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Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Der erste Akt der Aufkl?rung des bayerischen Corona-Test-Debakels vollzog sich jetzt im Gesundheitsausschuss des Landtags.

19.08.2020 - 20:47:15

Wie viele Fehler erlaubt Covid-19?/Erstaunlich viele B?rger erteilen S?der nach der Testpanne Absolution. Das Debakel muss dennoch akribisch aufgekl?rt werden. Leitartikel von Christine Schr?pf. Gesundheitsministerin Melanie Huml und Staatskanzleichef Florian Herrmann schlugen sich wacker und gelobten, aus der Lektion gelernt zu haben bei gewisser Sch?nf?rberei.

Regensburg - Der erste Akt der Aufkl?rung des bayerischen Corona-Test-Debakels vollzog sich jetzt im Gesundheitsausschuss des Landtags. Gesundheitsministerin Melanie Huml und Staatskanzleichef Florian Herrmann schlugen sich wacker und gelobten, aus der Lektion gelernt zu haben bei gewisser Sch?nf?rberei. Denn als Prototyp mit zwangsl?ufigem Fehlerpotenzial waren die Teststationen f?r Reiser?ckkehrer bisher nicht deklariert, vielmehr als beachtliche Dienstleistung f?r die ganze Republik. Die Leidenschaft von SPD, FDP und Gr?nen beim Sezieren der Mega-Testpanne mag zum Teil parteipolitisch motiviert sein, es mag Genugtuung mitschwingen, dass die Fehler auch Regierungschef Markus S?der als Deutschlands obersten "Corona-Sheriff" entzaubern. Doch die Opposition hakt zu Recht akribisch nach, damit sich das Kuddelmuddel bei einer m?glichen neuen Corona-Welle im Herbst nicht wiederholt. Ein "Schwamm dr?ber" n?tzt nichts. S?der hat es formuliert: Was passiert ist, verfehlt die Anspr?che, die Bayern sich stets selber steckt. Deutlich wird in der Causa, wie eng die CSU die Reihen schlie?t. Die Verteidiger Humls bilden dabei unausgesprochen vor allem auch einen Schutzwall um S?der. Es ist nicht der einzige R?ckhalt, den S?der erf?hrt. Aktuell meldet sich auch aus der B?rgerschaft eine beachtlich gro?e Zahl von S?der-Verteidigern zu Wort. Ihre Entschuldigungformel: "Jeder kann einmal einen Fehler machen" oder "Wer nichts macht, macht auch nichts falsch." Zur Aufkl?rung der Sache tr?gt das nicht viel bei, aber es ist bemerkenswert. S?der hat mit seinem Corona-Krisenmanagement seit M?rz nicht nur die eigenen Umfragewerte nach oben geschraubt - eine W?hrung, die als sehr fl?chtig gilt. Er hat sich dar?ber hinaus offenkundig echte tiefe Sympathien erworben. Das Verzeihen von Fehlern ist dabei (vorerst) inklusive. Tats?chlich tr?gt S?der am Test-Debakel einen geh?rigen Anteil: Er wollte die Gratis-Tests f?r Reiser?ckkehrer von jetzt auf gleich, gestattete wenig Zeit f?r die Vorbereitung. Sein F?hrungskonzept, durch gr??ten Druck H?chstleistungen zu erzwingen, funktioniert h?ufig. Dieses Mal ist die Strategie gescheitert. Bei S?der muss Gewissheit reifen, dass manches wirklich nicht auf Knopfdruck m?glich ist. Fakt ist: 900 der Infizierten, die sich an Autobahnen, Flugh?fen oder Bahnh?fen in Bayern testen lie?en, wurden viel zu sp?t informiert, weitere rund 50 sind ?berhaupt nicht mehr zu ermitteln. Was S?der und Huml ein wenig aufatmen lassen d?rfte: Unter den Infizierten scheint kein "Superspreader" gewesen zu sein, der viele angesteckt hat. Jedenfalls ist davon bisher nichts bekannt. Das Testdebakel wirft die grunds?tzliche Frage auf, welche Fehler Covid-19 erlaubt und wie viel Verantwortung jenseits der Politik jeder einzelne B?rger tr?gt. In Schwandorf wanderten diese Woche 100 Geburtstagsg?ste und 20 weitere Kontaktpersonen in Quarant?ne, weil ein infizierter Reiser?ckkehrer bei der Party unwissentlich mitfeierte. Er w?hnte sich gesund, weil ihm nach eigenen Worten an der Teststation im Falle einer Infektion binnen 24 Stunden eine Warnmeldung versprochen worden war. Die Ern?chterung folgte an Tag 3, als das positive Ergebnis eintraf. So viel vorweg: Bayerns Teststrategie hatte in diesem Fall nicht versagt. Auch drei Tage Wartezeit bis zum Testergebnis sind bei dem aktuell hohen Andrang an Teststationen beachtlich. W?re es immer so gewesen, g?be es keine Test-Aff?re. Bleibt die Gewissenfrage: H?tten Sie selbst in ?hnlicher Lage auf den Besuch der Geburtstagsparty verzichtet? Covid-19 erlaubt nicht viele Fehler: Das gilt speziell f?r Reiser?ckkehrer. Ein Urlaub in sicheren Regionen ist zwar trotz Pandemie m?glich, ein Restrisiko reist aber immer mit. Die vielen Positivbefunde an Bayerns Teststationen zeigen: Es ist nicht klein.

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