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Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Jan Psaki, versicherte k?rzlich zum Gel?chter der Reporter im Briefing-Raum des Wei?en Hauses, der neue Pr?sident habe nicht einen Gedanken an das Farbschema der Kabine in der Air Force One verschwendet.

02.02.2021 - 22:22:28

Der neue Stil im Wei?en Haus tut gut / Mit Joe Biden zieht in Washington wieder ein St?ck Normalit?t ein. Der neue Pr?sident r?umt im Eiltempo mit Trumps Exzessen auf. Leitartikel von Thomas Spang

Regensburg - Jan Psaki, versicherte k?rzlich zum Gel?chter der Reporter im Briefing-Raum des Wei?en Hauses, der neue Pr?sident habe nicht einen Gedanken an das Farbschema der Kabine in der Air Force One verschwendet. Biden verbringt seine Zeit auch nicht auf dem Golfplatz, sondern bei der Arbeit im Oval Office. Statt im Kabelfernsehen seine Befindlichkeiten zu ventilieren, ber?t sich der Pr?sident mit Experten. Vor allem braucht niemand mehr mitten in der Nacht schwei?gebadet aus einem Albtraum aufwachen, um sich zu vergewissern, dass der US-Pr?sident nicht via Twitter einen Atomkrieg erkl?rt hat. Selbst tags?ber strahlt Bidens Twitter-Konto g?hnende Langweile aus. Hat er es ?berhaupt schon einmal benutzt?

Gewiss macht der 46. Pr?sident von seinem Telefon Gebrauch. Nicht, um etwa den australischen Ministerpr?sidenten zu beleidigen, sondern normale Gespr?che mit ausl?ndischen Staats- und Regierungschefs zu f?hren. Mit Freunden, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, geriet das Telefonat zu einem freundlichen Austausch, mit Gegnern, wie Russlands Pr?sident Wladimir Putin, w?hlte Biden einen ernsten Ton. Seine Sprecherin muss im Briefingraum des Wei?en Hauses nicht die Reporter beschimpfen oder ?ber die unglaublichen Menschenmengen zu fantasieren, die bei der Amtseinf?hrung des geliebten Pr?sidenten angeblich zugegen waren. Sie beantwortet stattdessen kompetent alle Fragen, verspricht die R?ckkehr von Transparenz, Wahrhaftigkeit und Fakten. Der oberste Infektiologe der USA, Anthony Fauci, darf ohne Aufpasser vor die Presse treten und sagen, wie die Dinge bei der Pandemie stehen. Eine erfreuliche Neuerung sei, so Fauci zum Unterschied zur Vorg?ngerregierung, dass er nicht mehr um den hei?en Brei herumreden m?sse. Wenn er zu etwas keine Antwort habe, k?nne er dies nun einfach zugeben. Die ersten Tage Bidens markieren eine willkommene R?ckkehr zur Normalit?t, in einer Zeit, die alles andere als gew?hnlich ist. Es ist noch keine drei Wochen her, als ein von Donald Trump aufgehetzter Mob den Kongress st?rmte. W?hrenddessen beklagen die USA wegen Trumps verheerendem Corona-Krisenmanagement mit bald einer halben Millionen Covid-19-Toten mehr Opfer als im ganzen Zweiten Weltkrieg.

Ein gro?er Teil der sorgf?ltig vorbereiteten Dekrete und Gesetzesinitiativen der ersten Tage, zielt darauf ab, die schlimmsten Exzesse Trumps im Amt r?ckg?ngig zu machen. Vom Wiedereintritt ins Pariser Klimaabkommen ?ber die Aufhebung des Muslim-Banns bis hin zum Stopp des Mauerbaus. Bidens Restaurations-Projekt wird von einem talentierten Team erfahrener Technokraten vorangetrieben, die den ?ber Jahrzehnte eingespielten Prozess der Entscheidungsfindung in Washington wiederherstellen. Dazu geh?rt die R?ckkehr der dicken Briefing-Kladden sowie die Einbindung von Interessengruppen und Verb?nden.

Dass dir gr??ten "Skandale" Bidens seine Begeisterung f?r einen teueren Peloton-Heimtrainer oder das Tragen seiner Rolex-Uhr am Tag der Amtseinf?hrung waren, ist f?r sich genommen ein Zeichen der neuen Normalit?t. Was Joe- "Normalo" allerdings nicht beeinflussen kann, ist der Umgang der Republikaner mit dem abgew?hlten Pr?sidenten, der in den vergangenen vier Jahren die Werte und Institutionen der USA unterminiert hat. Zuletzt mit einem offenen Angriff auf das Herz der amerikanischen Demokratie.

Solange die "Grand Old Party" sich nicht aus dem W?rgegriff des Demagogen Trump befreit, kann es in einem Zweiparteiensystem keine vollst?ndige R?ckkehr zur Normalit?t geben. Die Chancen stehen leider nicht gut, dass die Republikaner den anstehenden Impeachment-Prozess nutzen werden, sich im Schleudergang vom Trumpismus zu s?ubern.

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