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Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Das Pausenbrot wird auf dem Schulhof auf einmal langsam und gen?sslich verspeist, anstatt es wie sonst schnell hinunterzuschlingen.

20.11.2020 - 20:32:22

Kreativit?t und Kompromiss gefragt/Wie geht man bei den hohen Infektionszahlen mit den Schulen um? Kurz vor dem Winter wird die Debatte ungem?tlich. Jetzt r?cht sich, was zu lange vers?umt wurde.

Regensburg - Das Pausenbrot wird auf dem Schulhof auf einmal langsam und gen?sslich verspeist, anstatt es wie sonst schnell hinunterzuschlingen. In Corona-Zeiten dient die Mahlzeit nicht mehr nur dazu, den knurrenden Magen zu beruhigen, sondern auch, befreiende Minuten ohne Maske im Gesicht zu gewinnen - zumindest gilt das f?r jene Schulen mit Maskenpflicht in Pausen. Manch ein Sch?ler dehnt diese gerne in die L?nge. Solche Erfahrungen, die man in diesen Tagen von Eltern schulpflichtiger Kinder h?rt, lassen einen schmunzeln. Sie sind eine Aufmunterung in der sonst so angestrengt gef?hrten Debatte ?ber den richtigen Umgang mit den Schulen.Kein Wunder, denn die Lage ist ernst. Die Infektionszahlen sind trotz Teil-Lockdown hoch. Gestern meldete das Robert-Koch-Institut mit 23 648 Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen neuen Rekordwert. Auch wenn die Lage angespannt bleibt, darf an einem Ziel aber nicht ger?ttelt werden: Der Schulunterricht muss weiterlaufen. Um das zu erreichen, w?rde man sich auf bildungspolitischer Ebene ?hnlich viel Kreativit?t und Erfindungsreichtum w?nschen wie auf manch einem Schulhof.Stattdessen wird die Diskussion oft verbissen gef?hrt. ?ber das Ziel, den Unterricht aufrechtzuerhalten, herrscht noch weitgehend Einigkeit. Bei dessen Erreichung jedoch driften die Ansichten weit auseinander. W?hrend manch einer schon ?ber erneute Schulschlie?ungen nachdenkt, darf aus Sicht etwa der bayerischen Gymnasialdirektoren das Homeschooling nur eine absolute Notl?sung sein. In einem Rundbrief stellt deren Berufsvereinigung BayDV aber nicht nur den reinen Distanzunterricht, sondern auch das Wechselmodell von Pr?senz- und Distanzbeschulung als "Ultima Ratio" dar. Solche strengen Mahnungen und kategorischen Tabus aber helfen in der Debatte nicht weiter. Angesichts der hohen Viruszahlen m?ssen Wege gefunden werden, komplette Schulschlie?ungen zu umgehen. Der Schaden gerade f?r Sch?lerinnen und Sch?ler w?re zu gro?. Auch wenn es die Schulen vor logistische Herausforderungen stellt, kann der Wechselunterricht doch eine m?gliche Option sein.Klar, jedem Betroffenen w?re es lieber, der Unterricht k?nnte regul?r und ohne Einschr?nkungen weiterlaufen. Das Wechselmodell kann freilich nur eine Kr?cke sein, die auch Nachteile birgt: So werden Klassen geteilt und das soziale Gef?ge gest?rt. Aber die Pandemie ist eben kein Wunschkonzert, ein Zuckerschlecken ist sie schon gar nicht. Das hat die erste Virus-Welle und die Schulschlie?ungen vom Fr?hjahr ?berdeutlich gemacht: Gerade lernschwache Sch?ler sind im Stoff weit zur?ckgefallen, was sich nur schwer wieder nachholen l?sst. Kinder aus sozial benachteiligen Verh?ltnissen leiden ?berproportional stark an den Pandemie-Folgen - sozial, gesundheitlich und wirtschaftlich. Um solche harten und langfristigen Folgen abzufedern und so weit es geht zu vermeiden, m?ssen die Schulen zu Kompromissl?sungen bereit sein.Dass die Debatte kurz vor dem Winter ungem?tlich wird, hat vor allem mit bildungspolitischen Vers?umnissen zu tun. Die Sommermonate wurden zu wenig genutzt, um den Bildungsbereich auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Zwar gibt es politische Beschl?sse, die in die richtige Richtung weisen. Doch die konkreten Verbesserungen kommen in den Schulen zu sp?t an. Jetzt r?cht sich, was langfristig vers?umt wurde: bessere Technik und mehr digitalen Kompetenzen. Die Pandemie hat die Defizite weiter versch?rft.Wenn Bund und L?nder am Mittwoch dann erneut beraten, werden die Schulen im Fokus stehen. Man kann nur hoffen, dass die Regierungschefs ihr Wort halten: komplette Schulschlie?ungen darf es nicht geben. Es steht zu viel auf dem Spiel.

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