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Umwelt, Kriminalität

Sie sterben, weil sie sich den Wirtschaftsinteressen von Bergbaufirmen, Energiekonzernen oder Agrarunternehmen entgegenstellten: 212 Aktivisten wurden im vergangenen Jahr getötet.

29.07.2020 - 03:36:08

Gefährliches Engagement - Mehr als 200 Umweltschützer weltweit getötet. Vor allem Lateinamerika ist ein gefährliches Pflaster.

Riohacha - Proteste gegen Bergwerke und Abholzung, Wasserkraftwerke und Großfarmen sind vielerorts gefährlich: Im vergangenen Jahr sind weltweit 212 Umweltschützer getötet worden, wie aus einer von der Nichtregierungsorganisation Global Witness veröffentlichten Studie hervorgeht.

Das sind durchschnittlich mehr als vier Morde pro Woche - und mehr als jemals zuvor. Zudem werden Umweltschützer in vielen Ländern wegen ihrer Arbeit immer wieder bedroht, verleumdet und vor Gericht gebracht.

Die meisten Morde an Umweltaktivisten wurden der Studie zufolge in Kolumbien (64), den Philippinen (43) und Brasilien (24) verübt. Mehr als zwei Drittel aller Fälle registrierte Global Witness in Lateinamerika. Aber auch im EU-Land Rumänien wurden im vergangenen Jahr zwei Umweltaktivisten getötet. Die Organisation geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der getöteten Umweltschützer noch deutlich höher liegt, weil viele Fälle vertuscht oder nicht angezeigt werden.

Hinter den Gewalttaten stecken laut der Nichtregierungsorganisation meist Unternehmen, Farmer und teilweise auch staatliche Akteure sowie kriminelle Banden, paramilitärische Gruppen und Rebellen. «Landwirtschaft, Öl, Gas und Bergbau sorgen für die Gewalt gegen Umweltschützer - das sind genau die Industrien, die durch Abholzung und Emissionen auch den Klimawandel befeuern», sagt Rachel Cox von Global Witness.

Die meisten Morde stehen im Zusammenhang mit Bergbau (50), gefolgt von Landwirtschaft (34) und Forstwirtschaft (24). «Viele der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen haben mit der Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen sowie Korruption in Politik und Wirtschaft zu tun», sagt Cox. «Umweltschützer sind jene, die dagegen aufstehen.»

Im äußersten Nordosten Kolumbiens kämpft Angelicá Ortiz bereits seit Jahren gegen die Umweltschäden durch die Kohlemine El Cerrejón. Der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas erstreckt sich im Department La Guajira auf rund 690 Quadratkilometern und produzierte zuletzt mehr als 25 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr.

«Unsere Wasserquellen versiegen, die Luft und das Wasser sind mit Schwermetallen belastet, die Menschen werden krank», sagt Ortiz. Ihr Volk der Wayúu lebt in der Halbwüste von Guajira vor allem von der Viehzucht. «Wir kämpfen für unser Land, unsere Rechte und ein gesundes Umfeld», sagt Ortiz.

Auch Deutschland importiert Kohle aus Kolumbien. Allerdings ging die Menge zuletzt deutlich zurück. War das südamerikanische Land 2016 mit 8,1 Millionen Tonnen nach Russland noch der zweitgrößte Steinkohlelieferant für die deutschen Kraftwerke, rutschte Kolumbien mit nur noch 2,1 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr auf den vierten Platz.

Dennoch sieht Umweltschützerin Ortiz die Stromkonsumenten in Deutschland in der Verantwortung. «Sie sollten wissen, was hier passiert, damit sie es hell und warm haben», sagt sie. «Hier müssen ganze Dörfer weichen und die Menschen werden krank.» Zudem werden Ortiz und ihre Mitstreiterinnen vom Frauenverband der Wayúu wegen ihres Engagements immer wieder bedroht und eingeschüchtert.

Trotz des Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerillaorganisation Farc hat die Gewalt gegen soziale Anführer, Menschenrechtsaktivisten und Umweltschützer in dem südamerikanischen Land zuletzt zugenommen. Die Zahl der Morde an Umweltaktivisten stieg 2019 um 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 64 Fällen entfallen rund 30 Prozent aller Morde weltweit auf Kolumbien.

Ortiz ist bislang davongekommen, aber ihre Feinde haben sie immer im Blick. Zuletzt tauchte ihr Name auf einem Flugblatt mit dem Titel «Tod für alle - Soziale Säuberung» auf, das in La Guajira kursierte. «Es reicht, ihr Ratten. Bald werden wir einen nach dem anderen ausmerzen. Ihr habt 48 Stunden, um das Department zu verlassen», hieß es dort. Ortiz ist geblieben - die Angst auch.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-960213/3

@ dpa.de