordkorea dann auch, seine bisher stärkste ICBM entspreche dem Ziel, die Entwicklung «einer Atomstreitmacht» abzuschließen.

Die verhaltene Reaktion von US-Präsident Donald Trump direkt nach dem Test überraschte dennoch. Es gab zunächst keine neuen Drohungen an die Adresse Nordkoreas, das Land auszulöschen. Kein stählernes, offizielles Statement an die Nation. Stattdessen wenige, für Trump regelrecht dürre Sätze.

Ja, man werde sich darum kümmern, sagte Trump. Nein, die USA würden ihre Politik nach dem Test nicht ändern. «Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden.» Danach wechselte er zum Thema Innenpolitik. 

Dabei gab das, was US-Verteidigungsminister James Mattis mit dem ihm eigenen Gleichmut am selben Tisch wie Trump sitzend sagte, für Washington Anlass zu großer Beunruhigung. Nordkorea habe seine jüngste Rakete so hoch geschossen wie nie zuvor. Heißt: Eine ICBM mit noch größerer Reichweite bedrohe potenziell jedes Land der Erde. Gleichwohl beharrten die USA auf einer friedlichen Lösung dieser Krise, ließ Außenminister Rex Tillerson im Anschluss wissen: «Diplomatische Optionen bleiben gangbar und möglich - für jetzt.» 

Nordkorea hat nach eigenen Angaben nun sein Ziel erreicht, Raketen zu bauen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können. Den USA wirft das Land eine feindselige Politik vor. Und Pjöngjang hielt bisher an diesem Ziel trotz harter internationaler Sanktionen fest. Verhandlungen über die Atomwaffen schließt es kategorisch aus. Militärisch betrachtet sich das Land mit solchen Waffen als unangreifbar. Politisch gelten sie als Überlebensgarantie für die diplomatisch isolierte Führung. Nordkorea erklärte, dass der jüngste Test einer neuartigen Rakete demonstriere, dass sie jeden Teil des US-Kernlands erreichen könne.  

Nordkoreas Verhalten deutet unterdessen aus Sicht von Experten auf weitere Tests von Raketen hin, die immer stärker werden. Damit wächst aber auch die Sorge um eine wachsende Instabilität. Ungewöhnlich deutlich warnte zum Beispiel Südkoreas Präsident Moon Jae In mit Blick auf Nordkoreas beängstigender werdendes Raketen- und Atompotenzial, aber auch angesichts der Drohungen Trumps in Richtung Pjöngjang vor einer unkontrollierbaren Verschärfung der Lage. 

Mit dem jüngsten Test scheine Nordkorea bei dem Versuch einen «weiteren Schritt vorwärts gemacht zu haben, seine ICBM-Technologie zur Reife zu bringen», schreibt der Raketenfachmann Michael Elleman auf dem Twitter-Account «38 North» des US-Korea-Instituts. «Zahlreiche weitere Tests sind nötig, um die Leistung und die Zuverlässigkeit der Raketen zu bestätigen», glaubt er.  

Der US-Experte David Wright schätzt, dass die Rakete, die nach südkoreanischen Angaben etwa 4500 Kilometer in die Höhe ging und danach etwa 960 Kilometer weit flog, bei einer normalen Flugbahn eine Reichweite von über 13 000 Kilometern haben könnte. «Die Reichweite einer solchen Rakete würde groß genug sein, um Washingon D.C. und tatsächlich jeden Teil des Festlands der USA zu erreichen.» Doch gab es bisher Zweifel, ob Nordkorea - entgegen eigener Angaben - einen Atomsprengkopf auf eine ICBM montieren kann. 

Nach einem beiderseits auf die Spitze getriebenen Krieg der Worte haben die USA ihre Nordkorea-Politik mit der Überschrift «maximaler Druck» versehen. Noch versuchens sie, Pjöngjang weiter zu isolieren und auszutrocknen und setzen dabei vor allem auf die Hilfe Chinas. Doch Peking hatte Mitte dieses Monats vergeblich einen neuen Versuch unternommen, auf seinen störrischen Nachbarn einzuwirken. Der ranghohe Sonderbotschafter Song Tao besuchte erstmals seit langem wieder Pjöngjang, doch zeigte ihm Machthaber Kim Jong Un die kalte Schulter, indem er ihn nicht empfing. Eine Lösung des Atomstreits rückt nach dem jüngster Test in noch weitere Ferne. 

@ dpa.de

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