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Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Deutschland muss sich verabschieden von der Illusion, Amerika werde weiter den Weltpolizisten spielen.

10.11.2020 - 22:02:16

Die untersch?tzte Truppe / Deutschland muss sein Milit?r besser ausstatten, das erkennt jetzt auch Berlin. Geld allein wird es aber nicht richten. Leitartikel von Marianne Sperb. US-Pr?sident Joe Biden wird zwar einen zivilisierten Ton anschlagen, in der Sache aber hart bleiben und an das Versprechen erinnern, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes f?rs Milit?r zu reservieren.

Regensburg - Deutschland muss sich verabschieden von der Illusion, Amerika werde weiter den Weltpolizisten spielen. US-Pr?sident Joe Biden wird zwar einen zivilisierten Ton anschlagen, in der Sache aber hart bleiben und an das Versprechen erinnern, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes f?rs Milit?r zu reservieren. Das hat Kanzlerin Angela Merkel erkannt. Gleichzeitig zieht eine neue Bedrohung auf: digitale Technologien. Bewaffnete Konflikte, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer aktuell bei der Tagung an der Universit?t der Bundeswehr in M?nchen, werden schneller, komplexer, unberechenbarer.

Deutschland muss wehrhaft bleiben und auch f?r die Sicherheit Europas und der Welt seinen Teil leisten: Dieses Bewusstsein w?chst in einer Phase, in der die Bundeswehr es bitter n?tig hat.

Die Truppe, 30 Jahre lang kaputt gespart, liegt flach und gefaltet am Boden, mit einer Ausr?stung, ?ber die der Feind lacht. Die Hauptwaffensysteme sind weit entfernt von den angestrebten 70 Prozent funktionsf?higen Materials - eine Quote, die man kaum f?r die Ger?tschaften im eigenen privaten Haushalt tolerieren w?rde. W?hrend Gro?britannien gerade einen neuen hochmodernen Flugzeugtr?ger in Dienst nimmt, kann ein gro?er Teil der deutschen Transport-Hubschrauber nicht einmal vom Boden abheben. Der Etat der Bundeswehr steigt zwar, von 32 Milliarden Euro 2014 auf 46 Milliarden aktuell, aber Zentralisierungen, Privatisierungen und dysfunktionale Strukturen machen die Truppe streckenweise fl?gellahm. Das benennt auch ein aktuelles Strategiepapier zweier Top-Spezialisten: von Hans-Peter Bartels, dem fr?heren Wehrbeauftragten, und Generalleutnant a. D. Rainer Glatz.

In der Bundeswehr l?uft zu viel schief. Das Beschaffungsamt in Koblenz mit seinen gut 10 000 Mitarbeitern erweist sich als anonyme Mammutbeh?rde mit oft wenig Durchblick und mangelndem Anschluss an die Praxis. Und das Tauziehen um den Ersatz f?r die veralteten Tornados belegt, wie die Streitkr?fte als nationales Wirtschaftsf?rderungsprogramm missverstanden werden. Der Kauf von Kampfjets von US-Hersteller Boeing, milit?risch und strategisch sinnvoll, wurde aus politisch-wirtschaftlichen Gr?nden torpediert.

Marode Ausr?stung und fehlgeschaltete Zust?ndigkeiten sind aber nur ein Problemherd, der bei der Bundeswehr brennt. 70 Jahre Frieden und der Fall der Mauer haben die Illusion gen?hrt, Soldaten brauche es h?chstens noch als Helfer und Krisenmanager im Ausland. Aber ein Leopard-2-Panzer ist nicht f?r Spazierfahrten durch die Natur gedacht, sondern ein potenzielles Instrument des Krieges. Soldaten m?ssen im Ernstfall bereit sein, zu t?ten und ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Im Verh?ltnis zu ihrer verantwortungsvollen Aufgabe und ihrem hohen Risiko ist ihr Image schlecht bis nicht vorhanden, die Bezahlung m??ig und das Bekenntnis der Regierenden zu den Streitkr?ften schwach.

Die Politik redet von humanit?ren Eins?tzen, aber nicht vom Kernauftrag, dem Kampf, der in der ?ffentlichen Kommunikation nicht vorkommt. Das f?hrt zur Entfremdung, zu Resignation, zu Frustration. Fr?her, sagt der Milit?rhistoriker S?nke Neitzel, w?hlten Offiziere traditionell CDU, Unteroffiziere SPD. Heute wendet sich eine Reihe Soldaten der AfD zu, bei der sie sich verstanden f?hlt, andere wandern gleich ganz ins rechtsradikale Spektrum ab, wie zuletzt der Skandal um die KSK zeigte.

Wir leben nicht in friedlichen Zeiten. Syrien, Ukraine: Wir sind umgeben von Konflikten. Sicherheit gegen ?u?ere Feinde kann man aber nicht einfach komplett an eine andere Macht delegieren. Deshalb braucht Deutschland eine Bundeswehr, die nicht nur modern ausger?stet ist, sondern auch R?ckhalt in Politik und Gesellschaft bekommt. Denn Amerika wird nicht l?nger den Besch?tzer spielen.

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