Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Warum sind wenige so laut und viele so leise?

01.09.2020 - 21:27:19

Leitartikel zu Demonstrationen/Reichstags-Tumulten: Klarmachen, wo man steht von Jana Wolf

Regensburg - Warum sind wenige so laut und viele so leise? Diese Frage bleibt nach den Protesten in Berlin vom vergangenen Wochenende, bei der etwa 300 bis 400 Demonstranten die Absperrungen am Reichstagsgeb?ude ?berrannten, sich vor dem Sitz des Parlaments aufb?umten und damit eine der wichtigsten demokratischen Institutionen verh?hnten. Dieser aggressiven Truppe ist es gelungen, seit Samstag die ?ffentliche Debatte und die Timelines in den sozialen Medien zu beherrschen - die Reaktionen aus Politik, Medien und Gesellschaft sind aufgew?hlt. Dass unter den Demonstranten Rechtsextreme und Reichsb?rger waren und schwarz-wei?-rote Reichsflaggen wehten, macht die Szenen mitten im Regierungsviertel besonders h?sslich, keine Frage. Dennoch w?rde man sich w?nschen, dass die Bekenntnisse zu demokratischen Werten und Institutionen von der Mehrheit der Menschen ebenso leidenschaftlich vorgebracht werden, wie die Emp?rung ?ber die Treppenst?rmer. Um es zuzuspitzen: In Deutschland leben mehr als 83 Millionen Menschen, wenige hundert Protesttreiber aus Berlin stehen nun im Fokus. Den Gefallen sollte man ihnen nicht tun. Tats?chlich besteht die Gefahr, dass die durchaus legitimen Demonstrationen gegen die Corona-Politik zunehmend von extrem Rechten dominiert werden. Die Gewerkschaft der Polizei etwa warnt vor einem wachsenden Einfluss rechtsextremer Gruppen bei den Protesten. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ist besorgt, dass sich unter dem Deckmantel kruder Verschw?rungen antisemitische Tendenzen verfestigen. Ist die Grundlage einmal gelegt, tun sich extreme Gruppierungen leichter, ihre demokratiefeindlichen Ideologien weiter zu verbreiten. Diese Gefahr darf nicht verharmlost werden. Und genau aus diesem Grund sollte man nicht den Fehler machen, den wild zusammengew?rfelten Demonstranten eine zus?tzliche B?hne zu bieten. Nun gibt es auch in den Reihen der Protestanh?nger emp?rte Reaktionen. Manche sehen sich zu unrecht mit Rechtsextremen in einen Topf geworfen. Und ja, Differenzierung tut hier not. In Berlin demonstrierten insgesamt rund 40 000 Menschen. Darunter mischten sich Kaisertreue, Impfgegner, Esoteriker, Hippies, QAnon-Anh?nger, USA- und Russland-Freunde ebenso wie einfache Menschen mit existenziellen Sorgen. Auch ?berzeugte Kritiker der staatlichen Corona-Beschr?nkungen gingen auf die Stra?e. All diese ?berzeugungen und Meinungen d?rfen offen ge?u?ert werden. Deswegen ist es auch richtig, dass das Berliner Demo-Verbot vor Gericht nicht Bestand hatte. Das Demonstrationsrecht sollte auch weiterhin politisch neutral ausgelegt werden. Sp?testens seit diesem Wochenende m?ssen sich aber alle Anh?nger der Corona-Demos fragen, in welche Gesellschaft sie sich begeben - unabh?ngig davon, ob sie nur gleichg?ltig oder in vollem Bewusstsein neben Reichsflaggen marschierten. Wer gemeinsam mit Rechtsextremen auf die Stra?e geht, verleiht diesen weiter Auftrieb. Es werden h?chstwahrscheinlich weitere solche Demos kommen. Verharmlosende Ausreden aber kann es nicht mehr geben. Das St?rmen der Treppen zum Bundestag war nat?rlich bewusst inszeniert. Genau solche Bilder wollen die extrem Rechte produzieren, um die demokratischen Institutionen und Werte schwach aussehen zu lassen. Genau deswegen sollte man weder in die Emp?rungsfalle tappen noch gleichg?ltig dar?ber hinweggehen. Wir brauchen klare Bekenntnisse zu unseren demokratischen Werten, auch von der oft so leisen Mehrheit unserer Gesellschaft. Dazu geh?rt auch, ihre Institutionen nicht st?ndig und vorschnell in Frage zu stellen. Unsere Demokratie ist ein wertvolles Gut. Wir sollten auch klarmachen, dass wir es sch?tzen.

Pressekontakt:

Mittelbayerische Zeitung Redaktion Telefon: +49 941 / 207 6023 nachrichten@mittelbayerische.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/62544/4694852 Mittelbayerische Zeitung

@ presseportal.de