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Konflikte, Bundesregierung

Rund um den Flughafen Kabul herrschen vor dem Abzug der US-Kräfte Gewalt und Chaos.

29.08.2021 - 14:52:11

Afghanistan - Weitere Menschen aus Kabul gerettet - Vorwürfe gegen Bund. In letzter Minute werden weitere 300 Menschen mit Hilfe aus Deutschland in Sicherheit gebracht.

Berlin - Mit Unterstützung aus Deutschland sind nach dem Ende der Bundeswehrflüge mehr als 300 weitere Schutzbedürftige aus Kabul ausgeflogen worden.

Darunter waren nach Angaben aus der Bundesregierung in der Nacht zum Sonntag etwa 140 Deutsche sowie Ortskräfte und Mitarbeiter eines Auftragsunternehmens des beendeten Nato-Einsatzes. «Zeit» und «Spiegel» berichteten zudem, dass 189 Schutzbedürftige organisiert von der privaten Rettungsinitiative Luftbrücke Kabul zum Flughafen gebracht und ausgeflogen wurden, darunter auch Mitarbeiter deutscher Medien. Die Bundeswehr hatte ihren Evakuierungseinsatz am Donnerstag beendet. Die US-Streitkräfte wollen bis Dienstag abziehen.

Die Rettungsinitiative warf der Bundesregierung fehlende Unterstützung und massive Widerstände gegen eine vorbereitete Evakuierung vor. «Mit immensem Aufwand konnten wir 18 gefährdete Ortskräfte aus Kabul in Sicherheit bringen. 18 Menschenleben, dabei hätten es hunderte mehr sein können, wenn unsere Rettungsaktion nicht aktiv vom Auswärtigen Amt blockiert worden wäre», hieß es in einer Erklärung, die am Sonntag auf der Internetseite der zivilgesellschaftlichen Initiative verbreitet wurde. Aus der Bundesregierung wurde die Kritik zurückgewiesen.

Rettungsmission macht Bundesregierung Vorwurfe

Die Rettungsmission hatte eine Chartermaschine nach Kabul geschickt, um Gefährdete auszufliegen. «Für hunderte Menschen hatten wir eine sichere Unterkunft, haben sie offiziell auf Listen des Auswärtigen Amtes registrieren und absegnen lassen, organisierten einen Bustransport über die katarische Botschaft und hätten Menschen innerhalb weniger Stunden an den Flughafen und auf unser Flugzeug bringen können», so die Initiative. Die Bundesregierung «weigerte sich, eine E-Mail zu schreiben, um den Transport freizugeben», hieß es.

Die Initiatoren erklären, das Erlebte mache sprachlos und wütend und zeige eine «bürokratische und politische Verhinderungstaktik». Und: «Öffentlich wurde behauptet, dass das Flugzeug erwünscht sei, doch nach der Landung vor Ort war klar: Unser Flugzeug sollte keine Menschen evakuieren. Als Portugal unser Evakuierungsangebot für ihre afghanischen Ortskräfte dankend annahm, versuchten deutsche Diplomaten offenbar zu erzwingen, dass das Flugzeug niemanden evakuiert.»

Aus der Bundesregierung wurden die Vorwürfe als ungerechtfertigt zurückgewiesen und auf Chaos und Gefahren in Kabul sowie Blockaden an Kontrollstellen der Taliban verweisen, die in den vergangenen Tagen den Zugang zum Flughafen erschwert hätten. Mit Hinweis auf das Charterflugzeug wurde erklärt, dass freie Sitzplatzkapazitäten nie der Engpass der Evakuierung gewesen seien, wohl aber der sichere Transport von Schutzbedürftigen zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt.

Auch deutsches Sanitätsflugzeug bereits abgezogen

Die Bundeswehr zog am Wochenende auch die letzten Soldaten des Evakuierungseinsatzes zurück nach Deutschland ab. Auch das für Notfälle bereitgehaltene Sanitätsflugzeug («MedEvac») landete am Samstag auf dem niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf, wie die Bundeswehr mitteilte. Es war in der usbekischen Hauptstadt Taschkent für eine mögliche Rettung Verletzter aus dem afghanischen Kabul stationiert.

Bereits am Freitagabend waren drei Bundeswehrmaschinen aus Taschkent in Wunstorf gelandet, die rund 380 Soldaten aus dem Einsatz zurückbrachten. Bei der größten Evakuierungsoperation in der Geschichte der Bundeswehr hatte die Luftwaffe in elf Tagen 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern aus Kabul ausgeflogen, überwiegend Afghanen, aber auch mehr als 500 Deutsche. Am Sonntag flogen auch die zwei letzten Transportmaschinen mit Material zurück.

© dpa-infocom, dpa:210829-99-12215/2

@ dpa.de