Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen, meinte einst DichterfĂĽrst Johann Wolfgang von Goethe.

03.01.2018 - 21:41:56

Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum boomenden Arbeitsmarkt, Autor: Reinhard Zweigler

Regensburg - Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen, meinte einst Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Die guten Zahlen der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit weisen sogar bereits seit einigen Jahren boomende Beschäftigung auf der einen und immer weiter sinkende Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite aus. Das ist zuerst ein Anlass für Freude und Zuversicht, weil die Konjunktur in Deutschland seit der dramatischen Finanzkrise vor knapp zehn Jahren bereits zum neunten Mal in Folge zulegt. Eine solch lange Wachstumsphase erinnert an die Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders in den Wiederaufbau-Jahren. Allerdings können die guten Arbeitsmarktzahlen aus Nürnberg auch sorglos machen, die trügerische Hoffnung nähren, es ginge nun einfach immer so weiter. Doch dem ist nicht so. Der Rückenwind der guten Beschäftigungslage sollte deshalb Ansporn und Herausforderung für Union und SPD sein, endlich eine vernünftige, beschäftigungsorientierte Bundesregierung hinzubekommen. Doch derzeit scheint es, als spielten zentrale Themen, wie Wachstum und Beschäftigung, Globalisierung und Digitalisierung, Bildung und Innovation bei den Treffen der möglichen Regierungspartner nur eine untergeordnete Rolle. Welch ein Trugschluss! Dass der Jobmotor derzeit so relativ gut läuft, hat zudem weniger mit der Politik der jetzigen geschäftsführenden Groko zu tun, die Wachstum zumindest nicht all zu sehr verhindert hat, sondern mehr mit dem günstigen internationalen Umfeld. Mit der nach wie vor vorhandenen Export- und Wettbewerbsstärke vieler deutscher Unternehmen, mit dem anziehenden Binnenkonsum in Deutschland, ja sogar etwas mit der überaus lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, mit der Investitionen erleichtert werden, weil das Geld immer noch extrem billig ist. Freilich wird EZB-Chef Mario Draghi nicht noch weitere Jahre lang Milliarden Euro in den Markt pumpen können. In den USA tritt man bereits vorsichtig auf die Geldbremse. Über kurz oder lang wird das auch die Euro-Bank in Frankfurt tun müssen. Hinter den guten Zahlen aus Nürnberg verbergen sich zudem noch einige andere teilweise besorgniserregende Entwicklungen, die sich eine künftige Regierung vornehmen sollte. So ist und bleibt es im Boomland Deutschland immer noch ein Skandal, dass Millionen Beschäftigte lediglich Niedriglöhne beziehen, die sie mit Hartz IV aufstocken, unfreiwillig in Teilzeit oder auf befristeten Stellen arbeiten oder mehrere Jobs annehmen müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Von der guten wirtschaftlichen Entwicklung profitieren nicht alle Beschäftigten, manche gar nicht. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst oder in der Metall- und Elektroindustrie dürfte es deshalb hart zur Sache gehen. Nicht vergessen werden dürfen dabei ebenfalls nicht die immer noch knapp eine Million Langzeitarbeitslosen, für die es Brücken in den Arbeitsmarkt zu bauen gilt. Fördern und fordern. Dass Nürnberg gleichzeitig nur rund eine Dreiviertelmillion offene Stellen verzeichnet, gibt das grassierende Problem des Fachkräftemangels indes in seiner ganzen Dimension nur bedingt wider. Das Fehlen gut ausgebildeter Mitarbeiter ist bereits zu einer Wachstumsbremse geworden. Unternehmen können zum Teil lukrative Aufträge nicht annehmen, weil das Personal fehlt. Deutschland muss viel verantwortungsvoller mit seinen jungen Leuten umgehen. Wenn fast zehn Prozent die Schule ohne Abschluss verlassen und dann auch kaum eine gute Ausbildung machen sowie einen guten Job finden, ist und bleibt das ein riesiges gesellschaftliches Problem. Trotz der guten Zahlen aus Nürnberg.

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