Kriminalität, Polizei

Schockstarre in Heidelberg: In einem Hörsaal schießt ein 18-jähriger Student auf Kommilitonen.

24.01.2022 - 20:14:43

Universität - 18-jähriger Amokläufer erschießt junge Frau in Heidelberg. Eine junge Frau stirbt. Die Polizei verrät erste Details zum Täter.

  • Amoklauf auf Uni-Campus - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

    Die Polizei ist mit einem Gro?aufgebot auf dem Gel?nde der Heidelberger Universit?t. Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

  • Amoklauf in?Heidelberg - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

    Ein Einzelt?ter hat hier auf dem Gel?nde der Uni Heidelberg mit einer Schusswaffe mehrere Menschen verletzt. Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

  • SEK auf Campus - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

    Mitglieder des SEK auf dem Gel?nde der Heidelberger Universit?t. Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

  • Krankenwagen - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

    Not?rzte versorgen die Verletzten des Amoklaufes auf dem Gel?nde der Heidelberger Universit?t. Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpa

  • Spurensicherung - Foto: Uwe Anspach/dpa

    Polizeibeamte sichern Spuren am Gel?nde des Botanischen Gartens der Heidelberger Universit?t. Hier ist es zuvor zu einem Amoklauf gekommen. Foto: Uwe Anspach/dpa

  • Entwarnung nach Amoklauf - Foto: Uwe Anspach/dpa

    Inzwischen hat die Polizei Entwarnung gegeben.?Der Sch?tze war Einzelt?ter und ist tot. Foto: Uwe Anspach/dpa

  • Polizei auf dem Campus - Foto: Uwe Anspach/dpa

    Polizeibeamte sichern das Gel?nde des Botanischen Gartens der Heidelberger Universit?t. Foto: Uwe Anspach/dpa

  • Spurensicherung - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

    Ein Schild der Spurensicherung liegt auf dem Campus der Universit?t Heidelberg neben einer Patronenh?lse. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Amoklauf auf Uni-Campus - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpaAmoklauf in?Heidelberg - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpaSEK auf Campus - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpaKrankenwagen - Foto: R.Priebe//Pr-Video/dpaSpurensicherung - Foto: Uwe Anspach/dpaEntwarnung nach Amoklauf - Foto: Uwe Anspach/dpaPolizei auf dem Campus - Foto: Uwe Anspach/dpaSpurensicherung - Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der Verdächtige - selbst Student - habe den Amoklauf jedoch wohl vorher angekündigt. Unmittelbar vor der Tat soll er eine Nachricht über den Messenger Whatsapp verschickt und geschrieben haben, «dass Leute jetzt bestraft werden müssen», berichtete Kollmar. In der Nachricht habe er sich außerdem eine Seebestattung gewünscht. «Auch das werden wir noch verifizieren müssen, auch das werden wir noch nachvollziehen müssen», betonte Kollmar. «Wir werden sein Umfeld jetzt durchleuchten in den nächsten Tagen, mit Hochdruck.» Die Ermittler wollen alle Aufenthaltsorte und Gesprächspartner des jungen Mannes der vergangenen Tage überprüfen.

Die Waffen habe sich der junge Mann, der in Mannheim gewohnt habe, nach bisherigen Erkenntnissen im Ausland besorgt. Weder er noch seine Angehörigen hätten Waffen besitzen dürfen. Der 18-Jährige sei nicht vorbestraft, sagte Herrgen. Die Tatwaffe soll eine Schrotflinte gewesen sein. Der Mann hatte noch mehr als 100 Schuss Munition dabei. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht, sagte Kollmar. Das sei spekulativ, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass eine bestimmte Person getroffen werden sollte. Der 18-Jährige hätte noch nachladen können.

Weil bei der Leiche des jungen Mannes ein Rucksack mit unbekanntem Inhalt gewesen sei, habe die Polizei lange nicht zu dem Toten gekonnt. Es hätte sich um Sprengstoff handeln können, erklärte Kollmar. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe daher auch Entschärfer geschickt, die den Rucksack untersuchten.

Kollmar berichtete von 7 Notrufen innerhalb von 43 Sekunden, die bei der Polizei eingegangen seien. Die Beamten seien schnell von einer Amoktat ausgegangen. Mehr als 400 Beamte seien im Einsatz gewesen.

War der Täter psychisch krank?

Als der Täter kurz vor 12.30 Uhr in den Hörsaal kam, habe er einen hellen Rucksack mit sich getragen, in dem sich die Waffen und Munition befunden hätten. Nach der Tat sei der 18-Jährige aus dem Uni-Gebäude nach draußen geflohen und habe sich selbst getötet, bestätigte ein Polizeisprecher.

Schon kurz nach den Schüssen am Mittag hatte die Polizei erklärt: «Wir gehen nicht von weiteren Tätern aus.» Zur Sicherheit werde das Gelände aber weiter abgesucht. Ein Spezialeinsatzkommando habe auf dem labyrinthartigen Gelände nach einem möglichen zweiten Täter gesucht. Gegen 15.15 Uhr dann die Entwarnung: Der Mann sei ein Einzeltäter gewesen. «Derzeit ist keine Gefahrenlage mehr gegeben.»

Das Neuenheimer Feld vor den Toren der Heidelberger Altstadt war am Nachmittag weiträumig abgesperrt. Die Polizei forderte Autofahrer auf, das Gelände zu umfahren, damit Rettungskräfte freie Fahrt haben. Die Polizei richtete eine Hotline für Angehörige ein. Am Gelände der Universität standen Dutzende Polizei- und Krankenwagen. Vor den Absperrungen standen junge Leute beisammen.

Die Studierendenschaft äußerte sich fassungslos. «Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht», sagte der Vorsitzende Peter Abelmann.

Politiker sind entsetzt

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. «Wir waren nicht nur fassungslos, wir können es eigentlich gar nicht glauben, dass so etwas bei uns in Heidelberg passiert.»

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich tief betroffen und versprach eine schnelle Aufklärung der Tat. «Meine Gedanken sind bei den Familien und ihren Angehörigen. Wir sind an Ihrer Seite.» Innenminister Thomas Strobl (CDU) ergänzte: «Für die Verletzten und die Beteiligten, auch die im Tutorium dabei waren, hoffe ich auf baldige Genesung an Leib und Seele.» Es sei eine «entsetzlich belastende Situation».

Bundeskanzler Scholz sagte: «Es zerreißt mir das Herz, solch eine Nachricht zu erfahren.» Der SPD-Politiker sprach den Angehörigen, den Opfern und den Studentinnen und Studenten der Universität Heidelberg sein Beileid aus.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) besuchte noch am Nachmittag den Tatort und zeigte sich erschüttert: «Ich bin entsetzt. Es lässt einen sprachlos zurück, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben müssen.» Auch die Studierendenschaft äußerte sich fassungslos. «Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht», sagte der Vorsitzende Peter Abelmann.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) Karin Prien zeigt sich ebenfalls tief betroffen. «Es ist erschütternd, dass der friedliche Ort des gemeinsamen Lernens zum Ort eines bewaffneten Anschlags wurde», sagte die CDU-Politikerin. «Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer, den Studierenden und Lehrenden und Universitäts-Angehörigen der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.»

Uni plant Trauerfeier

Die Heidelberger Universität bereitet eine Trauerfeier vor. Genaue Pläne dazu konnte Rektor Bernhard Eitel am Montagabend noch nicht nennen. Die Hochschule überlege zudem, wie die Tat intern aufgearbeitet werden kann. Sie solle auf jeden Fall thematisiert werden.

Beeindruckt zeigte sich Eitel sowohl von der schnellen Reaktion innerhalb der Universität als auch davon, wie rasch die Polizei nach Eingang des Alarms an der Einrichtung war. Das sei sehr gut gelaufen.

Den ganzen Tag erreichten ihn Bekundungen von Wissenschaftlern aus ganz Europa, die das Geschehen in Heidelberg verfolgten und Hilfe anböten. Gefühlt handle es sich auch um einen Angriff auf die Offenheit der Hochschulen und die akademische Tradition, so Eitel.

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